Ebern Zukunftsangst bei Valeo

Helmut Will

Die Mitarbeiter der Eberner Firma waren von der IG Metall zu einer Kundgebung aufgerufen. Im Fokus stand die Bedeutung des Standortes für die Region.

Ebern - Die IG Metall zeigte am Donnerstagnachmittag in Ebern Flagge gegen den Stellenabbau beim größten Arbeitgeber in Ebern, der Firma FTE-Valeo. Weniger Flagge allerdings zeigten die Beschäftigen, die nach Schichtende trotz Aufforderung der Funktionäre am Ausgang der Firma meist Richtung Parkplatz strömten.

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Standpunkt

Zufrieden mit der Beteiligung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an der Kundgebung vor Tor 1 der Firma Valeo in Ebern konnten die zuständigen Funktionäre von IG Metall und dem Betriebsrat am Standort nicht sein. Als um 14 Uhr Arbeitsschluss war, hofften die Verantwortlichen der Kundgebung auf zahlreiche Unterstützer aus dem Arbeitnehmerbereich. Die meisten von ihnen allerdings zogen es vor einen Ausgang neben dem Tor 1 zu nehmen, oder stahlen sich an den Funktionären vorbei, einzelne nur, blieben stehen, um sich die Reden anzuhören. Dem Ganzen ist wohl noch am Vormittag eine massive Einschüchterung der Bediensteten durch die Betriebsleitung vorausgegangen. Wie von mehreren Insidern zu hören war, hat wohl Werksleiter Dominik Tappert zur Hierarchie nach oben durch gegeben, dass die Kundgebung anstand. Auf Weisung von Harry Bätz, Europachef von Valeo, hätten dann die Abteilungsleiter die Weisung erhalten, den Bediensteten zu verbieten, ihren Arbeitsplatz vor 14 Uhr vorzeitig zu verlassen. Die Kundgebung war für 13.30 Uhr angesetzt, damit eventuell auch Mitarbeiter, die um 14 Uhr ihre Arbeit aufnahmen, noch hätten teilnehmen können. Klar, Arbeitnehmer haben ihre Pflicht zu erfüllen und ihre Arbeitszeiten einzuhalten. Ganz sicher hätte es aber der Werksführung gut zu Gesicht gestanden, die kurze Kundgebung nicht durch Weisungen zu boykottieren und vielleicht hätte auch von der Werksführung jemand Flagge zeigen können und einige Worte an die Teilnehmer der Kundgebung zu richten. Sicher hätte das die Situation entspannt und möglicherweise auch Respekt für die "Oberen" gebracht. Sich in den Büros hinter Fenstern zu verstecken, ist auch keine Lösung um den Arbeitnehmern eventuell etwas Angst um ihre berechtigten Sorgen zu machen.


Mit der kurzen Kundgebung wollte IG Metall die Bedeutung des Standortes Ebern für die Region unterstreichen und hatte deshalb zur Teilnahme aufgerufen, auch zu einem Autokorso. Thomas Werner, Vertrauenskörperleiter der IG Metall und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Valeo sagte, dass es kein Warnstreik, sondern eine Kundgebung sei. "Wir stehen ja gegenwärtig in Friedenspflicht." Ungehalten zeigte er sich darüber, dass die Arbeitnehmer von Harry Bätz von der Werksführung über die zuständigen Abteilungsleiter eingeschüchtert wurden. Den Arbeitnehmern wurde untersagt ihren Arbeitsplatz vor 14 Uhr zu verlassen.

