Niemandsland Elend im Thüringer Sommersport

Die Finals haben es wieder gezeigt: Thüringens Sommersport befindet sich weitgehend in der Bedeutungslosigkeit. Doch eine Aufarbeitung der Misere wird kaum betrieben.

Thomas Sprafke Foto: Michael Reichel

Schlimmer geht immer. Nimmt man die unzähligen Ergebnisse beim Multisportevent „Finals“ am vergangenen Wochenende genauer unter die Lupe, so bleibt nur zu konstatieren: Der Thüringer Sommersport bewegt sich weiterhin im Niemandsland. Mickrige fünf Medaillen, die Mehrzahl davon in Teamwettbewerben errungen, erkämpften die Athleten aus dem Freistaat in Hannover und Braunschweig, und das bei üppigen 143 Einzelentscheidungen in 24 Sportarten. Es ist die schlechteste Bilanz seit dem Beginn der XXL-Veranstaltung im Jahr 2019. Zum Vergleich: Thüringens Wintersportler um den weltbesten Rennrodler Max Langenhan gewannen vor fünf Monaten bei den Olympischen Spielen acht Medaillen. Der Slogan „Sportland Thüringen“ bezieht sich wohl nur auf die kalte Jahreszeit und die erfolgreichen Ballsportvereine wie den VfB Suhl.

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Kernsportarten und einstige Thüringer Domänen wie die Leichtathletik mit ihren Zentren in Jena und Erfurt liegen trotz guter Rahmenbedingungen mit Olympiastützpunkt-Status und Sportgymnasien praktisch brach, in (neuen) Randsportarten sucht man vergeblich nach Thüringer Erfolgsgeschichten. Einzige fixe Sommersport-Größen im nationalen und internationalen Maßstab sind die im Bundesleistungszentrum in Suhl trainierenden Sportschützen sowie die Bahnrad-Talentschmiede in Erfurt.

Streben 2028 ihre dritten Olympischen Spiele an: Die Sportschützinnen Nadine Messerschmidt und Doreen Vennekamp. Beide trainieren in Suhl. Foto: Imago/Karina Hessland

Ein Grundproblem des seit Jahren andauernden Elends: Die schwachen Resultate werden von den Thüringer Sportinstitutionen öffentlich mehr beschönigt anstatt bemängelt. Kritik ist ein Fremdwort, Analysen und personelle Konsequenzen an Schaltstellen sind Fehlanzeige. Vielleicht hinterfragt ja einmal die sportaffine Landesregierung um Sportminister Stefan Gruhner oder Ministerpräsident Mario Voigt höchstpersönlich die Misere im Thüringer Sommersport. Schließlich fließen auch hier Millionen an Steuergeldern in Förderung und Infrastruktur.

Vor diesem Hintergrund ist auch eine Bewerbung von Erfurt und Thüringen für das medienwirksame nationale Sommersportevent in den Jahren 2028 oder 2029 – wohlbemerkt ohne lokale Sieganwärter und Sympathieträger – kritisch zu betrachten. Laut Experten belaufen sich die Kosten für den Zuschlag und die Durchführung auf stattliche 20 Millionen Euro.