Wo einst der Schmiedehammer klang, steht heute ein Haus für die Zukunft: Am Freitag (5. Juni) weihten die Mittelstiller ihr neues Feuerwehrgerätehaus ein.
Schlüsselübergabe. V. l. Standbrandmeister Michael Pfunfke, Bürgermeister Thomas Kaminski, Ortsbürgermeister Falko Liebaug, Architekt Thomas Hinz und Wehrführer Fred Schatt. (Foto: Michael Bauroth)
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Es gibt Orte, die erzählen Geschichte. Und es gibt Orte, an denen Geschichte fort- oder auch neu geschrieben wird. Mit der Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses am Freitagnachmittag (5. Juni) hat Mittelstille genau einen solchen Platz gewonnen.
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Strahlende Gesichter, herzliche Glückwünsche, ein fröhliches Schulter klopfen – und ein spürbarer Stolz auf das Erreichte prägten die fast zweistündige festliche Eröffnung. Neben Bürgermeister Thomas Kaminski und Mittelstilles Ortsteilbürgermeister Falko Liebaug waren auch sein Vorgänger Bernd Gellert gekommen, Vertreter der Feuerwehrführung des Landkreises und der Stadt Schmalkalden, Stadträte, Ortsteilräte, Fördermittelgeber, die Architekten und Planer, Handwerksbetriebe sowie Freunde von der Partnerwehr aus Dinkelsbühl.
Eingeladen waren ebenso die unmittelbaren Anwohner, welche die Bauarbeiten über mehr als zwei Jahre hinweg geduldig begleitet hatten. „Ohne dieses Verständnis wäre ein solches Projekt nicht möglich gewesen“, war mehrfach zu hören. Die Anwohner freuten sich, dass die Bauphase nun abgeschlossen ist – und dass sie ein solch modernes Gebäude in ihrer unmittelbarer Nachbarschaft haben.
Erinnerungen an die Anfänge der Feuerwehr vor mehr als 100 Jahren
Für Mittelstilles Wehrführer Fred Schatt war die Einweihung nicht nur ein offizieller Termin, sondern auch ein ganz persönlicher Moment. Seit 1993 führt er die Ortsteilfeuerwehr, hat deren Entwicklung maßgeblich begleitet und geprägt. Wie seine Frau Anke eine schlaglkräftige Jugendfeuerwehr aufgebaut hat.
In seiner Ansprache erinnerte Fred Schatt an die Geschichte der Wehr, die am 20. April 1920 von 20 Bürgern gegründet worden war. Aus den Anfängen mit Handdruckspritze und einfacher Ausrüstung wie Eimern und Leitern entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg eine moderne Truppe, die heute einen unverzichtbaren Beitrag für die Sicherheit und den Schutz der Menschen leistet. Die eigentlich groß geplante Feier zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2020 war aufgrund der Corona-Pandemie deutlich kleiner ausgefallen. Umso bedeutender sei nun die Einweihung des neuen Gerätehauses, sagte Schatt.
Ein Symbol für Gemeinschaft und Vertrauen
Wie ein roter Faden zog sich durch die Redebeiträge das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Immer wieder fiel das Wort „Mut“. Mut sei notwendig gewesen, um die Idee überhaupt zu entwickeln, Entscheidungen zu treffen und schließlich rund 1,97 Millionen Euro in die Hand zu nehmen.
65 Prozent der Kosten konnten durch Fördermittel von Dorferneuerung und -entwicklung finanziert werden. Ohne diese Unterstützung wäre das Projekt nicht umsetzbar gewesen. Mit 120.000 Euro finanzierte der Freistaat den Stellplatz.
Die Nachbarschaft freut sich über das Ende der Baumaßnahmen. Foto: Michael Bauroth
Dass ein Neubau dringend erforderlich war, daran bestand kein Zweifel. Das bisherige Gerätehaus war längst an seine Grenzen gestoßen. Moderne Einsatztechnik benötigte mehr Platz, und auch die erfolgreiche Nachwuchsarbeit stellte neue Anforderungen. Besonders stolz ist die Wehr auf ihre Jugendfeuerwehr, die inzwischen rund 25 Mitglieder zählt – ebenso viele wie die Einsatzabteilung selbst. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Zukunft der Feuerwehr in Mittelstille gesichert scheint.
Mit einem Schmunzeln erinnerte Fred Schatt an die bisherigen Standorte. Vor 1830 war die Truppe in der Straße der Freundschaft 11 bis 13 untergebracht, 1978 in den Neubau 7a ein- und heute in der Straße der Freundschaft 1 weitergezogen. „Wir sind dem Ortskern immer näher gerückt“, bemerkte er augenzwinkernd. Tatsächlich betonten nahezu alle Redner, dass die Feuerwehr genau dort hingehöre: in die Mitte des Dorfes.
Ein Blick in die Historie des Anwesens
Eine besondere Geschichte verbindet sich mit dem Standort selbst. Wo heute das modernste Haus des Ortes steht, befand sich einst die alte Dorfschmiede, in der es meist nach Bohnerwachs roch, wie sich ältere Bewohner noch erinnern.
