Extremsport und Corona „Auf unbestimmte Zeit verschoben“

Am 24. März vor zwei Jahren nehmen knapp 1000 Starter den Fellberg – damals wie heute schneebedeckt – unter die Füße. Foto: /Carl-Heinz Zitzmann

Am Sonntag wäre es in Steinach soweit gewesen: Kampftag für Ausdauersportler mit Faible für irre Hürden. Doch der Braveheart-Battle ist nun erneut abgesagt.

Steinach - Auch zwei Jahre nach der Premiere im März 2019 zeichnet sich keine zweite Auflage des Braveheart-Battle ab. Den ursprünglichen Termin für den Extrem-Hindernislauf hatte man vergangenes Frühjahr streichen müssen, Lockdown statt Kill-up lautete die Sachlage. Als Ersatz für die nächste Zusammenkunft der bundesdeutschen Ausdauersportler-Szene war hernach der November ausgerufen worden. Doch wurde auch dieser Monat von der dann zweiten Corona-Welle überrollt. Und alle Ideen für Großveranstaltungen gingen baden. Nun säuft das Event auch mit dem Ausweichtermin zum Ausweichtermin ab. Anstatt am 28. März den Fellberg unter die Sohlen nehmen zu können, über Stock und Stein, durch Schnee und Schlamm zu spurten zwischen Bergstation und Stadion, haben die Organisatoren um Jörg Lindemann neuerlich die Reißleine ziehen müssen.

Ein viertes Datum zur Zweitauflage? Will sich der Nürnberger angesichts dieser Serie ausdrücklich verkneifen. „Die nächste Achterbahnfahrt der Gefühle“ möchte er zum jetzigen Zeitpunkt weder den Fans des Spektakels noch sich selbst antun. Eine weitere Enttäuschung hilft ja auch keinem weiter. Klar bleibe nur, dass um Steinach bei einer Fortsetzung des Braveheart-Battle kein Weg herumführen wird: „Wir sind hier goldrichtig.“ Das, was die Stadt vielleicht nicht an Größe und Infrastruktur hergibt, habe sie 2019 mehr als wettgemacht durch ein begeistertes Publikum, viele Unterstützer, verlässliche lokale Partner und Mitstreiter, lobt Lindemann. Von daher bleibe der Austragungsort dem Schieferstädtchen erhalten, verspricht er. Allerdings mitsamt dem Fragezeichen, wann das sein wird.

Zwar habe er zuletzt noch einmal vorgefühlt im Landratsamt, ob dieses sich für den letzten März-Sonntag 2021 auf ein Hygienekonzept einlassen mag, mit dem sich die Veranstaltung etwaig über die Bühne bringen ließe. „Aber dafür waren einfach keine Ressourcen da“, fasst Lindemann zusammen. „Die Ämter sind alle auf Anschlag ausgelastet mit Corona. Es ist jetzt nicht die Zeit für so etwas.“

Um die laufenden Kosten einer Veranstaltung, die vor zwei Jahren knapp 1000 Starter und noch einmal soviel Zuschauer am Streckenrand vereinte, nicht völlig aus dem Ruder laufen zu lassen, entschloss er sich somit zur Absage mit dem Zusatz „auf unbestimmte Zeit verschoben“.

An sich ist ja eigentlich nur der „Braveheart“ selbst eine Tortur für die Beteiligten. 2019 ging’s vom Startpunkt am Stadion 350 Meter rauf zur Mittelstation – 85 Höhenmeter mit 25 Prozent Steigung. Über Schneehaufen auf der Fellbergspitze führte der zwölf bzw. 23 Kilometer lange Parcours zurück ins Tal, wo Klettertürme und Heupyramiden zu übersteigen waren, das Freibad durchschwommen sein wollte, über ein loderndes Feuer zu springen und Schlammkuhlen zu durchwaten waren. Dass es nach der erfolgreichen Südthüringen-Premiere für die Organisatoren zur Qual wird, dem Hindernislauf eine Zukunft zu geben, war damals kaum absehbar.

Lindemann tröstet sich mit dem Zuspruch der Sportler in den vergangenen Wochen und Monaten. Kaum einer, so schildert er, habe seine schon überwiesenen Startergebühren zurückgefordert sondern vielmehr den Machern zugestanden, das Geld in die Fortsetzung zu investieren. Das Vertrauen freut Lindemann: „Es hilft uns die ganzen Kosten, die bis jetzt dranhängen, überhaupt irgendwie weiter bezahlen zu können, obwohl null Einnahmen da sind – aber zum Beispiel bis jetzt allein 10 000 Euro fürs Marketing fällig waren.“

Dass viele die Schlacht um das, was Herz und Lunge hergeben, in Steinach bestens aufgehoben sehen, hat sich ansonsten in den Anmeldungen zum abgesagten Event an diesem Sonntag abgebildet. Wiederum um die 1000 Starter wären zusammengekommen, eher zehn oder 20 Prozent mehr, schätzt Lindemann.

Somit bleibt’s dabei: Dem Spaß am Geländesprint steht weiter nur ein Hindernis entgegen, ein Virus, dem hoffentlich bald die Puste ausgeht.

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