Erfurt/Berlin Bund und Land starten Corona-Hilfsprogramm

Kleine und mittelständische Unternehmen, die ihren Geschäftsbetrieb wegen der Corona-Pandemie einstellen oder stark einschränken mussten, können nun weitere Liquiditätshilfen erhalten.

Erfurt/Berlin - In der Corona-Krise ist ein weiteres Programm des Bundes mit Milliardenhilfen für angeschlagene Unternehmen gestartet. Besonders profitieren sollen in Thüringen davon auch Soloselbstständige und Dienstleistungsbetriebe. Für sie bietet das Land ihm Zuge dieses Programmes zusätzliche Unterstützung, informierte Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Vielen Unternehmen stehe das Wasser bis zum Hals. "Der Schutzschirm für die Wirtschaft bleibt stabil - und in Thüringen ist er nach wie vor weiter aufgespannt als in vielen anderen Bundesländern", sagte Tiefensee.

Nach der Werbung weiterlesen

In einem ersten Schritt können sich seit Mittwoch auf einer Online-Plattform Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer registrieren, die für Firmen die Anträge einreichen müssen. Danach sollen die Anträge online gestellt werden können. Die Auszahlungen an die Unternehmen könnten bereits im Juli erfolgen, teilten die federführenden Bundesministerien mit.

Bei den Überbrückungshilfen geht es um ein Volumen von insgesamt 25 Milliarden Euro. Damit soll vor allem kleinen und mittelständischen Firmen geholfen werden, die weiter erhebliche Umsatzeinbußen haben. Erstattet werden fixe Betriebskosten bis zu einem Betrag von 150 000 Euro. Bei Unternehmen bis zu fünf Beschäftigten beläuft sich der maximale Erstattungsbetrag auf 9000 Euro, bei Unternehmen bis zu zehn Beschäftigten auf 15 000 Euro. Die Überbrückungshilfe soll für die Monate Juni bis August gewährt werden - für Branchen wie etwa das Hotel- und Gaststättengewerbe, Clubs und Bars, Reisebüros und Schausteller. Die Zuschüsse müssen nicht zurückgezahlt werden.

Die Antragsfrist Ende August ist aus Sicht des Thüringer Wirtschaftsministers allerdings zu kurzfristig. "Das vom Bund gewählte Antragsverfahren über die Steuerberater muss jetzt erst einmal ins Laufen kommen. Damit alle Unternehmen ausreichend Zeit haben, ihre Anträge zu stellen, muss die Frist aus meiner Sicht zwingend um einige Wochen verlängert werden", sagte Tiefensee.

In Thüringen erhalten Betriebe der Dienstleistungsbranche wie Hotels und Gaststätten, Reisebüros, Solarien und Messeveranstalter Förderung bereits ab einem Umsatzrückgang von 30 Prozent. Damit wird für sie die Schwelle des Bundes um zehn Prozentpunkte abgesenkt, teilte das Erfurter Wirtschaftsministerium mit. Soloselbstständige erhalten den Angaben nach auch einen Zuschuss zu den Lebenserhaltungskosten von 1180 Euro monatlich für maximal zwei Monate. Für beide Förderangebote stünden zusammen bis zu 85 Millionen Euro zur Verfügung. Das Land und die Thüringer Aufbaubank stünden in den Startlöchern, um die Anträge schnell zu bearbeiten und die Fördermittel zügig auszuzahlen, versprach Tiefensee.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte in Berlin, das Programm solle vielen Mittelständlern helfen, die Krise zu überstehen. Es ist ein zentraler Bestandteil des Konjunkturpakets der schwarz-roten Koalition. Mit Blick auf entsprechende Forderungen von Wirtschaftsverbänden sagte Altmaier, ab der zweiten Augusthälfte werde es darum gehen, ob die Hilfen verlängert würden. les/dpa