Ehrenamtliche zum Biathlon-Weltcup Helfende Hände aus der Region

Rund 350 Ehrenamtliche sicherten den in diesem Jahr durchaus besonderen Biathlon-Weltcup in Oberhof ab. Das Organisationskomitee konnte dabei auf Unterstützung aus der Fachwerkstadt und der Region setzen.

Oberhof - Nur wenn Gerd Schulz gute Arbeit geleistet hat, können die besten Biathleten der Welt ihre Top-Leistungen bringen. Seit 1997 ist der Mann aus Schmalkalden der Chef des Schießstandes beim Weltcup in Oberhof. Mit seiner Truppe vom SV Eintracht Frankenhain sorgt er Jahr für Jahr für perfekte Bedingungen an dem Ort, an dem Wettkämpfe entschieden werden können.

Die Vorbereitung beginnt schon Wochen vor dem Auftaktrennen. Die Holzkonstruktion muss aufgebaut, die Schneeauflage waagerecht aufgetragen, die vielen Windfähnchen aufgestellt werden. Vor und nach den Rennen muss der Schießstand abgezogen werden, und während der Wettkämpfe behält Gerd Schulz die Sicherheit im Auge. „Der Lauf der Gewehre darf nur nach vorne zeigen“, betont der 62-Jährige, der als Lehrer im Berufsbildungszentrum (BBZ) in Schmalkalden arbeitet.

Für Sicherheit sorgte auch Klaus Mannhardt aus Viernau. An allen acht Renntagen war der 52-jährige Zerspanungsfacharbeiter als Ordner eingeteilt. In Nicht-Corona-Jahren, wenn bis zu 22 500 Fans in das Stadion pilgern, scannt er die Tickets am Haupteingang. In diesem Jahr, in dem wegen der Pandemie keine Zuschauer im Stadion und an der Strecke zugelassen werden konnten, waren andere Aufgaben gefragt: In der ersten Woche gab er an der Skihalle, in dieser Woche in der Nähe des neuen Schneedepots, darauf acht, dass nur Akkreditierte auf das Wettkampfgelände kamen.

Tee und Zwiebellook

Bis zu sechs Stunden täglich war er im Einsatz. Bei Winterwetter unter dem Gefrierpunkt galt es, gut vorbereitet zu sein, mit Zwiebellook am Körper und Tee im Rucksack. „Kalt wird mir nicht. Ich bin sowieso gerne in der Natur“, sagt er. Freilich wäre es gemütlicher, den Weltcup im warmen Wohnzimmer zu verfolgen. Doch Klaus Mannhardt ist froh, live dabei sein zu können: „Ich kenne Oberhof nur mit dem Weltcup. Er ist wichtig für die Region.“

Das findet auch Erika Schmidt. Früher stand die Breitungerin als Fan der deutschen Sportler auf der Tribüne in der Ski-Arena, seit 14 Jahren unterstützt sie das Organisationskomitee ehrenamtlich. Sie gehört dem fünfköpfigen Team der IT und Telekommunikation an. „Ich habe große Freude daran, denn ich arbeite sehr gerne mit Menschen zusammen“, sagt die Rentnerin, die früher bei der Telekom arbeitete.

Mit 70 im IT-Team

Im Vorfeld des Weltcups baut das Team die Infrastruktur auf, richtet Computer und Drucker ein und erstellt Listen mit den wichtigsten Telefonnummern. Währenddessen steht es den Medienvertretern zur Seite, die ihre Texte, Fotos und Bewegtbilder in die Welt verbreiten – und dafür eine stabile Leitung brauchen. „Die Aufgaben werden immer mehr, weil immer mehr Technik ausgefeilter wird und höhere Datenmengen gebraucht werden“, erklärt Erika Schmidt. Aber: Das Team ist eine eingeschworene Truppe. „Jeder weiß, was er zu tun hat und erledigt das dann auch“, sagt die 70-Jährige, die im Rennsteighaus arbeitet. Es wird in der Weltcup-Woche zum Medienzentrum umfunktioniert.

Prüfung abgelegt

Im Stadion ist Sandra Fräbel eingesetzt, also mittendrin im Wettkampfgeschehen. Einst als Ordnerin in der Arena, hat sie sich in den vergangenen Jahren Stück für Stück als Wettkampfrichterin etabliert und dafür sogar eine Prüfung abgelegt. „Wir fiebern jedes Jahr auf den Weltcup hin. Ich bin sehr froh, dabei sein zu können und Teil der Helfer-Familie zu sein“, sagt die Frau aus Wernshausen.

Sie weiß genau, was es bedeutet, zu den besten Biathleten der Welt zu gehören. Ihr Sohn hat den Sport bis vor drei Jahren selbst betrieben. „Es wäre schon schön gewesen, wenn er selbst einmal hier gestartet wäre. Aber es kann nicht jeder ein Erik Lesser werden“, sagt Sandra Fräbel.

WM als Höhepunkt

Auch Gerd Schulz kennt den spannenden Sport, der gute Leistungen am Schießstand und in der Loipe verlangt, aus dem Effeff. Er war Biathlet und arbeitete von 1982 an als Trainer an der Sportschule in Oberhof. Als seine Frau 1988 in die Bundesrepublik flüchtete, musste er die Anstellung aufgeben, doch nach dem Mauerfall fand er zurück in den Sport. „Ich kannte Mark Kirchner und Sven Fischer noch aus meiner Zeit als Trainer. Ich wollte sie gern unterstützen, solange sie aktiv waren. Aber als Sven seine Karriere beendete, habe ich selbst den Absprung verpasst“, sagt er und lacht.

So unterschiedlich die Aufgaben der Helfer sind, so sehr eint sie zwei wesentliche Faktoren: Die Liebe zum Biathlon – und der starke Wunsch einer geschichtsträchtigen WM in zwei Jahren, bei der die Helfer aus der Region selbstverständlich wieder dabei sein wollen. Dann mit vollem Haus am Grenzadler.

 
 

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