Einweihung Hildburghausen hat jetzt einen Flugplatz

In Gemeinschaftsarbeit haben die beiden Hildburghäuser Kliniken einen Hubschraubersonderflugplatz gebaut. Der ist am Donnerstag mit einer Jungfernlandung des Rettungshubschraubers Christoph 60 eröffnet worden.

Das Knattern der Rotoren von Christoph 60 hört man bereits, da ist der rot-weiße Rettungshubschrauber gerade ein kleines Pünktchen vor den grauen Wolken am Horizont. Doch nur wenig später – der Pilot dreht noch eine Runde – setzt der Hubschrauber auf dem neuen Landeplatz auf. Die Landeschienen direkt parallel zum H, das groß auf dem Landeplatz aufgemalt ist.

Es ist die Jungfernlandung zur feierlichen Eröffnung – und zur Freude aller hat alles geklappt. Nicht nur Anflug und Landung an sich, sondern auch, dass der Rettungshubschrauber überhaupt kommen konnte. Denn genau das stand nicht fest, bevor der Hubschrauber aufsetzte. Denn wie das so ist im Rettungsdienst – ein Notfall geht immer vor.

Und natürlich hätten die Organisatoren im Notfall den Hubschraubersonderlandeplatz auch ohne Hubschrauberlandung eröffnet. Grund zum Feiern gab es allemal. Denn das Projekt hat deutlich länger gedauert, als sich das die Verantwortliche von Helios und Regiomed vorgestellt hätten. 2018 hatten Franka Köditz, Geschäftsführerin der Hildbughäuser Helios-Klinik und Caroline Schubert, damals Direktorin der Henneberg-Klinik die Idee eines neuen Anlaufs für einen Hubschrauberlandeplatz in Hildburghausen. Viele Abstimmungen, Anträge und Genehmigungen später ist er nun im September 2022 fertiggestellt und baulich abgenommen. Es fehlt nun noch die Betriebsgenehmigung. Eine Sache, die in zwei bis drei Wochen geregelt sein sollte, meint Jürgen Freytag. Der Luftfahrtsachverständige hat das Projekt begleitet und in genau diesen Fragen beraten. „Kleinere Dinge sind nach der Abnahme noch zu regulieren, wenn die geschafft sind, wird der neue Sonderlandeplatz veröffentlicht und steht dann bereit“, sagt der Experte. Auf welche Details es ankommt und wie sich dabei die Zeit ausgewirkt hat, macht ein kleines Beispiel deutlich: Für die Hubschrauber benötigt es zwei Einflugkorridore, die 150 Grad aus einanderliegen müssen und die auf einer gewissen Länge keine Hindernisse haben dürfen. Ein paar Pappeln mussten dafür zum Beispiel weichen. Aber nun muss auch ein Baum gekappt werden. Der war zur Planungszeit noch nicht so groß, dass er in diesem Sinne als Hindernis gegolten hat. Nach vier Jahren ist er die entscheidenden Zentimeter zu groß geworden.

Zur Eröffnung am Donnerstagnachmittag darf Christoph 60 mit einer Ausnahmegenehmigung landen. Der Hubschrauber hat reichlich Platz auf dem Flugplatz. Der misst 21 mal 21 Meter (28 mal 28, wenn man den Sicherheitsabstand dazunimmt) und orientiert sich an den größten Helikoptern, die von Rettungsdiensten in Deutschland eingesetzt werden, erklärt Jürgen Freytag.

Für den Landkreis Hildburghausen bedeutet der neue Landeplatz eine qualitative Verbesserung der medizinischen Versorgung. Bisher habe es im Monat etwa ein bis zwei Einsätze der Luftretter für die beiden Krankenhäuser gegeben. „Wobei die Indikation bei viel mehr Patienten bestanden hätte“, betont Franka Köditz. Mit dem neuen Landeplatz sei das jetzt viel einfacher – insbesondere auch nachts – möglich. Franka Köditz und ihr Kollege Michael Musick betonten immer wieder auch, dass es kein Hexenwerk sei, gemeinsam so ein Projekt zu stemmen. „Aktuell laufen im Thüringer Landtag die Zukunftswerkstätten für den Gesundheitsbereich“, erklärt Köditz. Ein solches Projekt, das jetzt in Hildburghausen von unterschiedlichen Partnern aus dem Gesundheitswesen realisiert worden ist, könne da beispielgebend sein. „Wir werden noch mehr solcher Projekte brauchen, damit wir im Sinne der Patienten unsere Kräfte bündeln“, sagt sie. Auch von den Ehrengästen der Veranstaltung aus dem Gesundheitsministerium, vom Landrat, dem Bürgermeister und der Leiterin des Rettungsdienstzweckverbands bekommen die Partner viel Lob für das gemeinschaftliche Engagement, dass letztlich den Menschen zugute kommen wird. Den Eigenanteil des Bauprojekts haben Regiomed und Helios zu gleichen Teile (je 40 000 Euro) getragen. Die übrige Summe, der etwa 1 Million Euro teuren Baustelle hat das Land zur Verfügung gestellt.

Noch bevor zur Eröffnung alle Reden geredet sind, piepst es im Hintergrund bei drei Personen. Christoph 60 wird zum nächsten Einsatz gerufen. Die Band Sunshine Brass, die die Veranstaltung musikalisch begleitet, stimmt zum Abschied Reinhard Meys „Über den Wolken“ an.

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