Fambach „Keiner fällt – vom Rand der Welt“

Annett Recknagel
Ralph Schüller und Gunter Schwarz unterhielten das Publikum zum Frühlingsfest des hessischen Geschichtsvereins auf Schloss Todenwarth. Foto:  

Auf der Todenwarth bei Fambach wurde Frühlingsfest gefeiert. Wie immer war es mit einem Konzert verbunden – Ralph Schüller und Gunter Schwarz unterhielten das Publikum bestens.

Es ist schon was fürs Ohr. Und zwar im doppelten Sinn. Musik und Rhythmus zum einen, die Texte zum anderen. „Post in die Flasche, die Flasche ins Meer. Und ich mach mir noch eine auf“ – Wortspiele gibt es viele. Ebenso Assoziationen. Solche, die hängen bleiben. Die einen nachdenken lassen. Die einen aber auch erinnern. An eigene Erlebnisse. Manchmal an längst vergessen geglaubte. „Der Briefkasten, der hat den Mund immer offen und er staunt genauso wie wir, wenn das Licht nicht mehr angeht, kurz nach Mitternacht, kurz nach zwei, kurz nach vier.“ Den Zeilen haftet etwas Stalkerhaftes an. Man kennt es – die Nachbarn hat man nicht nur in Leipzig ständig im Blick.

Er kann singen

Aus Sachsen stammen Ralph Schüller und sein Kompagnon. Bei ihm stellt sich die ernst zunehmende Frage: Heißt er jetzt Gunter oder doch Knut? Fans wissen das. Jochen Halbig nennt ihn Gunter. Ralph Schüller begrüßt ihn als Knut. Etwa ein Doppelname? Gunter-Knut? Oder Knut-Gunter? Wie dem auch sei – er kann singen. Und wie. Und Gitarre spielen genauso.

Die hessischen Geschichtsfreunde, die zum Frühlingsfest auf Schloss Todenwarth zusammengekommen sind, sind auch der beiden Herren wegen dort. Ralf Schüller und Band – das ist ihnen ein Begriff. Selbst im Coronasommer gastierte das Ensemble bei Halbigs. Jetzt wieder. Auch, wenn diesmal die Brotteroder Fleischerei leider geschlossen hatte. Bratwürste ade. Aber man kann sie bestellen – bietet Jochen Halbig an. Und die zwei Herren freuen sich diebisch.

„Ich hab kein Fahrrad und ich geh niemals zu Fuß. Ich nehm nicht die Bahn und erst recht nicht den Bus“ – die Zeilen glaubt man den vermeintlichen Gunter-Knut Schwarz aufs Wort. Der Aufforderung: „Gebt mir einen Tipp, was ich anders machen kann!“ folgt die Aussage: „Ich ess kein Gemüse und ich pfeife auf Anarchie und den Staat.“

Der Hund wacht

Ein richtig schöner Spätnachmittag ist das auf Schloss Todenwarth. Die Haustür bei Halbigs steht offen. Der Hund wacht. Im Garten Stühle und Menschen. Eine Wiese voller Gänseblümchen. Es darf geschaukelt werden. „Und das Glück zog von uns fort. Und wer es nicht sucht, wird es auch nicht finden.“ Die beiden Herren singen, erzählen Geschichten, spielen Gitarre und freuen sich wieder einmal in Thüringen sein zu dürfen. „Eine Schwalbe, kein Sommer. Keiner fällt – vom Rand der Welt“ – sie verstehen ihr Handwerk.

Es macht Spaß, ihnen zuzuhören. Die Atmosphäre stimmt. Sie bekommen Applaus. Schön, dass Frühlingsfeste wieder erlaubt sind. Da braucht man niemanden fragen. Das kann man in den Gesichtern der Gäste ablesen. In den Coronajahren gab es sie auf Schloss Todenwarth auch. Als Open-air-Veranstaltungen.

Jetzt endlich durfte man gemeinsam auch wieder gemütlich Kaffee und Kuchen genießen. Und natürlich fachsimpeln. Erika Heilgeist verwies schon jetzt auf die neueste Veröffentlichung mit dem Titel „Ortsbeschreibungen Herrschaft Schmalkalden“. Der erste Band bezieht sich auf das 18. und 19. Jahrhundert und umfasst beinahe 500 Seiten. 200 Stück davon sollen gedruckt werden. Die Präsentation ist für Anfang November vorgesehen.

Vier Bände

Als Autoren stehen Gudrun Hammel, Erika Heilgeist, Michael Scholz und Jürgen Messerschmidt im Impressum. Die Gestaltung oblag Jeannette Fräbel. Übrigens sind insgesamt vier Bände geplant.

Zum Frühlingsfest anwesend war auch der Vereinsvorsitzende Klaus Holland-Letz. Wobei er gegenwärtig von Jochen Halbig sehr gut vertreten wird. Zur Jahreshauptversammlung des Hessischen Geschichtsvereins am 19. Mai wird im Ratskeller ein neuer Vorstand gewählt werden.

 

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