Eigener Inhalt Die Qual der Wahl

 Quelle: Unbekannt

Wer aktuell ein Auto kauft, hat es schwer. Welcher Antrieb, welche Abgasnorm, welche Schar an Assistenten?

Was waren das früher doch für kommode Zeiten. Nein, nicht weil es noch keine Corona-Pandemie gab, sondern weil in Sachen Auto so vieles so überschaubar war. Der fahrbare Untersatz war im Prinzip auserfunden. Alle paar Jahre kam mal eine technische Neuerung dazu und alle heilige Zeit eine schärfere Abgasnorm, die aber im Grunde bloß in den Papieren stand und keinen wirklich tangierte.

Das Modell funktionierte über Jahrzehnte: Wer auf sich hielt und es sich leisten konnte, orderte einen Neuwagen, die Anderen warteten geduldig den massiven Wertverlust zu Beginn ab und stiegen ein, wenn die ersten Leasing-Rückläufer bei den Händlern standen. Top-Autos mit allem Schnickschnack – beinahe zum halben Preis. Fast wie im Paradies. Und auch bei Gebrauchten mit fünf, sechs und sieben Jahren konnte man wenig verkehrt machen.

Mittlerweile sieht die Sache anders aus. Aus Sorge um das Klima geht es den Autos an den Ausstoß. Und die immer aufwändigere Technik kostet. Allein seit 2012 kamen erst die Abgas-Normen 5a und 5b, wenig später 6b, 6c – und aktuell existieren allein sieben Versionen von 6d. Das macht beim Benziner oft bloß ein paar Euro zusätzliche Kfz-Steuer aus, beim Diesel indes entscheiden die Ziffern darüber, ob man auf bestimmten Straßen überhaupt noch fahren darf.

Das mag auf dem Land nicht die vorrangige Rolle spielen – wer allerdings ab und an in größere Städte muss oder will, hat ein Problem. Und also muss man sich gut überlegen, ob wie früher ein günstiger, aber eben auch schon älterer Gebrauchter noch der Wagen der Wahl ist. Das schönste Schnäppchen taugt schließlich nix, wenn man damit nicht in die ersehnte City darf.

Auch angesichts der Armada an Assistenten kommt man schwer ins Grübeln. Denn moderne Autos können plötzlich immer mehr. Doch womit man selbst vielleicht zufrieden wäre, ist womöglich nicht dasselbe, was man an Bord haben sollte, wenn man den Wagen dereinst noch ordentlich verkaufen möchte.

Auf die automatische Notbremse wird man selbst und auch ein späterer Käufer ungern verzichten wollen – aber muss eine vierstellige Summe fürs Navi sein, dessen Funktion man sich von jedem Smartphone aufs Display spiegeln lassen kann? Was die Schar der Helfer mit den diversen Katalysatoren und Harnstoff-Einspritzungen eint: Auch sie machen Autos generell teurer. Egal, ob neu oder gebraucht.

Nochmal Kolben – oder
doch schon Wicklung?

Knapp 34 000 Euro zahlten Deutsche 2019 im Schnitt für einen Neuwagen – fast ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren. Doch der wahre Anstieg dürfte höher sein. Die Deutsche Automobil Treuhand DAT ermittelt ihre Zahlen nämlich bei Privatkunden. Gewerblich genutzte Autos wie Dienstwagen machen aber zwei Drittel der Neuzulassungen aus – und sind meist teurer. Ein Indiz: Gebrauchtwagen verteuerten sich im selben Zeitraum um 42 Prozent. Im Mittel auf 12 470 Euro.

Doch auch wer frisch vom Band kauft, ist nicht aller Sorgen ledig. Zumindest nicht auf verlässliche Dauer. Diesel zu fahren galt bis vor kurzem schließlich noch als das Biederste der Republik – gleichsam über Nacht aber ward man schneller zum Umwelt-Unhold, als man Stickoxid sagen konnte. Und weil sich in der Wahrnehmung der GroKo zu dem auf schmelzender Scholle tapsenden Eisbären noch das schnappatmende Kind am Straßenrand gesellt hat, sollen wir im Grunde weder Fremd- noch Selbstzünder fahren, sondern bitteschön massenhaft Akku-Autos. Jedenfalls mittelfristig.

Und also wüsste man zu gerne, was wirklich klug wäre, klimatechnisch mindestens in Ordnung und wirtschaftlich vernünftig obendrein. Noch ein letzter supergesäuberter Hubkolbenmotor? Doch gleich was mit Strom? Und wenn: voll-elektrisch oder als doppelherziger Hybrid? Womöglich synthetisches Gas als Zwischenlösung, Pflanzensprit – oder ganz radikal zu Wasserstoff? Glaubt man Fachleuten, werden traditio­nelle Triebwerke, die irgendetwas in ihren Brennräumen verfeuern, noch für viele Jahre die meisten Autos weltweit bewegen. Aber wer will darauf wetten, dass nicht immer neue Fahrverbote kommen?

Batterie hat ganz sicher Zukunft. Aber womöglich steht sich das Akku-Auto mit seiner rasanten Entwicklung gerade selbst im Weg. Ständige Fortschritte bei der Zelltechnik, immer höhere Reichweiten – es ist ähnlich wie in den Anfangszeiten von Laptops oder Smartphones: Wer heute kauft, hat morgen schon was von vorgestern. Veraltet und vielleicht unverkäuflich. Und auch wenn Hersteller und Händler es gerne anders hätten – ein Großteil der Kunden wird wohl abwarten. Daran werden auch staatliche Prämie und drei Prozent Nachlass bei der Mehrwertsteuer wenig ändern.

 

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