Erfurt Voigt setzt auf Teamarbeit und Sieg

Er beschwört gern starke Offensive und gute Deckung. Mario Voigt, neuer CDU-Spitzenkandidat, fordert Ministerpräsident Bodo Ramelow heraus.

Erfurt - Beim FC Carl Zeiss Jena ist Mario Voigt schon Chef - Aufsichtsratschef. Das Herz des Thüringer CDU-Politikers schlägt aber nicht nur für den Viertliga-Verein aus Jena, wo er mit seiner Familie lebt. Ihm entgehe, wie er in seinem Blog schreibt, auch kein Konzert der Rockband Pearl Jam und kein Spiel des FC Bayern München.

Dem Serienmeister wird das Sieger-Gen nachgesagt. Etwas, was Voigt gut gebrauchen könnte. Denn der 43-jährige Vater von zwei Söhnen hat eine undankbare Aufgabe: Er soll die einst erfolgreiche CDU, die bei der Landtagswahl 2019 auf 21,7 Prozent und damit auf Platz drei stürzte, bei der Neuwahl im April anführen.

Der CDU-Landesvorstand habe Voigt einstimmig als Spitzenkandidat nominiert, sagte Landeschef Christian Hirte am Mittwoch. Auch die Kreisvorsitzenden sowie die CDU-Abgeordneten in Landtag, Bundestag und Europaparlament hätten einhellig zugestimmt. Voigt sei ein "echter Macher, der in schwierigen Zeiten bewiesen hat, Lösungen zu finden". Landes-Vize Beate Meißner sagte: "Mit einem authentischen, bürgernahen Kandidaten Mario Voigt und einem engagierten Mannschaftsspiel auf Augenhöhe kann es die CDU Thüringen schaffen, Vertrauen zurückzugewinnen."

Politiker bedienen sich gern der Sprache des Sports. Bei Mario Voigt ist es der Fußball. Den politischen Gegnern Linke und AfD hielt er vor, eine "One-Man-Show" darzustellen. Die personell erneuerte CDU will hingegen nun als Team auftreten - was auch als Kritik am vorherigen CDU-Vormann Mike Mohring zu verstehen ist. Voigt hatte Mohring im März als Chef der Landtagsfraktion abgelöst.

Beim sprachlichen Dribbeln dachte der neue Spitzenkandidat laut darüber nach, dass es - wie bei den Bayern aus München - auch bei der Thüringer CDU darauf ankomme, vorn Tore zu schießen und hinten eine gute Deckung zu haben. Voigt sieht sich selbst in der Rolle des Spielgestalters, der ebenso einem Stürmer die Steilvorlage geben kann wie er auch mal dem Gegner reingrätscht. "Ich bin vielleicht ein bisschen wie Schweini", sagte er. Bastian Schweinsteiger, Weltmeister 2014 und legendärer Bayern-Mittelfeldspieler.

Christian Hirte, im September als Nachfolger Mohrings zum CDU-Landeschef gewählt, bleibt hingegen am Spielfeldrand. Ihm wurde schon länger nachgesagt, lieber Bundestagsabgeordneter zu sein, als in den Landtag nach Thüringen zu wechseln. Auf die Nachfrage, warum er nicht selbst Spitzenkandidat geworden sei, sagte er, er sei stolz, dass viele auch ihn sich auf diesem Posten hätten vorstellen können. Aber: "Mario Voigt ist der beste Kandidat." Der beste Kandidat dafür, dass die Thüringer CDU bei der nächsten Wahl "deutlich besser" abschneidet als 2019, wie Hirte als Ziel ausgab. Linke und AfD zusammen sollten nicht mehr die Mehrheit im Landtag haben - das ist nur in Thüringen so.

Ob er den Anspruch habe, Ministerpräsident zu werden, ließ Voigt offen. In den Umfragen liegt die CDU rund zehn Prozentpunkte hinter der Linken von Ramelow. Dass die Neuwahl wie mit Rot-Rot-Grün vereinbart am 25. April 2021 stattfindet, bekräftigte er. "Das, was verabredet ist, gilt." Offen blieb indes auch, ob Voigt nach der Wahl die Zusammenarbeit mit der Linken beendet oder sogar auf eine formelle Basis stellen könnte. Ihm wird ein guter Draht zu Ramelow nachgesagt. Er machte nur deutlich, dass die gegenwärtige Situation, in der die CDU die rot-rot-grüne Minderheitskoalition stützt, ohne an der Landesregierung beteiligt zu sein, ein Verfallsdatum hat: "Das kann kein Dauerzustand sein."

 
 

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