„Experiment gelungen“ in Helmershausen Wenn der Dom der Rhön voller Leben ist

Ein wunderbares Konzert von Bigband und Chor ließ den Dom der Rhön, die prachtvolle evangelische Kirche Helmershausen, im Takt des Swing und moderner Arrangements erstrahlen. Die Bigband WAK und der Chor „Klangvollk“ waren mit ihrem Projekt hier zu Gast und wurden gefeiert.

Nein, um die jahrhundertealten Butzenscheiben an den herrschaftlichen Logen hinter dem Alter der prachtvollen evangelischen Kirche muss sich am Sonntagnachmittag niemand sorgen. Auch wenn eine Bigband und ein großer Chor natürlich ganz schön Sound und damit mächtige Schallwellen in den Kirchenraum bringen. Jedoch setzten die Musiker von der Musikschule Wartburgkreis und der Chor „Klangvollk“ Menschen in Bewegung: Die klatschen und singen im über zweistündigen Konzert mit, sie fassen sich beim Abschluss mit „Give peace a chance“ an den Händen, sie fordern applaudierend eine Zugabe (wie passend: „Thank you for the Music“) heraus, bei der es sich wieder ebenso gut mitwippen und -swingen lässt. Und die Gäste sind im freundlichen menschlichen Miteinander – und etliche gewiss auch mit Gott: Andreas Koch, Pfarrer im Ruhestand, lädt nämlich auch zum Gebet ein und macht mit seiner kurzen Lesung am Anfang des Konzertes deutlich: Der Sonntag Kantate, er hätte keine passendere Veranstaltung finden können als eben dieses Konzert, das viele neue Lieder singt. Ein Projekt, das der Wartburgkreis-Musikschulleiter Jochen Wölkner mit der Bigband und mit dem „Klangvollk“ auf die Beine gestellt hat und das eigentlich ein Geburtstagsgeschenk sein sollte – zum Zehnjährigen der Bigband. Vor lauter Pandemie wurde es nun ein Geschenk zum Zwölfjährigen derselben – und auch zum Zehnjährigen des „Klangvollkes“, angesiedelt beim Gesangverein Tiefenort.

Klang-Raum entdeckt

Bereits im Bad Salzunger Pressenwerk – einer ehemaligen Firmenhalle – hatte es kürzlich „Bigband meets Choir“ geheißen. Die Musiker wie auch die Sänger freilich sind sich am Sonntag einig: Das war nicht vergleichbar mit solch einem Klangraum wie dem Dom der Rhön. Dass sie ihn erleben dürfen, das haben sie eben Andreas Koch, Pfarrer in Rente, zu verdanken, früher Religionslehrer auch am Thüringischen Rhön-Gymnasium Kaltensundheim. Von einer Zellaer Schülerin, Elisabeth Hahn, hatte er vor geraumer Zeit nebenbei erfahren, dass diese in einer Bigband mitspielt. Er fand’s stoll. Und seitdem spukte eine Idee in seinem Kopf herum: Man müsste das Projekt mal in die Helmershäuser Kirche holen, die ihm – Mitglied im Vorstand des Rhöndom-Erhaltugsvereines – gar nah am Herzen liegt. Nun, an einem wunderbaren Mai-Tag, ist es soweit.

Bass erstaunt sind viele der Sängerinnen, Sänger und Musiker aus dem Bad Salzunger Raum, die diesen Teil der Rhön wohl noch nie für sich entdeckt hatten und nun vor einem beeindruckenden Gotteshaus stehen, das ob seiner Größe, Schönheit, tollen Akustik und einladenden Art alle begeistert. Der Rhöndom-Verein tut sein Übrigens, indem er im Heimatmuseum gegenüber alle Gäste – auch die Zuhörer natürlich – mit Kaffee, selbstgebackenem Kuchen und Deftigen bewirtet. Und so ist der Platz zwischen beiden ehrwürdigen Häusern am Sonntag bis in den späteren Abend hinein mit Menschen gefüllt, die einen schönen, einen friedlichen musikalischen Sonntag erleben und dabei spüren: So soll es sein und nicht anders. Gewalt oder gar Krieg mögen bitte weit weg bleiben. Dass gleichzeitig Menschen in der Ukraine Gräueltaten erleben, daran wird während des Konzertes freilich auch eindringlich erinnert – gipfelnd im gemeinsamen Wunsch nach einer Chance für den Frieden.

Wie die Sänger und Musiker selbst erleben auch viele der Zuhörer den Nachmittag als ein Geschenk – entweder ebenfalls mit Erstaunen über den ihnen bisher unbekannten Ort oder mit Wiedersehensfreude. Neben den Rhönern – aus dem Dorf selbst, aber auch aus der Hohen Rhön – sind Henneberger gekommen, Vachdorfer, Untermaßfelder, Suhler gar. Und viele Angehörige der Musiker und Sänger. Hannelore und Klaus Wölkner aus Tiefenort, die Eltern von Projektleiter Jochen Wölkner, erleben hier sogar ihren 57. Hochzeitstag. „Die ganze Familie gratuliert“, sagt Jochen Wölkner, und meint damit auch seinen gitarrespielenden Bruder Christian, seine singende Frau Teresa, seinen Sohn Ernst an Percussion und Schlagzeug – und die ganze musizierende Truppe, die „wie eine große Familie ist“. „Danke, dass sie solche Kinder hervorgebracht haben“, sagt denn auch Andreas Koch nach dem Konzert fröhlich zu Mutter Hannelore.

Dass es so schön wird ...

Da haben über zwei Stunden bester Bigband- und Chormusik die Besucher längst überzeugt, dass ein Dom der Rhön so etwas nicht nur aushält, sondern längst verdient hat. Von Glenn Millers „In the Mood“ in allerfeinster Bigband-Manier oder „New York, New York“ bis zu Rigo Wildförsters und Boris Tautorats Gesang mit Begleitung, von den deutschen und englischen Stücken des Chores bis zu den gemeinsamen Titeln von Band und „Klangvollk“. Sympathisch moderiert von Juliane Heck, Vorsitzende des Gesangvereins Tiefenort, und Jochen Wölkner, erfährt der Zuhörer etwas zur Entstehungsgeschichte und zum Inhalt – hilfreich für die älteren Zuhörer besonders, wenn die Titel auf englisch gesungen werden. An der Qualität beider Klangkörper – teils in besonderen Coachings erworben – gibt es nichts zu zweifeln. Das bemerkt auch die als Gast gekommene Chorleiterin des Vorderrhön-Chores, Anita Bahn, höchst anerkennend, und jemand sagt erstaunt beim Nachhausegehen: „Also dass es so schön wird, das hatte ich mir gar nicht vorgestellt.“

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