Ein Blick auf das Kulturjahr Vom Zauberwort und gemeinsamen Liedern

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Wie Löwenzahn durch den Asphalt hat sich die Kultur im Landkreis in Hildburghausen 2021 zurück ans Licht gekämpft. Foto: Daniela Rust

Im Dornröschenschlaf lag die Kultur des Landkreises, als das Jahr düster anbrach - weit weg von Eichendorff und der Romantik.

Landkreis Hildburghausen -

Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort. Und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort. (Joseph Freiherr von Eichendorff)

Im Dornröschenschlaf lag die Kultur des Landkreises, als das Jahr düster anbrach - weit weg von Eichendorff und der Romantik. Nicht auf Rosen gebettet, aber von Hoffnung getragen, suchte die lokale Branche Wege - wenn auch schmale und beschwerliche - um ein Stück vom einst als normal definierten Glück zu erhaschen. Vereint als Allianz starteten zum Beispiel die Festivalmacher in und um Hildburghausen ins Jahr, kämpften um ihre „Babys“, um nicht wieder ein Jahr lang in pandemischer Schockstarre verweilen zu müssen. Sie fanden Zauberworte und Wege, erst leuchtend auf dem Bismarckturm, dann digital in Weitersroda und letztendlich live auf der Heide, am Bergsee, in Waffenrod und auf dem Schloss. Menschen lagen sich feiernd in den Armen, tanzten unter freiem Himmel und fühlten sich der einst kulturellen Normalität so nah. Der Hildburghäuser Kultursommer gipfelte in einer leuchtenden Partymeile Ende September, bevor wieder dunkle Wolken aufzogen. Plötzlich wieder alles auf Corona-Anfang: Nichts geht mehr. Keine Märkte. Kein Theater. Kein Gänselieschenglühweinmarkt. Stattdessen Tristesse in der Kultur und Gedanken an den Sommer, der so sehr an Leben erinnerte. Überall nur noch Bruchstücke von dem, was sein sollte und könnte. Was für ein Jahr! Zwischen Hoffnung, Angst und Enttäuschung 2.0!

Für mich persönlich entpuppte sich Kultur in verschiedensten Facetten in diesem Jahr als äußerst kraftspendend und tröstend, wurde zu etwas elementar Wichtigem, dessen Wert sich durch seine Verknappung extrem steigerte. Waren es berührende Momente mit Klängen neu entdeckter Künstler auf einsamen Autofahrten. Zauberhafte Orgelkonzerte in unserem Landkreis. Spannende Termine in der Bibliothek, in den Museen und der neuen Galerie in Hildburghausen. Oder ein Arbeitsauftrag zum digitalen Paradiesvogelfest, bei dem ich nach Monaten der Abgeschiedenheit zwischen echten Menschen vor einer Bühne mit Live-Musik unter einer Linde saß und endlich wieder fühlen durfte, wie heilsam und tiefgehend Musik und Miteinander sein können. Auch war ich selten zu Hause vor dem Laptop so mitgerissen wie zu Pfingsten, als die Heidewitzka-DJs sich zu den Menschen nach Hause beamten. Ich habe schätzen gelernt, wie wichtig Kultur für ein erfüllendes Leben ist, jeden Moment aufgesogen und konserviert, der mich zu kleinen und größeren Events berührte. Und ich habe mich motiviert, meine eigenen Gedanken sprachlich zu kultivieren und meinen Traum vom eigenen Buch ein Stück weit vorangebracht. Eine erfüllende Beschäftigung, die das Außen vergessen und realistisch anmutende Traumwelten entstehen lässt.

All diese Dinge haben in diesem Jahr in mir ein Licht entzündet, das mich hoffentlich durch den kulturarmen Winter bringt. Ich wünsche mir für die Künstler, die Kulturschaffenden und all die Menschen, für die Kultur ein Lebenselixier ist, dass die Pandemie mit dem Schnee schmilzt und wir alle zusammen lachend durchs Leben tanzen können. Ganz bald. Ohne Abstand. Ohne Maske. Nur getragen von der Unbeschwertheit lauer, nicht enden wollender Sommerabende.

Müssen wir nur noch frei nach Eichendorff das Zauberwort finden, das uns aus romantischen Träumereien 2022 in einer Welt erwachen lässt, die wieder anfängt, gemeinsam zu singen.

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