Die Entscheidung für Ghafari als Preisträgerin sei einstimmig gewesen, teilten der Bürgermeister der Stadt Schmalkalden, Thomas Kaminski, und Oberbürgermeister Adolf Kessel aus Worms in Rheinland-Pfalz nach einer Jurysitzung in Schmalkalden mit. Dort soll auch am 15. April 2023 die Preisverleihung stattfinden.
Alle fünf Nominierten hätten den Preis verdient, sagte Kaminski. Ausschlaggebend für die Entscheidung sei jedoch gewesen, dass die 30-jährige Ghafari ganz besondere Sympathie und Solidarität genieße. Sie amtierte von 2018 bis 2021 als erste weibliche Bürgermeisterin in der afghanischen Provinz Maidan Wardak. Dort setzte sie sich vor allem für den Schutz und die Rechte afghanischer Frauen ein; etwa, indem sie einen Markt nur für Frauen eröffnete und so Arbeitsplätze für Frauen schuf.
Nach der Machtergreifung der Taliban im Sommer 2021 konnte Ghafari mit ihrer Familie nach Deutschland fliehen. „Von hier aus erhebt die intellektuelle, aufgeklärte junge Frau weiterhin ihre Stimme für die Menschenrechte in Afghanistan und in der Welt.“
Im Sinne der Zivilcourage Luthers (1483-1546), der mit seinen Thesen gegen den Ablasshandel Papst und Kaiser die Stirn bot, ehrt Preis mutige Menschen für Worte und Taten. Im vergangenen Jahr hatten die Bürgerrechtlerinnen Veronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa aus Belarus stellvertretend für die Demokratiebewegung in ihrem Land den Lutherpreis erhalten.