Erfurt Streitschlichter vermittelt bei Thüringer Fernwasserversorgung

Eike Kellermann

Es rumorte heftig bei der Fernwasserversorgung. Doch nun scheint das landeseigene Unternehmen wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen.

Erfurt - Wenn Paare Probleme haben, sind sie nicht schlecht beraten, einen Spezialisten um Hilfe zu bitten. In vielen Thüringer Städten wird inzwischen Paarberatung angeboten, allein die AWO unterhält zehn derartige Beratungsstellen. Nicht selten knirscht es aber auch in der Arbeit. Und auch da ist es sinnvoll, sich Hilfe von einem unparteiischen Dritten zu holen, um die Konflikte zu entschärfen.

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Dieser Weg wird auch bei der Thüringer Fernwasserversorgung gegangen. Das überwiegend dem Land gehörende Unternehmen, an dem zudem Kommunen Anteile halten, versorgt ungefähr die Hälfte der Thüringer mit sauberem Trinkwasser aus Talsperren. Das Betriebsklima in der 220-Mitarbeiter-Firma war jedoch getrübt. Heftige Vorwürfe wurden gegen Geschäftsführer Thomas Stepputat erhoben. Von Mobbing war die Rede, Mitarbeiter nahmen angeblich entnervt Reißaus.

Die Landesregierung hielt die Vorwürfe aber allenfalls in Teilen für berechtigt - und dem Geschäftsführer die Treue. Im März wurde dessen Vertrag vom Verwaltungsrat verlängert. Allerdings lässt selbst die Verlängerung erkennen, dass nicht alles in Butter ist. Der Vertrag wurde nur um drei statt der üblichen fünf Jahre verlängert. Stepputat ließ in einer ersten Mitteilung die Belegschaft noch fälschlich informieren, dass er bis 2026 bleibe. Ihm soll außerdem ein zweiter Geschäftsführer zur Seite gestellt werden, die Suche läuft. Der zweite soll nach Stepputats Ausscheiden Ende 2023 alleiniger Chef werden.

Die Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern der Fernwasserversorgung war groß. Bei einer Befragung durch den Personalrat 2019 gaben mehr als 80 Prozent an, nicht zufrieden mit der Geschäftsführung zu sein. Deshalb wurde dieses Jahr ein auf Streitschlichtung spezialisiertes Unternehmen aus Dresden eingeschaltet. Das geht aus der Antwort von Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller (Grüne) auf eine Anfrage von FDP-Politikerin Ute Bergner hervor. Möller ist Vorsitzender des Verwaltungsrats bei der Fernwasserversorgung.

Ihm zufolge erfolgte die Auswahl des Streitschlichters im Einvernehmen mit dem Personalrat. Der Auftrag lautet: "Konfliktmediation für Thüringer Fernwasserversorgung". Das Dresdener Unternehmen hatte bisher keine Aufträge von der Fernwasserversorgung bekommen und galt daher als unabhängig und unvoreingenommen.

Inzwischen ist die erste Phase der Streitschlichtung abgeschlossen. Der Antwort Möllers zufolge gab es ein Einzelgespräch des Mediators mit dem Geschäftsführer und dem Leiter Personalmanagement, ein weiteres Einzelgespräch mit dem Personalrat sowie eine gemeinsame Mediationssitzung mit dem - wenn man so will - zerstrittenen Paar. "Nach Einschätzung der Thüringer Fernwasserversorgung wurde im Rahmen des gemeinsamen Termins offen über bestehende Konflikte und Lösungsmöglichkeiten gesprochen. Der Geschäftsführer und der Personalrat haben sich im Ergebnis gegenseitig zugesagt, zukünftig die Hinweise zu beachten und umzusetzen", heißt es in der Antwort Möllers.

Das neue Miteinander von Geschäftsführung und Personalrat soll auch einen Mehrwert für die übrigen Mitarbeiter haben. Der Streitschlichter schlägt "Team-Workshops zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen" im Unternehmen vor. Laut Verwaltungsratschef Möller ist es das Ziel der Geschäftsführung, "mit dem Personalrat einen gemeinsam getragenen Weg zur Prävention psychischer Belastungen bei der Arbeit zu entwickeln und zu beschreiten". Der Personalrat habe sich zu dem Vorschlag noch nicht geäußert. Daher sei dem Streitschlichter noch kein entsprechender Auftrag erteilt worden.