Erfurt Freistaat vergibt Forschungsauftrag zu DDR-Doping

LSB-Präsident Stefan Hügel. Quelle: Unbekannt

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und LSB-Präsident Stefan Hügel haben die Broschüre "Gemeinsam aus dem Schatten ins Licht" vorgestellt.

Erfurt - Um die Geschichte des Dopings vor allem im DDR-Leistungssport weiter wissenschaftlich untersuchen zu lassen, haben der Freistaat Thüringen und zwei Sportverbände einen Forschungsauftrag vergeben. Zwei Historiker des Zentrum deutsche Sportgeschichte Berlin-Brandenburg wollen in diesem Zusammenhang unter anderem näher beleuchten, was die betroffenen DDR-Sportler über die Doping-Mittel wussten, die sie einnahmen - und wie sie durch den Staatsapparat unter Druck gesetzt wurden, zu dopen und darüber zu schweigen. Dabei gehe es auch darum, die verschiedenen Facetten des Wissens der Sportler detaillierter darzustellen, sagte einer der Forscher, René Wiese, am Dienstag in Erfurt bei der Vorstellung des Forschungsauftrages. Das Thema sei komplex. Es habe im Dreieck zwischen Mitwissen, Aufklärung und Täuschung wahrscheinlich viele Abstufungen gegeben.

Zu den Auftraggebern der Studie gehören neben dem Freistaat auch der Landessportbund Thüringen und der Deutsche Olympische Sportbund. Nach Angaben von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) finanzieren die drei Partner den Forschungsauftrag auch gemeinsam. Von den Gesamtkosten von 45.000 Euro stelle die Staatskanzlei 25.000 Euro und die beiden Sportverbände jeweils 10.000 Euro zur Verfügung, sagte er.

Der Landessportbund (LSB) versucht seit einigen Jahren dabei zu helfen aufzuarbeiten, wie das System des staatlich getragenen Dopings in der DDR funktionierte. Noch länger muss sich der Verband allerdings gegen Vorwürfe wehren, er habe die entsprechende Aufarbeitung viel zu lange verschleppt und betreibe sie nur halbherzig. Vor allem unter dem ehemaligen LSB-Präsidenten Peter Gösel und dem ehemaligen Hauptgeschäftsführer Rolf Beilschmidt sei diese Aufarbeitung verschleppt worden, monieren Kritiker seit Langem. Der derzeitige Präsident des LSB, Stefan Hügel, wies diese Vorwürfe im Wesentlichen zurück.

Gleichzeitig erklärten Hügel und Ramelow, die beauftragte Studie zum DDR-Doping solle nicht nur die Vergangenheit ausleuchten. Man wolle daraus auch Handlungsempfehlungen für die Gegenwart ableiten. sh

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