Fällarbeiten bei Helmers Bäume schweben über der „Hessengrenze“

Rudi Dittmar
Der in Breitungen stationierte „Tree Trimmer“ der Verkehrssicherungsabteilung von Thüringenforst im Einsatz auf der Landstraße 1026 zwischen Helmers und Wernshausen. Der mobile Fällkran hebt, scheinbar mühelos, ganze Bäume aus Böschungen am Straßenrand. Foto: Rudi Dittmar

Wer mit dem Auto im Rosagrund unterwegs ist, steht mitunter zwischen Helmers und Wernshausen an einer roten Ampel. Grund für die einseitige Intervall-Sperrung der L 1026 sind Baumfällarbeiten an der „Hessengrenze“.

Helmers/Wernshausen - Die Fällarbeiten begannen etwa 400 Meter hinter dem Ortsausgang Helmers in Richtung Wernshausen. Auf einer Länge von 200 Metern sichert hier Thüringenforst die Fahrbahn. Beidseitig werden käferbefallene oder den Verkehr gefährdende Bäume mit beeindruckender Technik entnommen. Ganze Bäume schweben scheinbar über der Straße. Im Einsatz ist ein „Tree Trimmer“, ein Autokran mit Kettensäge und Greifer in seinem speziellen Harvesterkopf.

Da unterhalb der Straße am Waldrand ein 400 Jahre alter Wiesen-Wässergraben verläuft, der geschont werden soll, wurde ein Arbeitsweg geschoben, auf dem nun ein Harvester die käferbefallenen Fichten bis zum Waldrand fällen und aufbereiten kann. Auch das vom „Tree Trimmer“ nahe der Straße gefällte und hier abgelagerte Holz wird von ihm entastet, abgelängt und aufgesetzt. Bis zum Jahreswechsel sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Eine Art Landstraße durch den Rosagrund gab es auf der heutigen Trasse bereits Anfang des 17. Jahrhunderts. Zu früherer Zeit führten die Handelswege über die Höhenzügen nördlich und südlich des Tals in Ost-Westrichtung.

Der neuralgische Abschnitt der gesamten heutigen Taltrasse der Straße war und ist ihr 600 Meter langer Verlauf am Südhang des „Abtswaldes“ zwischen dem Ortsausgang Helmers in Richtung Wernshausen bis zum „Dunklen Graben“, eben an der „Hessengrenze“. Hier beträgt die Hangneigung bis zu 20 Grad. Im 19. Jahrhundert baute man die alte, eher einem Feldweg ähnelnde, Straße grundlegend zu einer Chaussee aus. Dazu wurde auf die gewölbte Trasse mehrlagig Schwarzstein-Schotter (Basalt), eine Kies- bzw. Sandschicht und eine Deckschicht aus stabilem Sand-Lehmgemisch aufgebracht und gewalzt, beidseitig Gräben gezogen und an den Straßenrändern Obstbäume gepflanzt.

Auch später wurde die Straße immer wieder verbessert, Steigungen und Kurven entschärft, der Belag optimiert.

1939 waren Juden aus Gehaus und nach dem Frankreichfeldzug im Mai/ Juni 1940 auch französische Kriegsgefangene zum Straßenbau bei Helmers am „Abtswald“ eingesetzt. Einheimische nennen noch heute den von ihnen bearbeiteten Straßenabschnitt „Franzosenküppel“.

2017 wurde der Straßenbereich nahe der „Hessengrenze“ aufwändig durch etagenweise eingebrachte perforierte Kunststoffmatten gegen ein Abrutschen stabilisiert.

Doch warum bezeichnet man die Flurmarken an der Straße als „Abtswald“ und „Hessengrenze“?

Der „Abtswald“ gehörte seit dem Hochmittelalter zum Kloster, später zur Vogtei Herrenbreitungen in der Herrschaft Schmalkalden. Letztere kam mit dem Aussterben der Henneberger Grafen 1583 als Exklave im wettinischen, ab 1660 ernestinischen Sachsen vollständig zur Landgrafschaft Hessen.

Dauernde Konflikte

Die Grenze des hessischen „Abtswaldes“ zu Sachsen kreuzt etwa 400 Meter hinter dem Helmerser Ortsausgangsschild von Norden her die Straße und verläuft dann südlich der Trasse in Richtung Wernshausen. Ein am nördlichen Straßenrand stehender Sandstein mit Inschrift markiert heute noch die „Hessengrenze“.

Dass eine sächsische Straße durch hessisches – ab 1866 preußisches – Territorium verlief, führte zu dauernden Konflikten. Erst als 1927 der Abtswald nach Wernshausen eingemeindet wurde und die gesamte Straße zwischen Dermbach und Niederschmalkalden 1934 in das Eigentum des Landes Thüringen überging, waren Rechts- und Planungssicherheit gegeben.

 

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