Die historischen Unterlagen, die Michael Scholz zusammengetragen hat und auf einer Informationstafel nachgelesen werden können, reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Wohnhaus, Schmiede, Scheune, Stallungen und Remise prägten das Anwesen über mehr als zwei Jahrhunderte. Die Schmiede war über lange Zeit ein wichtiger Bestandteil des Dorflebens und wurde von mehreren Generationen der Familie Herdmann betrieben.
Der Feuerwehrnachwuchs. Foto: Michael Bauroth
Doch die Gebäude waren in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend dem Verfall preisgegeben. Vor etwa zehn Jahren kaufte die Stadt Schmalkalden den Komplex. Umfangreiche Untersuchungen zeigten schließlich, dass eine Sanierung wirtschaftlich und baulich nicht mehr vertretbar war. Im Frühjahr 2024 erfolgte deshalb der Abriss der alten Bausubstanz, um Platz für das neue Feuerwehrgerätehaus zu schaffen. Vom Vorgängerbau zeugt noch der Grundstein, der aufbereiter im Hauseingang steht.
Fünf Minuten geschockt
Bürgermeister Thomas Kaminski erinnerte daran, wie die Idee überhaupt entstanden war. Den entscheidenden Anstoß habe einst Ortsrat Michael Scholz gegeben. Die zunächst ungewöhnlich klingende Überlegung, die ehemalige Schmiede als Standort für ein neues Feuerwehrhaus zu nutzen, O-Ton Kaminski „Ich war erst mal fünf Minuten geschockt“, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem konkreten Vorhaben, das nun erfolgreich abgeschlossen werden konnte.
Der Weg dorthin war allerdings lang. Am 15. November 2021 hatte der Stadtrat den Grundsatzbeschluss zum Neubau eines Feuerwehrgerätehauses mit Vereinsräumlichkeiten und Multifunktionsplatz gefasst und die Planiung vergeben. Fördermittel wurden beantragt, Entwürfe diskutiert und zahlreiche Kompromisse gefunden.
Nach der Fördermittelzusage vom 16. Oktober 2023 und dem Spatenstich mit Ministerin Susanna Karawanskij am 25. März 2024 begann die konkrete Umsetzung: Abriss, Neubau, Außenanlagen. Insgesamt waren um die 23 Handwerksbetriebe an der Umsetzung des Bauvorhabens beteiligt.
Ein Platz für die Gemeinschaft
Das Ergebnis beeindruckt nicht nur durch seine Funktionalität. Die moderne Holzfassade und die markante, vom Schmalkalder Büro 4Raum Architektur entwickelte Architektur setzen bewusst einen Akzent im Ortsbild. Errichtet wurde das Gebäude überwiegend mit nachwachsenden Rohstoffen in einer Bauweise aus Massiv- und Holzbau. Großzügige Freiflächen ermöglichen das sichere Ausrücken der Fahrzeuge, bieten Platz für Übungen und schaffen zugleich Raum für Veranstaltungen.
Besonders wichtig war den Planern die Mehrfachnutzung. Das barrierefreie Gebäude steht künftig nicht allein der Feuerwehr zur Verfügung. Auch Vereine, der Ortschaftsrat sowie Kinder- und Dorffeste können die Räume nutzen. Damit entsteht mitten im Ort ein neuer Treffpunkt für die gesamte Gemeinschaft.
Ortsteilbürgermeister Falko Liebaug bezeichnete das Gerätehaus als Symbol für Vertrauen, Zusammenhalt und Zukunft. Es stehe für die Bereitschaft eines Dorfes, Verantwortung für seine Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen.
Auch Vertreter der Feuerwehrführung würdigten den Neubau als wichtige Investition in den Bevölkerungsschutz. In Zeiten zunehmender Herausforderungen durch Unwetter, technische Hilfeleistungen und Katastrophenlagen seien moderne Strukturen unverzichtbar. Das neue Gebäude könne künftig sogar als Anlaufpunkt in Krisensituationen dienen und damit weit über seine eigentliche Aufgabe hinauswirken, betonte Stadtbrandmeister Michael Pfunfke.
Ein besonderer Dank galt allen Beteiligten, die das Projekt ermöglicht haben: den Fördermittelgebern, den Planern, den ausführenden Firmen, der Verwaltung, den politischen Entscheidungsträgern, den aktiven Kameradinnen und Kameraden, der Alters- und Ehrenabteilung sowie den Familien, die das ehrenamtliche Engagement ihrer Angehörigen unterstützen.
Mit der symbolischen Schlüsselübergabe durch die Architekten und den Segensworten von Pfarrer Christoph Nordmeyer erhielt das Gebäude schließlich offiziell seine Bestimmung.
Als die Gäste – am späteren Nachmittag kamen die Einwohner dazu – durch die neuen Räume gingen, miteinander ins Gespräch kamen und das Gebäude erkundeten, wurde deutlich, dass an diesem Tag mehr eröffnet wurde als ein Feuerwehrhaus. Mittelstille hat einen neuen Mittelpunkt gewonnen. Und wenn Ende Juni noch das Mobiliar geliefert wird, kann endgültig umgezogen werden.
Anfang nächsten Jahres wartet schon der nächste Höhepunkt: die Lieferung eines neuen Mittleren Löschfahrzeugs (MLF). Die Wehr verfügt bislang über kein wasserführendes Fahrzeug und rückt nach wie vor mit einem in die Jahre gekommenen Kleinlöschfahrzeug (Florian Mittelstille 40) aus.