Fall Hauptmann Taiwans Opposition kritisiert Zahlungen für Werbeblatt

Mark Hauptmann. Foto: picture alliance/dpa | Lisa Ducret/Archiv

Werbung aus Steuermitteln im Blatt eines CDU-Provinzpolitikers im fernen Deutschland? Das kam auch der Opposition in Taiwan merkwürdig vor. Die Regierung verteidigt die Investition im Sinne Mark Hauptmanns – und weist Vorwürfe zurück, sie habe aus politischen Motiven gehandelt.

Taipeh/Suhl - Das Außenministerium von Taiwan hat die Mitfinanzierung von Mark Hauptmanns CDU-Werbeblatt „Südthüringen-Kurier“ durch Tourismus-Anzeigen vor Kritik aus der Opposition verteidigt.

Insgesamt 24.000 Euro habe man seit 2015 dort investiert, „um die Sichtbarkeit Taiwans in Thüringen zu verbessern“, sagte ein Ministeriumssprecher am vergangenen Montag vor Journalisten in Taipeh.  So berichtet es die staatliche taiwanesische Nachrichtenagentur CNA.  

Der Abgeordnete Chen I-hsin von der oppositionellen Kuomintang-Partei hatte zuvor kritisiert, dass die für ihre Sparsamkeit bekannte Regierung Steuergelder ausgerechnet in die Werbezeitung eines einzelnen Bundestagsabgeordneten in einem der kleinsten Bundesländer Deutschlands steckt.

Vermutungen des Oppositionspolitikers, dass politische Motive dahinter stecken könnten,  wies das Ministerium als „bedauerliche Vorwürfe“ zurück. Es sei ausschließlich um Werbung für Taiwan gegangen, und man habe auch keine örtlichen Politiker begünstigen wollen, hieß es.

Der Sprecher betonte, die Gelder seien nicht an Hauptmann selbst gegangen, sondern an den von diesem unabhängigen Anzeigenvermarkter, den der Politiker mit der technischen Produktion und dem Vertrieb des „Südthüringen-Kurier“ beauftragt hatte.

Die Kampagne passe in die Bemühungen des taiwanesischen  Gesandten in Berlin, Shieh Jhy-wey, in Deutschland  für die Unterstützung Taiwans zu werben, sagte der Ministeriumssprecher. Angaben dazu, ob sich die Werbung für Taiwan ausgezahlt hat oder ob auch in anderen Regionen ähnliche Anzeigen geschaltet wurden,  machte der Sprecher der Agentur CNA zufolge nicht.

Wegen des Alleinvertretungsanspruchs der viel größeren Volksrepublik China ist Taiwan („Republik China“)  international nicht voll anerkannt, und es gibt keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu Europa.

Der taiwanesische Oppositionspolitiker, der dem Auswärtigen Ausschuss angehört, zeigte sich dem Bericht zufolge außerdem besorgt um den Ruf Taiwans in der Welt. Das Land war in den auch in Asien verbreiteten Berichten über Hauptmanns internationale Lobby-Aktivitäten und seinen Rücktritt in einem Atemzug  mit Aserbaidschan genannt worden.

Anders als in Taiwan gibt es in Aserbaidschan weder Demokratie noch Pressefreiheit und demzufolge auch keine öffentliche Kritik an den Geschäften mit Hauptmann.

Auch aus Vietnam (das ebenfalls Anzeigen für Hauptmann schaltete und keine  freien Medien kennt) sind keine Reaktionen auf die Vorgänge bekannt.

Mehr zum Thema >>>

Autor

 

Bilder