Erntebilanz Gute Aussicht auf gute Ernte

BBV-Kreisgeschäftsführer Hans-Jürgen Rebelein, der Coburger Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Martin Flohrschütz, und Kreisbäuerin Heidi Bauersachs (von links) vor einem Rapsfeld bei Tremersdorf, das – ebenso wie andere Getreidearten – eine gute Ernte verspricht. Das Schild weist darauf hin, wie aufwendig Saat, Pflege und Ernte von Getreide ist. Foto: Wolfgang Braunschmidt

Die Landwirte im Coburger Land blicken optimistisch auf den Ertrag ihrer Felder. Das Wetter hat ihnen bislang in die Hände gespielt. Wenn nur die Diesel-Preise nicht wären.

Tremersdorf - Heidi Bauersachs, Martin Flohrschütz und Hans-Jürgen Rebelein stehen am Mittwoch am Rand eines Rapsfeldes auf einer Anhöhe bei Tremersdorf. Der Blick der Kreisbäuerin, des Kreisobmanns des Bayerischen Bauernverbands und des BBV-Kreisgeschäftsführers richtet sich ins Lautertal. Ja, es gebe gute Aussichten auf eine gute Getreideernte in diesem Jahr, sagen sie übereinstimmend. Zwar werde sie zwei bis drei Wochen später als in den vergangenen Jahren beginnen, aber ein Problem ist das nicht, erklärt Flohrschütz. „Eigentlich ist das heuer ein normales Jahr für uns, so, wie es früher war“, ergänzt Bauersachs. Rebelein nickt zustimmend.

Das gute Erntejahr habe sich schon im Mai abgezeichnet, als der erste Grasschnitt für Futter, Heu und Biogasanlagen anstand. „Das war von der Menge und von der Qualität her in Ordnung“, so Martin Flohrschütz, der selbst Pflanzenbau betreibt. Auch die Feldfrüchte – Wintergerste, Roggen, Triticale, Erbsen, Weizen und Raps – stünden gut da. Vom Starkregen niedergedrückte Bestände seien die Ausnahme.

Die Botschaft: Das Wetter hat den Landwirten heuer mit genügend Niederschlägen und ausreichend Sonnenschein in die Hände gespielt. Auch bei den Preisen erwarte man ein gutes Niveau, erläutert der BBV-Kreisgeschäftsführer. Jetzt sei nur noch eines entscheidend: Sonne, die das reife Getreide trocknet, bevor die Mähdrescher auf die Felder fahren können. „Wir warten genauso wie die Urlauber auf Sonne im Sommer, das wäre ideal für uns“, sagt Hans-Jürgen Rebelein. Martin Flohrschütz: „Bei schönem Wetter können wir in den nächsten acht bis zehn Tagen beginnen, die Wintergerste zu dreschen.“

Das nahezu ideale Wetter im Coburger Land hat aber nicht nur Getreide wachsen lassen. Auch Wildkräuter sind gut hochgekommen. Das erkennt man an unterschiedlich hellen Bereichen in den Feldern, erklärt Martin Flohrschütz. Wildpflanzen wie Disteln oder Kamille vom Getreide zu trennen erfordere eine aufwendige Reinigung. „Kein Müller kann solche Bestandteile beim Mahlen gebrauchen.“ „Wir Bauern aber auch nicht“, merkt Hans-Jürgen Rebelein an. Denn solche Kräuter verstopfen schnell den Mähdrescher. „Der bleibt dann urplötzlich auf dem Feld stehen.“

Es gibt weitere Herausforderungen. Getreide, das beispielsweise starker Regen umgedrückt hat, lässt sich nur schwer ernten. Dazu kommt eventuell feuchter Boden. Der fordert Maschinen mehr Leistung ab. Das wiederum erhöht den Dieselverbrauch. Der schlägt sich dann in steigenden Betriebskosten nieder. Weil der Dieselpreis nach oben geschnellt ist – Ende Juni kostete der Liter des Treibstoffs durchschnittlich 137,5 Cent –, muss ein Betrieb, der 100 Hektar Ackerfläche bewirtschaftet, heuer mit Mehrkosten zwischen 10 000 und 15 000 Euro rechnen. Dazu kommt der Aufwand für die Getreidetrocknung.

Aber auch hier verweist Rebelein noch einmal auf die Aussicht, bessere Preise pro Dezitonne als in den Vorjahren zu erzielen, wie das laut BBV-Marktberichtsstelle bereits bei Jungbullen, Schlachtkühen, Schlachtfärsen und Bullenkälbern der Rasse Fleckvieh der Fall ist. Anders sieht die Situation bei Schlachtschweinen und Ferkeln aus. Hier werden gegenwärtig nicht einmal die schon niedrigen Erlöse des Jahres 2020 erreicht.

Dass die Ernte für Landwirte auch eine emotionale Seite hat, berichtet Heidi Bauersachs. „Die Ernte ist der Stolz des Bauern, weil er das ganze Jahr über darauf hingearbeitet hat. Daran hängt viel Fachwissen und auch Herzblut“, sagt die Kreisbäuerin. Natürlich gehe auch sie von einer guten Ernte aus. Aber, das lehre die Erfahrung der Bauern, „sicher sind wir erst, wenn unser Getreide unter Dach und Fach ist“.

Der Anbau von Dinkel ist auch im Coburger Land auf dem Vormarsch. Daran ändert nichts, dass seine Verarbeitung aufwendig ist. „Dinkel ist gesund und schmeckt etwas kerniger“, so Martin Flohrschütz. Verbraucher wüssten das zunehmend zu schätzen.

Mit der Ernte gehen auch Behinderungen für den Straßenverkehr einher. Es sind überbreite oder lange Maschinen – Mähdrescher, Traktoren mit Anhängern – unterwegs. Zudem können Fahrbahnen verschmutzt werden. Der BBV hat auch heuer den Appell an die Landwirte gerichtet, die Straßen rasch zu säubern. Und an alle Verkehrsteilnehmer geht die Bitte, aufeinander Rücksicht zu nehmen.

Ein Problem, das Martin Flohrschütz und seine Berufskollegen umtreibt, ist das Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Der BBV-Kreisobmann sagt, er habe nichts gegen das Verbot, aber es fehlten Alternativen zur chemischen Unkrautbekämpfung. Die derzeit einzige sei die „mechanische Bearbeitung des Bodens“, also das Pflügen. Das wiederum fördere die Erosion und treibe den Spritverbrauch für Maschinen in die Höhe. Deshalb fordert Flohrschütz, „uns Praktikern zu helfen“. Die Landwirtschaft benötige Pflanzenzüchtungen für extreme Witterungs- und Bodenverhältnisse, praxistaugliche Forschungsergebnisse zu Krankheits- und Schädlingsresistenzen sowie zur Düngung. „Die Gesellschaft muss uns die Chance geben, das umzusetzen, was sie will.“ Dafür müssten mit Forschung, Berufsaus- und Weiterbildung die Voraussetzungen geschaffen werden, „das kann nicht vom Schreibtisch aus entschieden werden“, so der Kreisobmann.

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