Eltmann Frischer Wind in der Mainterrasse

Sabine Weinbeer

Wer früher das Restaurant besuchen wollte, der ging "zur Agnes". Diese war die Großmutter der neuen, jungen Wirtin. Julia Amon ist 29 Jahre alt und wagt den Sprung in die Gastronomie.

Zum Schritt in die Selbstständigkeit gratulierte Bürgermeister Michael Ziegler der neuen Wirtin der "Mainterrasse" in Eltmann, Julia Amon (links). Blumen gab es auch für die bisherige Wirtin, Sieglinde Beck, die mit 67 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand geht. Foto: Weinbeer

Eltmann - Mit 29 Jahren wagt Julia Amon den Weg in die Selbstständigkeit und das in einer Branche, die in Zeiten von Corona gebeutelt ist und keine Planungssicherheit bietet: in der Gastronomie. Doch die Jung-
Unternehmerin weiß, was auf sie zu kommt, denn das Gasthaus "Mainterrasse" in Eltmann, das sie zum 1. Oktober als Wirtin übernommen hat, gehört seit Generationen zur Familie.

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"Zur Agnes" ging man früher, wenn es zur Mainterrasse ging. Agnes war die Oma von Julia Amon und in Eltmann eine Institution. Neben dem Gasthaus gab es im Untergeschoss einen Barbetrieb mit Tanzveranstaltungen. Man könnte sagen, dass hier die Wiege des Eltmanner Faschings stand, denn die große Faschingsshow "Menschen Tiere Sensationen" wie auch der Weiberfasching hatten hier ihren Ursprung, bevor beide Veranstaltungen aus Platzgründen in die Stadthalle umzogen. "Mein Vater war so ein Faschingsverrückter", erzählt Sieglinde Beck, die das Gasthaus von der Mutter übernahm und sich jetzt freut, dass Nichte Julia den Schritt zur selbstständigen Wirtin wagt. "Der Papa hat sich einen Lautsprecherwagen gebastelt und hat im ganzen Steigerwald zum Eltmanner Faschingszug eingeladen", erzählt sie ihrer Nichte.

Die erinnert sich an die Wochenend-Übernachtungen bei der Oma: "Das waren die Höhepunkte, da warst du mittendrin", strahlt sie. Als Teenager stieg sie dann als Bedienung ein. "Mir hat das immer Spaß gemacht", sagt sie, auch wenn sie sich erstmal für einen Bürojob entschied. Eine solide kaufmännische Ausbildung ist schließlich nicht die schlechteste Basis für eine Selbstständigkeit - gerade in der Gastronomie.

Groß ist die Freude über die nur kurze Schließung der "Mainterrasse" auch bei Bürgermeister Michael Ziegler, denn hier gebe es noch ein klassisches fränkisches Wirtshaus. "Bei der Linde", wie es in der jetzt endenden Generation hieß, treffen sich zahlreiche Kartrunden, Stammtische und Vereine, unter anderem der heimatgeschichtliche Arbeitskreis. Fränkische Brotzeiten und kleine Gerichte gibt es hier - und im Sommer die besondere Atmosphäre der "Terrasse". Weinstockumrankt sitzen die Gäste hier im Freien mit herrlichem Blick zum Main. Echte Fans hat das Gasthaus auch bei den Wohnmobilisten, deren Stellplatz nur einen Steinwurf entfernt am Mainufer liegt. "Manche kommen mehrmals im Jahr und kündigen schon ihren nächsten Besuch an, wenn sie wieder abreisen", erzählt "Linde".

Stammgäste, die tragen das Gasthaus, das von Julia Amons Urgroßvater gebaut wurde. "Es gibt viele Paare, die sich hier kennen gelernt haben. Und wenn die dann Silberhochzeit feiern, dann freut man sich natürlich mit", erzählt Sieglinde Beck.

Als Wirtin hat die 67-Jährige viele Höhen und Tiefen ihrer Gäste miterlebt, mitgelitten und sich mit gefreut. "Das ist wie beim Friseur in so einer Wirtschaft", weiß auch Julia aus ihrer Erfahrung. Beide sind dankbar, dass die Gäste ihnen auch nach dem Lockdown die Treue hielten. "Der Sommer war eigentlich gut", so Linde Beck. "Die Kartrunden kamen gleich wieder, als die zehn-Personen-Regelung kam und Leute aus verschiedenen Haushalten zusammen sitzen durften. Jetzt hat halt jede Gruppe ihr eigenes Kartenspiel, das funktioniert", freut sie sich. Wie es im ersten Winter von Wirtin Julia wird - "das kann man derzeit nicht sagen. Wir tun unser Möglichstes", so Julia. Die Tante lässt gerade die alten Luftfilteranlagen aus Raucherzeiten überprüfen, ob sie tauglich sind für entsprechende Filter. "Wir können die Gäste ja nicht den ganzen Winter vor offene Fenster setzen".

In einer kurzen Schließungszeit wurde das Lokal renoviert - die traditionsreiche Innenausstattung wurde jedoch erhalten, so dass sich die Gäste auch bei Julia wieder wie in ihrem zweiten Wohnzimmer fühlen können.

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Die "Mainterrasse ist von Dienstag bis Sonntag jeweils ab 15 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen gibt es außerdem von 10 bis 12 Uhr den gewohnten Stammtisch.