Fambach Kronkorken für den guten Zweck

Birgitt Schunk

Auf dem Firmengelände von Mario Kuhn in Fambach laufen die Fäden zusammen: Hier werden Kronkorken gesammelt, um Kinderhospiz-Einrichtungen zu unterstützen.

Mario Kuhn (l.) und Patrick Hollenbach freuen sich über die große Resonanz und befüllen Mitte August den zweiten Container – danach wird ein dritter Behälter aufgestellt. Foto: Birgitt Schunk

Das Telefon klingelt oft bei Mario Kuhn im Gewerbegebiet an der Fambacher Ölmühle. Doch nicht immer geht es um Dinge, die seinen Werkzeug- und Metallbaubetrieb betreffen. Der Unternehmer unterhält auch eine Sammelstelle für Kronkorken – und das natürlich ehrenamtlich. „Es rufen oft Leute an und fragen, wann sie ihre Bierstöpsel oder Deckel von Marmeladengläsern vorbei bringen können“, sagt er. Feste Öffnungszeiten hat er dafür nicht. „Aber wenn wir da sind, klappt das eigentlich immer – auch am Wochenende.“

Nach der Werbung weiterlesen

Verein gegründet

Der Erlös aus dem Verkauf der Kronkorken und Deckel kommt Kinderhospiz-Einrichtungen zugute. Auch kleinere Mengen sind willkommen. Mario Kuhn betreibt eine von 170 Sammelstellen in Thüringen, 60 sind es in Sachsen.

„Sie alle laufen über unseren Verein, der in diesem Jahr gegründet wurde“, sagt Vorstandsmitglied Patrick Hollenbach aus Brotterode, der für die Region zuständig ist. „Kronkorken fürs Kinderhospiz e.V.“ heißt dieser offiziell.

Inzwischen geht die Hilfe nicht nur nach Tambach-Dietharz, sondern auch an „Bärenherz Leipzig“, eine Einrichtung in Sachsen. 35 Mitglieder hat der Verein bereits, über 3200 Personen waren es bereits Mitte August, die die Facebook-Seite bereits verfolgen. Über die sozialen Medien wird Werbung gemacht für die Aktion. „Und so erzählt jeder jedem davon und immer mehr machen mit“, sagt Hollenbach.

Zum letzten Aktionstag im Juli kamen wieder viele Sammler wie hier das Team „Pommersche Partymeile“ aus Wernshausen und gaben Kronkorken ab. Foto: privat

Kennengelernt haben sich er und der Unternehmer aus Fambach über das Interesse am Motorsport. „Und so kam es zustande, dass ich hier mitgemacht habe, denn da hilft man gerne“, erzählt Mario Kuhn, der selbst Vater und Großvater ist. „Da geht das einem schon nahe, wenn Kinder betroffen sind.“

Das Kinder- und Jugendhospiz Tambach-Dietharz gilt als besonderer Ort für Familien mit unheilbar erkrankten Kindern. „Jedes Jahr bekommen mehr als 6.500 Eltern diese schockierende Diagnose. Mehr als 50.000 Kinder und Jugendliche mit einer tödlichen Erkrankung leben aktuell in Deutschland“, heißt es auf der Homepage der Einrichtung.

„Unser Kinder- und Jugendhospiz ist Anlaufpunkt für Familien aus der ganzen Bundesrepublik. Einige Familien besuchen uns immer wieder im schönen Thüringer Wald und genießen eine ganz persönliche Auszeit vom Alltag in unserer Herberge des Lebens. Hier hat Menschlichkeit einen Platz. Hier schaffen wir Momente, die bleiben.“ Um dies aber alles aufrecht erhalten zu können, werden immer wieder Spenden benötigt.

Und so hat Mario Kuhn auf seinem Betriebsgelände zwei Container gestellt, die Mitte August schon voll waren. „Jetzt kommt ein dritter hinzu, denn schon wieder stapeln sich die Kartons mit Nachschub“, sagt er.

Ab und an wird ein Aktionstag veranstaltet, an dem gezielt einen Tag lang die Leute von ringsum ihr Sammelgut – Kronkorken, Blechdeckel, Flaschendeckel aus Metall oder Bügel von Sektflaschen – abgeben können.

An den Schrotthandel verkaufen wird er alles erst dann, wenn die Preise stimmen. Deshalb stellt er sein Gelände als Lagerplatz zur Verfügung. „Ich will natürlich, dass möglichst ein guter Erlös für die Hospizeinrichtungen rum kommt.“ Kuhn verfolgt ohnehin täglich die Schrottpreise, weil auch in seinem Unternehmen beim Fräsen und Drehen Metallspäne anfallen. Lässt er diese abfahren, gehen auch die Kronkorken und Deckel mit auf Reisen. „Somit fallen dafür keine Extra-Anfahrtskosten für den Transport an“, sagt er.

Der Erlös für die Kronkorken gehe dann vom Schrotthandel direkt an den Verein, der wiederum das Geld an die Einrichtungen spendet. „Im vergangenen Jahr kamen so über diese Sammelaktion insgesamt 70 Tonnen und rund 23 800 Euro zusammen“, sagt Vorstandsmitglied Patrick Hollenbach, der hier ebenso sich ehrenamtlich engagiert, denn ansonsten ist der Brotteröder als Lagermitarbeiter tätig. Und er sieht noch ein weiteres gutes Argument für die Aktion. „Es ist nicht nur eine tatkräftige Hilfe für die Hospize, sondern auch eine Wiederverwertung von wertvollen Rohstoffen, die zu schade sind, um im Müll zu landen.“

Auch Kerzenreste sind gefragt

Als Verein habe man nun auch die Möglichkeit, Spendenquittungen auszustellen, denn man ist schließlich auch auf Sponsorensuche. „Wir haben noch ein neues Projekt, wo fürs Joggen, Wandern oder Radfahren pro Kilometer gespendet wird“, sagt er.

Und gesammelt werden soll auch noch mehr. Jetzt sind sogar Kerzenreste gefragt, denn für das Kinderhospiz „Bärenherz“ in Sachsen sollen Weihnachtskerzen in Teddyform gegossen und verkauft werden. Ein großes Weihnachtsevent in Thangelstedt bei Blankenhain im Weimarer Land wird für den 6. Dezember 2025 zudem vorbereitet. Auch hier soll der Erlös wieder direkt den Kinderhospizeinrichtungen zugutekommen.

Kontakt

Verein
„Kronkorken fürs Kinderhospiz e.V.“

Patrick Hollenbach, Telefon 01 73/2 64 62 57