Irans Strategie hinter den Angriffen
Am vierten Tag des Krieges sieht aber nichts nach einer Entspannung aus. Nach Einschätzung iranischer Analysten, die Sicherheitskreisen nahestehen, verfolgen die iranischen Revolutionsgarden eine Strategie in mehreren Phasen. Zunächst nehmen sie in den Golfstaaten stationierte US-Radarsysteme ins Visier und feuern dann kostengünstige Drohnen und Raketen ab, um die Flugabwehr zu erschöpfen. Anschließend könnten fortschrittlichere Waffen zum Einsatz kommen.
Für die iranische Staatsführung gebe es wenige Anreize, sich in einem Überlebenskampf zu mäßigen und den Konflikt geografisch zu begrenzen, heißt es in einer Analyse der Denkfabrik Chatham House. Mit Gegenangriffen weit über Israel hinaus dürfte Teheran vor allem versuchen, die Kosten des Krieges in die Höhe zu treiben - und über die mit den Vereinigten Staaten verbündeten Golfstaaten Druck auf Washington für ein Ende der Angriffe auszuüben.
Der Iran hatte bereits versucht, mit Drohungen vor einem regionalen Krieg die Angriffe Israels und der USA zu verhindern - vergeblich, wie man jetzt weiß. Auch jetzt könnte sich Teheran verkalkuliert haben, schreibt der frühere US-Diplomat Dennis Ross für das Washington Institute. Die Gegenangriffe sorgten vielmehr für "die Isolation Irans und ein Zusammenrücken der Golfstaaten gegen das Regime".