Fairer Handel Die große weite Welt in einem Laden

Andrea Svoboda gab die Leitung des Weltladens jetzt in die Hände von Hanna Wolff – das Geschäft in der Gillersgasse existiert bereits im 25. Jahr.

Schmalkalden - Etwas Wehmut schwingt mit. Das darf auch sein. Immerhin führte Andrea Svoboda ihren Weltladen über 17 Jahre lang. Jetzt geht sie in den Ruhestand und übergab ihr Geschäft zum Monatswechsel in die Hände von Hanna Wolff. Eine gute Symbiose, wie beide Frauen finden. Der Weltladen nämlich ist seit dem 7. Dezember 2012 in der Gillersgasse 1 untergebracht. Das ist das Gebäude, in dem in den oberen Etagen das Zinnfigurenmuseum ansässig ist. Hanna Wolffs Mann Stefan Gampe ist Besitzer und Betreiber. Weltladen und Museum in einem Haus – für Hanna Wolff ist das natürlich eine ideale Kombination. „Die Männer können schon mal hoch ins Museum, derweil schauen sich die Frauen ganz entspannt hier unten im Laden um“, sagt sie und hat Recht.

Zu sehen gibt es im Weltladen jede Menge. Eine Ecke ist schöner als die andere. Ob Textilien, Kunsthandwerk, Musikinstrumente, Filzwaren, Papierwaren oder Wein – alles ist in einem sehr ansprechenden Ambiente angeordnet. Schon beim Betreten des Weltladens steigen einen Kaffee- und Teearomen in die Nase. Die Blicke bleiben an bunten Dekorationsartikeln hängen. Natürlich gibt es auch Lebensmittel. „Alles fair gehandelt“, betonen die beiden Frauen.

Der Weltladen ist in der Region gut vernetzt. Andrea Svoboda bietet Produkte aus über 30 Ländern an. Seit 2004 ist sie selbstständige Geschäftsinhaberin. Natürlich waren fair gehandelte Waren in Schmalkalden auch schon vorher zu haben. Bereits im Sommer 1992 waren fair gehandelte Produkte in Schmalkalden präsent. Eckart Simon, Antje Dittmar und Ingola Eisenacher präsentierten sie damals an einem Stand zum Stadtfest. Die heutige Vorsitzende des ökumenischen Arbeitskreises „Eine Welt“ e. V., Renate Müller, wurde auf diese Weise aufmerksam. Schnell waren weitere Mitstreiter gefunden. Zwischen 1992 und 1996 war man als Gruppe viel unterwegs – auf Märkten und bei Festen. Die entsprechenden Waren wurden bei Eckart Simon in der Wohnung gelagert.

Am 4. September 1996 gründete sich der Verein. In dessen Obhut mauserte sich der Weltladen. Zunächst konnten die fair gehandelten Produkte am Kirchhof 9 erworben werden, mittwochs und samstags war geöffnet. Nach und nach wurde es dort aber etwas eng. Der Laden zog in Räumlichkeiten der Salzbrücke 7 um und war damit täglich geöffnet. „Das war ein sehr schöner Laden“, erinnert sich Andrea Svoboda. Dann aber wurde das Haus verkauft und ein neuerlicher Umzug stand an. Zum Glück nur über die Straße. Man bekam das Angebot, sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite in der Salzbrücke 8 nieder zulassen. Und dort war es wieder etwas kleiner. Man rückte zusammen. Eine Dauerlösung aber war auch das nicht. Die fand man schließlich 2012 in der Gillersgasse 1. Von Beginn an übernahm Andrea Svoboda das Abkassieren des Eintritts für das Zinnfigurenmuseum. „Uns war es recht, dass im Erdgeschoss der Weltladen einzogen ist“, sagt Hanna Wolff. Dass sie selbst einmal die neue Besitzerin werden würde, dran dachte sie zum damaligen Zeitpunkt noch nicht.

Und jetzt ist es so weit. Hanna Wolff wird den Weltladen im Sinne von Andrea Svoboda weiterführen. Freilich will Andrea Svoboda Hanna Wolff anfangs unterstützen. Dem Arbeitskreis „Eine Welt“ bleibt sie ohnehin erhalten. „Das Geschäft lebt auch von Ehrenamtlichen, die sich hier engagieren“, sagt Hanna Wolff. Sie weiß, dass der Laden zu den Öffnungszeiten gut besucht wird. Es gibt etliche Stammkunden, aber auch Touristen kaufen hier gern. Zudem gehen sämtliche Aktionen im Zusammenhang mit dem fairen Handel weiter. „Das macht die Arbeit lebendig“, sind sich beiden Frauen einig.

Der Arbeitskreis „Eine Welt“ besteht seit nunmehr schon 25 Jahren. Die Vereinsgeschichte ist lang und setzte sich aus vielen verschiedenen Projekten zusammen. So war man in Kindergärten, Schulen und bei zahlreichen Veranstaltung mit Ständen präsent, unterstützte die Weltgebetstage, organisierte Ausstellungen zum Fairen Handel, machte mit den unterschiedlichsten Aktionen auf sich aufmerksam, war in diversen Kreisen zu Gast, leistete Bildungsarbeit, gestaltete Gemeindeabende und präsentierte sich einst zum Weltladentreffen im „Haus am Seimberg“ in Brotterode. Andrea Svoboda und Eckart Simon unterstützten die Weidenschule in Asbach in Sachen Fairtrade. Unter anderem schauten sich die Weidenschüler an einem Entdeckertag im Weltladen um. Ohnehin gibt es an der Schule zweimal im Monat Bananen aus dem Weltladen. Dazu werden fair gehandelter Tee für die Kinder und Kaffee für die Erwachsenen angeboten. Zusammengearbeitet hat der Verein auch immer sehr gut mit der Stadt, mit Gewerbetreibenden und vielen anderen Partnern. Im Rahmen der „Fairen Woche“ gab es viele Angebote. Außerdem gibt es eine Steinbach-Hallenberger Gruppe, die einen ganzen Schrank voller fair gehandelter Waren besitzt und diese dort zu den unterschiedlichsten Anlässen anbietet.

Der Weltladen in der Gillersgasse 1 ist montags bis freitags von 10 Uhr bis 13 Uhr und von 15 Uhr bis 18 Uhr sowie mittwochs von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Auch samstags kann dort zwischen 10 Uhr und 12 Uhr eingekauft werden.

 

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