Existenzangst Noch härtere Maßnahmen gegen Corona? Die Wirtschaft sagt Nein

Maske und Abstand sind in der Suhler Innenstadt längst normal. Die meisten Geschäfte sind ohnehin geschlossen. Einen noch härteren Lockdown lehnt die Südthüringer Wirtschaft allerdings ab. Foto: dpa/Michael Reichel

Seit Tagen diskutiert die Politik darüber, ob ein komplettes Herunterfahren der Wirtschaft nötig ist, um die Infektionslage in Thüringen und Deutschland endlich in den Griff zu bekommen. Die IHK Südthüringen warnt vor einem solchen Schritt. Er würde zu viele Existenzen bedrohen.

Suhl - Die Südthüringer Wirtschaft spricht sich gegen eine Ausweitung des Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie aus. Jedes zweite Südthüringer Unternehmen stehe vor der Insolvenz, wenn es zu einem Komplett-Lockdown der Wirtschaft kommt. Das ist das Ergebnis einer am Montag veröffentlichten Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen unter ihren Mitgliedern. In den vergangenen Tagen wurde diese Idee seitens der Politik diskutiert und steht weiterhin im Raum, wenn die Corona-Neuinfektionen nicht weiter sinken. Die aktuelle Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen zeigt die Auswirkungen einer solchen Maßnahme. Mehr als 700 Unternehmen beteiligten sich.

Folge eines harten Lockdowns der Gesamtwirtschaft wären für die meisten Südthüringer Unternehmen existenzbedrohende Umsatzausfälle, die zu einer Verschärfung der Arbeitsmarktsituation führen würden. Zwei von drei Betrieben befürchten außerdem nachhaltige Schädigungen von Kunden- und Geschäftsbeziehungen. Speziell in der Industrie benennen 70 Prozent der Unternehmen die Unterbrechung von Lieferketten. Auch Vertragsstrafen wären insbesondere für die Industrie und das Baugewerbe ein Thema. Über allem steht die Insolvenzgefahr, die hauptsächlich kleine Unternehmen ohne große finanzielle Reserven bewegt. Jedes zweite Unternehmen liefe Gefahr, das Geschäft aufgeben zu müssen. Im Gastgewerbe, das sich bereits seit November 2020 im harten Lockdown befindet, rechnen drei von fünf Betrieben mit der Insolvenz.

„Die aktuelle Corona-Strategie ist nicht nachhaltig. Die Vermeidung von Kontakten soll unsere Gesundheit sichern. Enorme Freiheitseinbußen für alle sollen bewirken, dass Infizierte andere nicht anstecken. Ist die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen auf ein erträglich erscheinendes Maß gesunken, folgen Lockerungen – bis die nächste Welle kommt. Auf diese Weise zerstört man sukzessive die deutsche Wirtschaft. Besser wäre es, wenn ab sofort flächendeckend mehr getestet würde. Viele Unternehmen sind dazu bereit. Infizierte könnten schneller isoliert und die weitere Ausbreitung der Pandemie begrenzt werden“, erklärte Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

 

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