Fachkräftegewinnung Simson Private Akademie holt Azubis aus Usbekistan

Mit Usbekistan betritt die Simson Private Akademie (SPA) Neuland in Sachen Fachkräftegewinnung für Südthüringen. Die ersten zwei Azubis reisen am heutigen Freitag an, bald könnten es mehr werden. Interessierte Unternehmer können sich beim Viernauer Bildungsträger melden.

Viernau - Seit Jahren existieren in Südthüringen verschiedene Projekte zur Werbung von Fachkräften aus dem Ausland – mit durchaus wechselndem Erfolg. Als Hauptproblem kristallisiert sich immer wieder die Sprachbarriere heraus, aber auch das fehlende soziale Gefüge im fremden Land spielt mitunter eine Rolle – und nicht zuletzt die Tatsache, dass es zum Beispiel in europäischen Ländern mitunter schon schwer sei, ausreichend junge Menschen zu finden, die ein aufwendiges Projekt rechtfertigen. Die SPA geht aktuell einen neuen Weg, teilt Niederlassungsleiter Max Reumschüssel mit.

Mit Usbekistan betritt der Viernauer Bildungsträger nahezu unerkundetes Gebiet und das hat einen ganz persönlichen Hintergrund. Reumschüssel, der in Bamberg Islamwissenschaften und Arabistik studierte, besuchte die einstige sowjetische Teilrepublik in Zentralasien bereits 2010 zum ersten Mal.

Während eines Intensivsprachkurses in Samarkand wohnte er über Wochen bei einer Gastfamilie. Aus dem Kontakt wuchs eine Freundschaft, mehrere private Besuche folgten. Dass die Freunde einmal helfen würden, Kontakte zum dortigen Arbeitsministerium zu knüpfen, diese Idee sei erst in den vergangenen Jahren geboren worden. „Wir haben ein Land mit Potenzial gesucht, in dem ein Leben in Deutschland für die Einheimischen eine Perspektive ist“, erläutert Max Reumschüssel. Und da sei es ihm irgendwann wie Schuppen von den Augen gefallen.

In Usbekistan sei die Alterspyramide noch eine richtig herum stehende Glocke. Nur knapp über die Hälfte der jährlich rund 700 000 Schulabgänger finde eine Perspektive im eigenen Land. Aus nahezu jeder Familie arbeite ein Mitglied im Ausland, die meisten nach wie vor in Russland, aber auch in China, Japan und den Golfstaaten. Nicht überall seien die Bedingungen rosig.

Deutsche Unternehmen hatten das Land, bis auf zaghafte Versuche in Pflegeberufen, bisher dennoch nicht auf dem Schirm. „Im technischen Bereich sind wir tatsächlich die ersten, die so ein Projekt starten“, sagt Reumschüssel und vermutet den Grund in der Wirtschaftsstruktur. Usbekistan ist kein Industrieland, einer der wichtigsten Branchen sei nach wie vor die Baumwollproduktion. „Jeder junge Usbeke hat während seiner Ausbildung schon einmal Baumwolle gepflückt, ähnlich wie die Feldarbeit früher in Deutschland“, erzählt der SPA-Leiter. Auch er selbst war schon dabei und erinnere sich an eine lustige Zeit.

Auf der anderen Seite bedeute das: „Fachkräfte gibt es dort nicht, die muss ich mir ausbilden.“ Das sei Aufgabe, aber auch Chance. Man wolle dabei aus den Schwächen bisheriger Programme lernen. Vor einer Vermittlung stehen ausführliche Interviews und auch danach lasse man die jungen Menschen nicht alleine, sondern begleite sie auch während der Ausbildung in Deutschland weiter. „Bis jetzt haben wir uns bedeckt gehalten, aber nun ist die Kooperationsvereinbarung mit dem usbekischen Ministerium für Beschäftigung unterzeichnet, wir haben grünes Licht“, so Reumschüssel weiter – und die Haseltaler machen wie immer Nägel mit Köpfen: In der Hauptstadt Taschkent und der größeren Stadt Namangan hat die SPA Deutschdozenten eingestellt und Räume angemietet.

Ohne entsprechende Sprachkenntnisse werden die jungen Usbeken nicht vermittelt. Den Südthüringern komme dabei entgegen, dass viele Usbeken bereits in der Schule und sogar im Studium Deutsch lernen und so sei die Resonanz auf die Kurse vom Start weg gut. 15 und 30 Anmeldungen gebe es in den beiden Städten bereits, 50 könne man je Kurs ausbilden. Die Prüfung nimmt das Goethe-Institut ab. „Wir sehen großes Potenzial in dem Projekt und haben vor, das Projekt auszuweiten“, sagt er mit Blick auf das nächste Ausbildungsjahr 2022/23. Das Pilotprojekt hat aber bereits begonnen.

Am Freitag werden die ersten beiden Usbeken im Haselgrund erwartet, müssen dann aber erst einmal in Quarantäne abtauchen. Danach beginnen die beiden 28-jährigen eine Werkzeugmacherlehre in der Hehnke GmbH. Ob die jungen Leute etwas mit der Unternehmensphilosophie anfangen können, darüber hat am Ende auch die Firma selbst ein Wörtchen mitzureden. Auch die Unternehmer sollen mit den verbundenen Risiken nicht alleine gelassen werden, verspricht Reumschüssel. Allerdings sei er zuversichtlich, dass nicht zuletzt auch die deutsche und usbekische Mentalität harmonieren. „Das ist ein ganz spannendes Land mit einer noch spannenderen Mischkultur“, weiß er. Der orientalische Charakter mit Städten aus 1001 Nacht, wie Samarkand, samt ihrer überwiegend muslimischen Konfession auf der einen Seiten – die moderate Auslegung der Religion durch die jahrzehntelange sowjetische Prägung auf der anderen Seite, sei faszinierend.

Von der Schönheit und Exotik Samarkands soll vor mehr als 2300 Jahren schon Alexander der Große geschwärmt haben. Im März gebe die SPA auch Südthüringer Mittelständlern während einer Unternehmerreise die Gelegenheit dazu. Die Nachfrage sei bereits enorm.

Kontakt für Unternehmer
Interessierte Unternehmer wenden sich an:
Max Reumschüssel/ Jana Endter
SPA, Simson Private Akademie gGmbH
Hergeser Weg 22
98587 Steinbach-Hallenberg
E-Mail: endter@spa-bildung.de

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