Fair Play im Fußball Wird Zico Thüringens Fair-Play-König?

Zico vom 1. Suhler SV gewinnt die Sommer-Wahl zum Fair-Play-Preis des Thüringer Fußball-Verbandes. Nun hat er die Chance auf den Jahressieg. Das Voting läuft bis 20. Juli.

Kein ganz normales Fußballspiel: Zico hinterlässt am 23. März in Jüchsen bei einer Kreisoberliga-Partie bleibenden Eindruck. Foto: Karsten Tischer

Ein vom Toreschießen besessener Torjäger, der freiwillig auf den nächsten Treffer hin zur Torjägerkanone verzichtet, seinen Angriff stattdessen abbricht und den Ball ins Aus spielt, weil ein gegnerischer Spieler verletzt auf dem Rasen liegenbleibt: Selbst ein guter Freund, der mit ihm seit drei Jahren in einem anderen Verein in Erfurt zusammen Futsal spielt, hätte ihm diese Geschichte nicht abgenommen.

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So redet Zakreya Alhadi Alajami Abushrmet, besser bekannt als „Zico“, und seines Zeichens erfolgreichster Torschütze von Kreisoberliga-Meister und Landesklasse-Aufsteiger 1. Suhler SV, über die Auszeichnung, die ihm kürzlich zuteil wurde. Der 33-Tore-Mann des SSV hat die Sommer-Abstimmung zur Aktion „Fair ist mehr“ des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) gewonnen. Regelmäßig werden hier Aktive für besonders faires Verhalten auf und neben dem Sportplatz ins Rampenlicht gerückt. Nun also Zico, der Ballzauberer aus Libyen, der für Suhl und das Zweitliga-Futsal-Team des Erfurter Klubs Blumenstadt United aufläuft.

Rückblick: Es ist der 23. März 2025, 17. Spieltag der Kreisoberliga. Jüchsen empfängt den bis dahin noch unbezwungenen Spitzenreiter Suhl. Nach einer knappen halben Stunde bringt Fritz Altendorf den Favoriten mit 1:0 in Führung. Zico kann auf 2:0 erhöhen. Er kommt zügig über die linke Außenbahn. Und ganz plötzlich ist der Weg zum Tor der Grabfelder völlig frei. Der letzte Mann der Jüchsener ist soeben verletzt zu Boden gegangen. Zico stoppt seinen Lauf und spielt den Ball ins Seitenaus. „Ich hatte ihn gesehen und hatte mir schon gedacht, dass der Spieler verletzt ist“, erinnert sich der 25-Jährige.

So bleibt es vorerst beim 1:0 für den SSV und die Begegnung weiterhin sehr offen. Bis zum Aufeinandertreffen mit Suhl hatte die SG Jüchsen in der laufenden Saison auf heimischem Platz noch kein einiges Spiel verloren. Der Ausgleich ist lange Zeit möglich. Erst spät entscheidet der Tabellenführer die Partie endgültig für sich. Zico trifft doch noch und das gleich doppelt: in der 81. und 84. Spielminute. Jüchsen gelingt nur noch der 1:3-Anschluss in der 86. Minute.

„Ich hatte mir in der Szene nicht gedacht, wie es steht. Ich habe ihn nur gesehen am Boden. Und ich habe ja trotzdem noch zwei Tore gemacht“, so der Stürmer zu seiner Entscheidung. Dann sagt er einen wichtigen Satz: „Sie sind nur Gegner, keine Feinde.“

So dürfte, glaubt der ballverliebte Angreifer, seine Geste auf dem Rasen damals auch zu einem besseren Miteinander beigetragen haben. Vor und im Spiel gab es hier und da Gelächter, als der Jüchsener Stadionsprecher Zicos vollständigen Namen versucht vorzulesen: Zakreya Alhadi Alajami Abushrmet. „Aber ich spielte einfach weiter.“ Nach dem Spiel sei die Stimmung eine ganz andere gewesen. „Nicht wie vor dem Spiel“, meint Zico. „Die haben mir die Hand gegeben und Danke gesagt.“

Zurück in der Vorbereitung: Das jüngste Testspiel gegen Thüringenligist Fahner Höhe (in Schwarz) verlor Suhl mit 1:8. An diesem Samstag testet der SSV in Zella-Mehlis gegen den FC. Anstoß ist um 15 Uhr. Foto: Marcel Minar

Vor wenigen Tagen gab der Thüringer Fußball-Verband nun Zicos Sieg in der Sommer-Abstimmung von „Fair ist mehr“ bekannt. Auf die Plätze zwei und drei wurden Florian Leffler (Floh-Seligenthal) und David Thorwarth (Struth-Helmershof) gewählt. Sieger Zico hat jetzt die Chance auf den Jahressieg (siehe auch Info unten).

Mit dem Preisgeld ab in die Heimat

Bereits mit dem Gewinn des Sommer-Votings darf sich der Libyer über ein Preisgeld in Höhe von 400 Euro freuen. Das Geld möchte er für einen zweiwöchigen Besuch seiner Heimat nutzen. Ende des Monats soll der Flieger von Leipzig nach Tunesien abheben. Von dort gehe es per Pkw nach Tripolis weiter. In Libyens Hauptstadt leben Zicos Eltern. Sechs Geschwister, drei Brüder und drei Schwestern, hat der Fußballer. Sein älterer Bruder habe ihn zum Fußball gebracht. „Als ich Kind war, wollte ich auch mitspielen. Damit ich mitspielen konnte, musste ich gut spielen , sonst musste ich raus. Mein Bruder spielt heute keinen Fußball mehr, er musste studieren. Er wohnt in England.“ Zico selbst lebt heute in Arnstadt. Hier absolviert er – derzeit im dritten Lehrjahr – eine Ausbildung zum Industriemechatroniker.

Dass Zicos Herz seit Kindertagen für Deutschland schlägt, geht auf die Heim-Weltmeisterschaft der DFB-Elf im Jahr 2006 zurück. „Die Mannschaft hat mir gefallen. Sie hat sehr positiv gespielt, wie eine Maschine. Ich war immer für Deutschland. Mein Vater immer für Brasilien.“

Und sein Spitzname? Hat Zico den nicht dem gleichnamigen Ausnahmefußballer der brasilianischen Nationalmannschaft zu verdanken? Der Suhler Stürmer korrigiert die Annahme. Sein „Zico“ gehe auf einen populären Cartoon zurück, den er als Kind regelmäßig schaute. Eine Figur hieß Zico. „Ich würde wie er aussehen“, so der Kicker.

Abstimmen bis Sonntag, 20. Juli:

Nach dem Sommer-Entscheid stehen die drei Saison-Finalisten für die Aktion „Fair ist mehr“ des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) fest. Einziger Südthüringer in der Endauswahl ist Zico vom 1. Suhler SV. Noch bis Sonntag, 20. Juli, kann online abgestimmt werden. Der Jahressieger der Saison 2024/2025 darf sich neben der Auszeichnung auch über exklusive Tickets für ein DFB-Länderspiel freuen. Abgestimmt werden kann über die Internetseite des TFV.

Übrigens: Ebenfalls über die TFV-Internetseite kann jeder besonders faires Verhalten auf und neben dem Sportplatz melden.