Eigener Inhalt Akku predigen – Sprit fahren

 Quelle: Unbekannt

Glaubt man der Bundesregierung, dann sind Verbrennungsmotoren generell mindestens Teufelszeug - und speziell der Diesel noch dessen Steigerung. Kaum eine Woche vergeht ohne glühende Rede gegen die Erhitzung der Welt und ohne flammendes Plädoyer für das angeblich so segensreiche E-Mobil.

Die Botschaft: Wenn erst mal alle elektrisch unterwegs sind, geht’s Deutschland klimatechnisch besser. Und dem Globus selbstverständlich auch.

Ein wenig wundert da, dass die schöne Rede so gar nicht zum täglichen Handeln passt. Denn mehr denn je ist der Selbstzünder das bevorzugte Fahrzeug der Bundesbehörden. Das musste das Innenministerium auf eine Anfrage des FDP-Haushaltspolitikers Otto Fricke einräumen. Trotz Abgas-Manipulation und Stickoxid-Debatte blieb der Bestand der Hochverdichter über die vergangenen sechs Jahre nicht bloß hoch, er nahm sogar noch merklich zu.

Knapp 30 000 Diesel-Fahrzeuge waren Ende vergangenen Jahres für Institutionen des Bundes und nachgeordneter Behörden wie etwa das Bundeskriminalamt auf den Straßen unterwegs, ergab die Auflistung. Sechs Jahre zuvor waren es noch mehr als ein Zehntel weniger. Vermerkt wurden in der Statistik ausschließlich Pkw im Eigentum des Bundes sowie entsprechende Leasingfahrzeuge.

Ganz anders das Bild bei den so hoch gepriesenen Elektroautos: Die Steigerung auf beinahe das Fünffache gegenüber 2013 hört sich zwar enorm an, die absoluten Zahlen indes lesen sich mehr als bescheiden. Waren vor sechs Jahren rund 170 Stromer im Auftrag des Bundes unterwegs, sind es aktuell gerade mal 842. Wie es scheint, sind Behörden auch nicht rundweg von den angeblichen Vorteilen des Akku-Autos überzeugt.

Das gilt offenbar auch für andere Antriebsalternativen. So bleibt die Anzahl von mit Gas betriebenen Autos weiter bei homöopathischen Werten. Aktuell fahren für den Bund in dieser Klasse lediglich neun Fahrzeuge – exakt eines mehr als 2013. Wie aus den Zahlen des Bundesinnenministeriums deutlich wird, stieg hingegen im selben Zeitraum die Zahl der klassischen Benziner von 2672 auf 7214.

Auch alternative Arten der Fortbewegung als das Auto sieht man in Bundesbehörden offenbar nicht als ad­äquat an. Insgesamt nämlich steigerte der Bund die Zahl der von ihm beschafften Pkw im fraglichen Zeitraum von 29 722 auf 38 518. Das entspricht einem Zuwachs innerhalb von sechs Jahren um satte 30 Prozent.

Nicht ohne Grund ist die Opposition angesichts dieser Entwicklung auf dem Baum. Es sei wie immer, kritisiert Fricke. Die Politik verlange von Bürgern und Wirtschaft, was sie selbst verweigert. Dabei müsse ein moderner Staat vorangehen und Vorbild sein – erst recht bei der Elektromobilität. Bei Firmen und Privatleuten habe sich die Anzahl von Akku-Autos immerhin mehr als verzehnfacht. Fricke weiter: "Eine Bundeskanzlerin, die seit 2013 fordert, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein sollen, aber offenkundig noch nicht einmal die Unterstützung der von ihr geführten Regierung für dieses Ziel hat, muss entweder anders reden oder anders handeln."

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Foto: dpa

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