Hinterher ist man immer schlauer. Und so kann Thomas L. Kemmerich, Thüringens Ex-Ministerpräsident, heute gute Ratschläge geben, wie sich das Land nach der Wahl in Sachsen-Anhalt verhalten sollte. Noch besser wäre allerdings gewesen, Kemmerich hätte bei seiner Wahl zum Ministerpräsidenten an jenem denkwürdigen 5. Februar 2020 einen Plan gehabt. Oder zumindest ein Kabinett in der Hinterhand. Dann hätte die Öffentlichkeit ihm vielleicht abgenommen, dass er die Stimmen der AfD billigend in Kauf genommen hat, um seinen Plan für Thüringen durchsetzen zu können. Doch Kemmerich hatte offenkundig keinen Plan, was er nach seinem Einzug in die Staatskanzlei mit seinem neu gewonnen Amt anfangen sollte. Ein Kabinett benannte er erst gar nicht, obwohl er zuvor angekündigt hatte, auf CDU, SPD und Grüne zugehen zu wollen, um alle Ministerposten besetzen zu können. Dass das aus seiner damaligen FDP-Fraktion heraus schwierig würde, war ihm wohl klar. Außerdem wollte er externe Experten hinzuziehen. Doch das passierte nicht. Stattdessen ließ Kemmerich den Tsunami der Entrüstung über sich ergehen – und trat zurück. Die einzige Lehre, die sich daraus vielleicht noch ziehen lässt: Mit dem Amt des Ministerpräsidenten spielt man nicht. Seite 4
Ex-Landesvater gibt Tipps Kemmerich hatte keinen Plan
Jolf Schneider 09.09.2026 - 17:00 Uhr