Erfurt/Berlin "Nordadler"-Neonazis auch in Thüringen aktiv

Polizeirazzia gegen eine rechte Vereinigung. Wie hier vor einem Jahr in Cottbus gab es am Dienstag Durchsuchungen in mehreren Bundesländern. Foto: Michael Helbig/dpa Quelle: Unbekannt

Der Bundesinnenminister hat eine weitere rechte Gruppierung verboten. Sie soll Immobilien in Thüringen besitzen; Ziel: den Nationalsozialismus in Deutschland wieder stark machen.

Erfurt/Berlin - Der Staat geht erneut gegen Rechtsextreme vor: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat am Dienstag die rechtsextreme Gruppierung "Nordadler" verboten. In den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen waren deshalb am Dienstag insgesamt etwa 300 Polizisten zu Durchsuchungen bei sieben führenden Vertretern der Gruppe im Einsatz. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums werden der Gruppe mehrere Dutzend Mitglieder zugerechnet. In diesem Jahr wurden bereits zwei andere rechtsextreme Zusammenschlüsse verboten.

Die Gruppe verfolgt nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums eine nationalsozialistische Ideologie und firmiert auch unter den Bezeichnungen "Völkische Revolution", "Völkische Jugend", "Völkische Gemeinschaft" und "Völkische Renaissance". Die Rechtsextremisten bekennen sich demnach zu Adolf Hitler und nutzen einschlägige Symbole und Sprache.

Die Gruppe soll versucht haben, in Nordthüringen ein nationalsozialistisches Siedlungsprojekt umzusetzen. Dazu planten die Rechtsextremen nach eigenen Angaben aus dem Jahr 2018, ein komplettes Dorf zu errichten oder zu übernehmen. Nach Angaben der Linke-Landtagsabgeordneten Katharina König-Preuss sollen die Rechtsextremen in Mackenrode (Kreis Nordhausen) bereits über ein eigenes Objekt mit Grundstück und einem zweigeschossigen Wohnhaus verfügen. Zudem sollen einige Mitglieder der Gruppierung inzwischen in die Region um den Ort gezogen sein. König-Preuss bezeichnete es als "absolut unverständlich", dass es am Dienstag in der Region keine Durchsuchungen gegeben habe. Ohnehin komme das Verbot zu spät. Ähnlich äußerte sich auch die Leiterin der Demokratieberater von Mobit, Romy Arnold. sh/dpa

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