Fahrradtrial Gräfenroda Zweimal 70 Fahrradartisten im Geratal

Ohne Sattel, aber mit viel Geschick: Für die erfahreneren Trial-Artisten gehört der Aufsprung auf solch einen Felsbrocken zum „täglichen Brot“ eines Wettkampfs. Foto: Pavel Chatterjee

In jeder Hinsicht gut besucht war Gräfenrodas Fahrradtrial bei seiner „Wiederaufnahme“ am vergangenen Wochenende. Der Manebacher Franz Taudte holt einen Doppelsieg.

Gräfenroda Und am Sonntag tauchte zudem mit Robin Lehnert vom MSC Thalheim (Sachsen) ein erfahrener Crack auf, der die Elite-Klasse mit 760 Punkten gewann und dabei unglaubliche 430 Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger hatte. „Es war also kein unmöglicher Kurs“, so Sebastian Koch.

Jeweils knapp 70 Fahrer waren an den beiden Wochenend-Tagen zu diesem Versuch eines „Vereinigungswettkampfs“ der nord- und der ostdeutschen Meisterschaftsserien gekommen. Bei vollständigem Erscheinen hätten es jeweils um die 100 sein müssen, aber die Anreisewege waren einigen wohl doch zu weit. Nicht zu diesen gehörten indes Markus Göb und sein Schützling Tjard Erwig vom TMSC Stadtlohn (westliches Münsterland), der am Samstag die Elite-Klasse gewann. „Stadtlohn liegt nahe der niederländischen Grenze – wir waren vier Stunden bis hierher unterwegs“, berichtete Göb und zeigte sich vom Gräfenrodaer Starterfeld beeindruckt: „Wir hatten die ersten beiden Rennen der norddeutschen Serie bei uns ausgerichtet, da waren es viel weniger Starter. Aber das hier ist vor allem für den Nachwuchs eine tolle Sache. Man muss froh sein über jeden, der diesen Sport betreibt.“

Und eben deshalb hat man sich vielerorts auch sehr ins Zeug gelegt, um die Verluste während der Corona-Zwangspause möglichst gering zu halten. Senior Armin Röhnke aus dem hessischen Rodgau etwa stellte sein Nachwuchs-Training beim TSV Dudenhofen kurzerhand auf Einzelunterricht um: „Jede Stunde kam ein anderer – und wenn alle durch waren, da war auch der Tag für uns um. Aber die Kinder hatten ihren Spaß und waren ausgelastet“, berichtete seine Frau am Rande des Parcours und betont: „Fahrradtrial fordert den Sportler komplett: Sowohl körperlich als auch geistig, denn er muss die Routen und Aktionen, mit denen er sie bewältigen will, immer neu voraus denken.“

Das heimische sportliche Glanzlicht dieses Wochenendes entzündete einer der jüngsten Gräfenrodaer Fahrer: Der erst siebenjährige Franz Taudte aus Manebach gewann an beiden Tagen die Klasse der Schüler U 9 – so wie er das auch schon bei allen anderen Läufen der aktuellen ostdeutschen Meisterschaft getan hatte. „Wir haben schon sehr früh gemerkt, dass er sich gut auf dem Rad macht“, berichtet sein Vater Martin Taudte. „Und als er sich zwischen Cross Country beim ILRC oder eben dem hiesigen Trial entscheiden sollte, fiel seine Wahl auf das Rad ohne Sattel.“ Im Garten hat er seinem Filius, der die Grundschule am Stollen besucht, auch noch andere Hindernisse für andere Fahrrad-Disziplinen gebaut. Als schon fest stehender Klassensieger kann Franz nun die noch ausstehenden Rennen in Calbe und Potsdam entspannt angehen. „Eigentlich wollten wir Potsdam als Streichresultat weglassen, wegen der Entfernung“, so der Papa. „Aber dort ist dann auch die Gesamt-Siegerehrung – das müssten wir eigentlich mitnehmen ...“

Weitere Podestplätze auf dem vereinseigenen Parcours schafften Marlon Walther (Fortgeschrittene / zweimal Zweiter), Julius Becker (Experten / Dritter und Zweiter) sowie Carlson Schneider (Anfänger / Zweiter und Dritter). Ansonsten durfte sich der MC Gräfenroda, der sich auch in Sachen leibliches Wohl wieder toll ins Zeug gelegt hatte – u. a. wurden 21 Kuchen gebacken („aber originale, ohne Backmischung!!“) – speziell am Sonntag über eine große Zuschauerresonanz freuen. „Es ist schön, das sich die Leute so für uns interessieren“, sagte Sebastian Koch. „Das ist immer wie ein Volksfest. Diese Resonanz hat man längst nicht überall, wo so ein Wettkampf ausgerichtet wird.“

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