Eröffnung mit neuer Nutzung Haus der Geschichte und Erinnerungen

Kein Blatt passt zwischen die vielen Besucher, die das Haus der Geschichte zur Eröffnung beehren. Viele von ihnen im Wechselbad der Gefühle zwischen dem Staunen über das Werden und den Erinnerungen, die sie mit dem einstigen Kulturhaus verbinden.

Die Reden zur Eröffnung des einstigen Kulturhauses der Stadt, das nach Umbau und Sanierung Haus der Geschichte geworden ist, sind verstummt. Reden derer, die sich längst mit all dem Neuen im Haus vertraut gemacht haben, die seinen Wandel ganz aus der Nähe verfolgten, als Oberbürgermeister etwa oder als neue Nutzer. Diejenigen jedoch, die nach Jahren der Schließung erstmals wieder die Stufen hinauf steigen, die erstmals wieder im Foyer stehen, sich umschauen können in dem Haus, das ein Großteil von ihnen vielleicht über Jahrzehnte mit noch ganz anderer Funktion begleitet hat, stehen mitunter im Gestern und Heute gleichzeitig. Was wird wohl noch sein von dem, was das Haus einst ausmachte? Ist der Umbau gelungen? Wie wird es mit Leben und neuen Ideen erfüllt?

Einer, dem das Gewesene plötzlich wieder ganz aktuell scheint, ist Ralf Beuchert. „1957 habe ich in den Sommerferien hier gearbeitet“, sprudelt es aus ihm heraus. Als 15-Jähriger hat er dreieinhalb Wochen lang geholfen, mit Hacke und Schaufel das Außengelände herzurichten. „Draußen war alles lehmig-schlammig“, erinnert er sich. 90 Tonnen Kies, die am Bahnhof ankamen, hat er mit anderen Helfern verarbeitet. „Doch Schwielen an den Händen, wie die Studenten, hatte ich keine“, sagt der 1941 geborene Suhler weiter. „Ich war Arbeit gewohnt. Wir waren vier Kinder und hatten nur den Vater als Verdiener. Da ging es Beeren suchen, zum Holzmachen in den Wald oder raus aufs Feld.“ Dass er für seinen Einsatz 128 Mark der DDR bekommen hat, weiß er noch bis heute. Später hat er mit seiner Frau ein Anrecht für die Thüringen Philharmonie besessen, Theateraufführungen und Gastspiele erlebt. „Das Haus war für uns sehr wichtig. Seine Schließung ein schmerzlicher Verlust.“ Die Eröffnung unter neuer Ausrichtung ein weiterer Meilenstein.

Juliane Stief aus Suhl hat als Kindergarten- und Schulkind regelmäßig das Kulturhaus besucht. „Ich empfand es damals mit den einladenden großen Säulen sehr opulent. Sehr gut kann ich mich noch an die Klappstühle mit den kratzigen Bezügen und an den Geruch erinnern. Ich weiß noch genau, wie wir nach den Vorstellungen immer mit unseren Füßen auf den Holzfußboden trampelten.“ Als Musikschülerin bei Jörg Matthes und Kerstin Mucha stand sie selbst auf dieser Bühne. „Das Ende des Hauses machte uns total traurig. Ich finde es immer noch schade, das die Generationen nach uns all das nicht mehr kennenlernen durften“, so die heute 30-Jährige, die sich sehr darüber freut, dass das Haus der Geschichte mit Leben erfüllt ist.

Auch Elsa und Helmut Liebhold gehören zu den ersten Besuchern. „Ich habe nicht gezählt, wie oft ich in diesem Haus einst ein- uns ausgegangen bin“, sagt sie, die hier unzählige Singakademie-Chorproben und wundervolle Konzerte erlebte. Sowohl als Sängerin, als auch als Zuhörerin. 1978 ist sie mit ihrem Mann nach Suhl gezogen. „Wir waren die Hallesche Kultur gewohnt und erlebten den Wechsel wegen der Möglichkeiten im Kulturhaus staunend.“ Regelrecht körperlich weh tat Elsa Liebhold das Aus für das Haus. Erstaunt zeigte sie sich, mit welchem Mut und welcher Beharrlichkeit Klaus Meier mit der Bürgerinitiative gegen alle Widerstände gekämpft hat. Skepsis waren Begleiter der vergangenen Jahre. „Die bestmögliche Entwicklung, die das Haus nehmen konnte“, haben auch sie sich gern angeschaut.

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