Die Umsatzsteuer mit 19 Prozent in Deutschland bei Silber wirke anders als beim umsatzsteuerfreien Anlagegold als zusätzlicher Preistreiber für Endkunden. "Silber entwickelt sich damit zu einem strategisch relevanten, zunehmend knappen Rohstoff - mit realwirtschaftlichen Folgen weit über den Finanzmarkt hinaus", sagt Tetzlaff.
Gerade weil Silber anders als Gold in einem sehr großen Maße industriell genutzt wird, ist es laut Wrzesniok-Roßbach in gewissem Umfang als Beimischung in einem privaten und institutionellen Portfolio durchaus attraktiv. "Aber Anleger sollten nicht zu jedem Preis einsteigen und trotz des großen Rückgangs vom letzten Freitag vielleicht sogar noch einen weitergehenden Rückgang der Notierung abwarten", empfiehlt der Berater.
Wie ist der jüngste Einbruch zu bewerten?
Der rasante Anstieg der letzten Wochen sei in seiner Vehemenz völlig übertrieben und in dieser Form nicht rational oder fundamental zu erklären gewesen, meint Wrzesniok-Roßbach. "Insofern war die dramatische Reaktion am Freitag zwar ungewöhnlich deutlich, aber keineswegs unerwartet." Er rechne für die nächsten Wochen weiter mit einer hohen Volatilität und einer Spanne zwischen 60 und vielleicht 100 Dollar je Unze.
Was folgt aus der Entwicklung?
"Die EU und damit auch Deutschland sollten Silber so schnell wie möglich ebenfalls als kritischen Rohstoff einordnen, da er für die Wirtschaft ein unerlässlicher Rohstoff ist und gerade auch bei der Energiewende ausgesprochen wichtig ist", fordert Wrzesniok-Roßbach. "Mit Instrumenten wie dem Critical Raw Materials Act (CRMA) müssen auch für Silber Recycling, Verarbeitungskapazitäten und Lieferketten-Diversifizierung deutlich schneller vorangebracht werden, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die Versorgung zentraler Zukunftsindustrien mit Silber abzusichern", erklärt Tetzlaff.
Auch sollte der Staat aus Sicht von Wrzesniok-Roßbach Anlegern die Geldanlage in kritische Metalle so weit wie möglich erleichtern und so Finanzierungs- und Preisrisiken auf die Anleger verlagern.