Einführungsgottesdienst Ute Borchert nun amtlich Pfarrerin im Haseltal

Zweieinhalb Jahre Probezeit sind rum: Am Sonntag feierten Gläubige mit Pfarrerin Ute Borchert deren offizielle Einführung in Steinbach-Hallenberg.

Steinbach-Hallenberg - Als Quereinsteigerin trat Borchert mit 53 Jahren, am 11. November 2019, im Haseltal ihre erste Pfarrstelle an. Das hatten wohl viele nicht mehr präsent, die sich nun über die scheinbar späte Einführung wunderten. Eigentlich sollte sie unter freiem Himmel auf dem Knüllfeld – und zugleich als Abschlussgottesdienst der alljährlichen „Kirche macht Ferien“-Aktion – stattfinden.

Wegen des ergiebigen Regens am Sonntagmorgen wichen die Gläubigen aber kurzfristig auf die Stadtkirche aus. Etwas anders eben, als üblich, sagte Ralf Gebauer – der Schmalkalder Dekan der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) – und machte das Anderssein zu seinem Thema.

Stets ein wenig anders – so sei nämlich auch Ute Borcherts bisheriger Werdegang. Als er ihr bei einer Beerdigung in Kassel zum ersten Mal begegnet sei, arbeitet die gebürtige Stendalerin und gelernte Bauingenieurin noch als leitende Angestellte in der Hessischen Straßen- und Verkehrsverwaltung. Nebenberuflich drückt sie danach die Schulbank und schließt 2016 ihr theologisches Studium in Marburg ab. „Hut ab für den Studienabschluss und den Mut, in eine völlig neue, berufliche Existenz zu starten“, so Ralf Gebauer anerkennend. Seit fast drei Jahren müsse sie im Pfarrberuf nun feststellen: Es sei alles anders. Anders, als die Arbeit in einer Behörde, geografisch anders durch die Lage der hessischen Kirchen-Exklave in Thüringen. Der Freistaat selbst, der anders sei, als Borcherts Heimat, die Altmark – wie auch Steinbach-Hallenberg noch mal etwas anderes sei als Schmalkalden. Nicht zuletzt seien die Zeiten andere. Kirche im Normalmodus, das habe Ute Borchert bisher nur kurze Zeit erleben dürfen, so der Dekan.

Seit rund anderthalb Jahren macht es die Corona-Krise schwer, das eigentlichen Gemeinschaftserlebnis Kirche zu erfahren. Die Kraft, das „alles anders“ zu gestalten, gebe der gemeinsame Gott, der selbst das ganz Andere möchte: Eine Welt ohne Geschrei, Schmerz und Leid. Menschen begreifen gerade in dieser Zeit, dass dazu vieles ganz anders werden müsse.

Neue Kraft könne die Pfarrerin und passionierte Wanderin auf einer Alpaka-Wanderung schöpfen – ein Geschenk des Kirchenkreises, das am Sonntag nicht das einzige blieb. Größtes Präsent war eine Gartenbank, die habe sie sich für ihr Pfarrhaus in Unterschönau gewünscht. Dankbar sei sie auch für den neuen Pflasterweg vor ihrer Haustür, der passenderweise gerade fertig geworden sei.

Zu den Gratulanten gehörten die Kirchenvorstände des Pfarrbereichs für Steinbach-Hallenberg und Oberschönau/Unterschönau, die ihrer Einführung genauso zustimmen mussten, wie sie selbst. Für sie sei es eine besondere Pfarrstelle, sagte die Pfarrerin. Nach rund 30 Jahren in Hessen freue sie sich nun über die Arbeit in Thüringen, wo sie, die ebenfalls in der DDR geboren ist, den Menschen zuhören könne, wie sie die Jahre nach der Wende erlebt haben. Gelegenheit für derlei Gespräche gab es gleich nach dem Gottesdienst im Pfarrgarten zum Imbiss und gemütlichen Beisammensein.

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