EM im Flintenschießen Letzte Ausfahrt Lonato

Hat Paris im Visier: Skeet-Schütze Vincent Haaga aus Suhl. Foto: imago/Gerhard König

Über den Gardasee nach Paris? Für die deutschen Flintenschützen bietet die EM in Italien die letzte Möglichkeit zur Olympia-Qualifikation.

 
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Lonato del Garda, Lonato am Gardasee: Doch für Urlaub, Pasta und Chianti haben die deutschen Wurfscheiben-Schützen während der anstehenden Europameisterschaft in der Kleinstadt am südwestlichen Ufer des Sees aktuell keine Sinne. Im Gegenteil: Bei den Titelkämpfen in Italien besteht die letzte Chance, sich für die Olympischen Sommerspiele in Paris zu qualifizieren. Noch ohne Frankreich-Ticket sind die deutschen Männer im Trap und im Skeet.

„Ja, es ist die letzte Möglichkeit für die Qualifikation, aber deshalb bin ich nicht nervöser“, sagt Vincent Haaga. Der Skeet-Spezialist vom FV SSZ Suhl zählt quasi seit dem Gewinn von WM-Silber im Jahr 2017 zur erweiterten Weltspitze. Ein Olympiastart blieb dem mittlerweile 28-Jährigen bislang aber verwehrt. Dabei war er im Vorjahr mehrfach nah dran, einen Quotenplatz für Paris zu erkämpfen, scheiterte aber, wie bei den Weltmeisterschaften, erst im Stechen hauchdünn am Einzug ins Finale. Bei den Titelkämpfen in Baku wurde er mit überragenden 123 Scheiben am Ende „nur“ Achter. „Die Leistungsdichte ist weiter gestiegen“, bestätigt Haaga, „vor vier Jahren hätten 123 Treffer locker fürs WM-Finale und für die Olympia-Qualifikation gereicht.“

Von seiner Top-Form der Vorsaison ist Vincent Haaga aktuell allerdings ein kleines Stück entfernt. Mit 120 Treffern lieferte er jüngst beim Grand Prix in Doha zwar wiederholt ein solides Ergebnis, doch für die erhoffte Olympia-Fahrkarte reichte es wieder nicht. „Wenn es am Ende nicht klappt mit Olympia, dreht sich die Welt auch weiter“, betont er und verringert damit bewusst den Eigendruck. Der Hauptgrund für die ausbleibenden Top-Ergebnisse ist gewiss der Diebstahl seiner vertrauten, 16 000 Euro teuren Flinte im Februar auf dem Weg zum Weltcup in Marokko.

Egal, ob der Suhler Haaga oder einer seiner Mitstreiter Sven Korte (Ibbenbüren) und Tilo Schreier (Loitz): Qualifiziert sich ein deutscher Skeet-Schütze bei der EM in Lonato noch für die Sommerspiele, würde das gewiss auch Nadine Messerschmidt und Nele Wißmer freuen. Die beiden Athletinnen und Freundinnen, die gemeinsam am Bundesstützpunkt in Suhl trainieren, haben ihr Olympia-Ticket bekanntlich sicher. Allerdings steht in Paris im Skeet neben der Einzel-Entscheidung auch ein Mixed-Wettbewerb im Programm, doch ohne deutschen Männer-Einzelstartplatz auch kein deutsches Mixed-Team.

Messerschmidt (Schmalkalden) und Wißmer (Suhl) verpassen allerdings die EM in Lonato. Die Tokio-Fünfte Messerschmidt laboriert an einer schmerzhaften Sehnenentzündung im Arm und hat bis Ende Mai absolutes Schießverbot. Aktuell weilt sie für zwei Wochen zur Reha in Warendorf. Wißmer wiederum befindet sich wegen der zuletzt hohen Wettkampfhäufigkeit in einem Leistungstief und kam selbst zu der Erkenntnis, eine Pause einzulegen. „Diesem Wunsch entsprechen wir natürlich, denn die Olympischen Spiele haben oberste Priorität, und meine Starter sollen optimal vorbereitet sein“, sagt Bundestrainer Axel Krämer.

Für Wißmer wurde Isabel Wassing (Ahaus) nachnominiert. Weitere EM-Starter vom Bundesstützpunkt Suhl in Lonato del Garda sind neben Haaga noch Valentina Umhöfer (Saal an der Saale) und Marius John (Friemar).

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