Erntedankfest des Wartburgkreises Was ist das „täglich Brot“?

Welche Art von Brot mag das wohl sein?“, ließ Pfarrerin Silvia Frank die Kirmesburschen raten, und unter der Vielfalt der Möglichkeiten fanden sich nur wenige zurecht. Foto: Werner Kaiser

Die Ernte des Jahres 2021 ist weitgehend eingebracht und ein Teil ihrer Früchte schmückte die prächtige Kirche St. Martin in Falken beim Kreiserntedankfest.

Falken - Der Erntedanksonntag und die Kirmes in Falken im nördlichen Wartburgkreis fielen zusammen. So könne man die Gäste zum Erntedankfest des Kreises in einem lebensvollen, freudigen Geist begrüßen, die Gastfreundschaft beweisen und das Dorf vorzeigen, befand Pfarrerin Silvia Frank. Diese Stimmung hatte bereits über der Szene gelegen, als die Kirmesgesellschaft mit ihrer Fahne in das Gotteshaus einzog und die Kreiserntekrone hereingetragen und emporgezogen wurde. Der Bibeltext für den Tag hätte nicht besser passen können: Im 6. Kapitel berichtet das Johannes-Evangelium, wie Jesus und seine Jünger von ihren Groschen nur fünf Brote und zwei Fische erwerben konnten und doch dank ihres Gottvertrauens fünftausend Menschen sättigten.

Aktuell und sinnreich erzählte Silvia Frank, wie sie als leidenschaftliche Brotbäckerin während des ersten Corona-Lockdowns mit einem Mal vor leeren Mehlregalen stand. So konnte sie beobachten, wie die Menschen gewahr wurden, was sie wirklich brauchen. Anschaulich ging es weiter, etwa mit den von der Gemeinde zusammengetragenen Redewendungen, die das Brot zum Gegenstand haben. Deutschland ist ein Brot-Schlaraffenland; mehr als 3000 verschiedene Sorten gibt es sonst nirgends auf der Welt. Aber wie sieht es mit der Wertschätzung aus? Wie viele Stunden man für ein Brot arbeite, habe ein Journalist in einer Umfrage ermittelt: In „hochentwickelten“ Ländern habe man die Frage als lästig abgetan; in Indien seien Menschen bereit gewesen, einen ganzen Tag dafür zu arbeiten. Doch Luther, so die Pfarrerin, habe in seinem Katechismus den Bogen weiter gespannt und unter dem „täglich Brot“ aus dem Vaterunser „alles, was nottut zum Leben“ verstanden. Das alles umrahmte Vanessa Kleinsteuber musikalisch mit dem Satchmo-Titel „What a wonderful world“.

Corona und der Pandemieverlauf machen nachdenklich; 2021 war ein nasses Erntejahr. Und doch, stellte Landrat Reinhard Krebs (CDU) fest, gebe es Grund zur Dankbarkeit, denn seit der Nachkriegszeit gibt es in Deutschland keinen Hunger mehr. Der Dank gehe vor allem an die Landwirte, die ungeachtet der Belastungen durch den globalen Markt in den Ställen und auf den Feldern Gutes leisten. Angesichts der Ausstrahlung und der in der Kirche und im ganzen Dorf zu sehenden Vorbereitungen stellte der Landrat fest: „Falken ist ein toller Ort für ein Kreiserntedankfest.“

Bernd Apfel, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Eisenach-Bad Salzungen, konnte trotz des Fehlens einer stabilen Wetterlage von recht guten Ernteergebnissen 2021 sprechen. Die Bauernfamilien mit ihrer aus Tradition nachhaltigen Wirtschaftsweise erbringen heute ein Vielfaches der Versorgungsleistungen im Vergleich zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Besorgt zeigte sich Apfel allerdings darüber, dass Viehbestände zurückgehen und Felder nicht mehr bewirtschaftet werden.

„Falken ist historisch, traditionell und lebendig und damit genau der richtige Ort für ein Kreiserntedankfest“, erklärte Treffurts Bürgermeister Michael Reinz und untermauerte das mit dem Hinweis auf die 45 Mitglieder zählende Kirmesgesellschaft – bei rund 800 Einwohnern. Wie schon seine Vorredner brachte er allen Mitwirkenden seinen Dank dar, darunter dem omnipräsenten und zugleich bescheidenen Ortsteilbürgermeister Patrick Junge.

Das Dorfzentrum war derweil auf viele Gäste vorbereitet. Der Zustrom von Falkenern, die noch Kuchen brachten, wollte nicht abreißen, für den Absatz sorgten Frauenchor und Reitverein. Kräftige Kost gab es aus dem Gulaschkessel, vom Rost und auch aus dem Zapfhahn. Die Spinnstubenrunde der Landfrauen und die Trachtengruppen aus Oberdorla, Creuzburg und Mihla sorgten für ländliches Colorit ebenso wie der kleine Bauernmarkt. Zur Musik der „Original Falkener Musikanten“ drehten sich Kirmespärchen, die freilich auch bei der Versorgung des Festplatzes viel zu tun hatten.

In Falken wird das Volksfest vom Pfingst- und Kirmesverein unter Vorsitz von Marcus Weber ausgerichtet; als Platzmeister fungierten Johannes Hunstock und Levin Krause. Zum dreitägigen Programm gehört wie auch andernorts im nördlichen Wartburgkreis ein Reitwettkampf, diesmal mit sechs Startern. Siegesreiter 2021 ist Lukas Bockel.

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