Die Kundgebung richtete sich gegen Zukunftsangst für die Arbeitnehmer. "Das einzige was die Unternehmen zeigen ist Stellen- und Arbeitsplatzabbau, damit kann man keine Zukunft und Innovationen schaffen", sagte er. Man müsse gemeinsam in die Zukunft sehen und den Arbeitsplatzabbau stoppen. Als gegen 14 Uhr Schichtwechsel war, strömten die Arbeitnehmer dem Ausgang am Tor 1 entgegen und hörten den Aufruf: "Liebe Kolleginnen und Kollegen, nehmt euch einige Minuten Zeit um hier mit uns eure Solidarität gegen Arbeitsplatzabbau zu zeigen." Dieser Ruf allerdings verfehlte zum größten Teil seine Wirkung, denn die meisten Arbeitnehmer nahmen einen anderen Ausgang und die wenigen, die zum Hauptausgang raus gingen, "schlichen" sich mit gesenktem Haupt an den Gewerkschaftsfunktionären vorbei. Lediglich ein "kleines Häufchen" hielt inne und hörte sich die kurzen Reden der Funktionäre an.

Wie Marcel Adelhardt, Politischer Gewerkschaftssekretär der IG Metall Bamberg und zuständiger Betreuer für Valeo in Ebern sagte, finde die Kundgebung unter dem Motto "Fairwandel statt Zukunftsangst" statt. "Wir fordern, dass bei Valeo die Coronasituation nicht ausgenutzt wird und die aktuelle Situation gemeinsam mit dem Personal überstanden wird." Momentan finde im Unternehmen ein Personalabbau bis zu 95 Personen statt. "Wir als IG Metall fordern gemeinsam mit dem Betriebsrat, dass dies der einzige Personalabbau bleiben muss und das Valeo mit der Belegschaft in die Zukunft geht. Valeo gehe aus der Kurzarbeit raus hin zur Mehrarbeit, was zeige, dass Arbeit im Unternehmen definitiv vorhanden sei. Adelhardt sieht die Ausbildung bei Valeo als wichtiges Standbein, was man erhalten sollte. Hier wies er auf entsprechende Tarifverträge hin, wonach das Unternehmen grundsätzlich die Auszubildenden übernehmen müsse. "Die Ausbildung ist hier derzeit kein Gesprächsthema", sagte Marcel Adelhardt. Alle Funktionäre bedauerten, dass manche Bedienstete sich hinter Fenstern verstecken, statt vor das Tor zu kommen, um sich solidarisch zu zeigen, sagte Adelhardt bei seiner Rede am Mikrofon.

Auch Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD), ehemaliger Betriebsratsvorsitzender im Werk war gekommen, um sich mit den Funktionären und Arbeitnehmern solidarisch zu zeigen. Seine Rede musste er wegen des Autokorsos, es waren etwa zehn Fahrzeuge, die mehrere Runden über den vier Kreisverkehre in der Stadt fuhren, unterbrechen. Hennemann hob die Wichtigkeit der Firma Valeo für die Stadt Ebern und die Region als größter Arbeitgeber hervor. "Die gegenwärtige Krise darf nicht für einen Arbeitsplatzabbau genutzt werden und wir sollten uns gemeinsam bemühen verstärkt aus dieser heraus zu gehen", so der Bürgermeister.

An die Unternehmensleitung gerichtet sagte Hennemann: "Entwickeln sie den Standort Ebern weiter und zeigen sie Verantwortung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer." Betriebsratsvorsitzende Sonja Meister begrüßte es, dass die IG Metall Flagge zeigte. "Es ist einfach nicht in Ordnung, dass man jetzt Covid-19 heran zieht um Stellen abzubauen und vorgibt als Arbeitgeber keine Alternative zu haben." Die Kolleginnen und Kollegen, der Betriebsrat und die IG Metall seien der Meinung, dass es für die 1400 Beschäftigten, die vom Verbrennermotor abhängig seien, am Standort Ebern Alternativen geben müsse. Gemeinsam müsse man daran arbeiten Zukunftsprojekte zu finden. "Das eine oder andere ist da bestimmt auch schon in der Pipeline und man müsse Kollegen qualifizieren, dass sie an neuen Projekten arbeiten können." Stellenabbau in der Automobilbranche kann dürfe nicht eine Lösung sein.