Ebern Wolkig mit Aussicht auf Sanierung

Christian Schuster

Zum 50. Geburtstag des Freibads Ebern steht nun überraschend eine Sanierung im Raum. Ein bundesweites Förderprogramm soll dies ermöglichen. Doch der Zeitrahmen für die Bewerbung ist eng.

Ebern - Badewetter stellte sich freilich keines ein an diesem Mittwoch. Stattdessen bereitete eine geschlossene Wolkendecke und Dauerregen die Kulisse für die Ortseinsicht des Bauausschusses am Freibad Ebern. Freibadgänger können sich dennoch freuen über das, was Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) nun in Aussicht gestellt hat: Ein bundesweites Förderprogramm könnte schon zeitnah eine Sanierung der 50 Jahre alten Einrichtung möglich machen.

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Förderkulisse Freibadsanierungen

Die Sanierung von Freibädern wurde - im Vergleich zu den Hallenbädern - in der Vergangenheit kaum gefördert. Und das obwohl es Hunderte von Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet dringend nötig hätten. 2019 hatte der Haushaltausschuss des Bundestags dann das Programm "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Kultur und Jugend" mit 110 Millionen Euro Volumen aufgelegt. Allerdings hatten davon nur gut 60 Freibäder profitiert - bei mehr als 400 antragstellenden Kommunen. Für vier von fünf Freibädern im Bundesgebiet hatte es Absagen gehagelt. In Unterfranken hatten Volkach im Kreis Kitzingen und Burgsinn bei Gemünden eine Unterstützung von zusammen 2,3 Millionen Euro bekommen. Coburg hatte sich erst im September über eine Förderung von 3 Millionen Euro aus eben jenem Topf gefreut.

Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann hat nun vom unterfränkischen Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel erfahren, dass der Nachtragshaushalt, den der Bundestag im Juli beschlossen hat, weitere 600 Millionen Euro für die Sanierung kommunaler Sportstätten vorsieht - egal ob überdacht oder oben ohne. Das "Investitionspaket Sporstätten" mit Förderquoten von bis zu 75 Prozent war ursprünglich erst für 2021 geplant. Der Haken: Der Freistaat Bayern hatte den Zuschuss seitens des Bundes wegen eines eigenen Förderprogramms für seine Bäder ausgeschlossen.

Ein weiteres Programm namens "Sanierung kommunale Einrichtungen" wurde nun allerdings ebenfalls um 600 Millionen Euro aufgestockt, die Bewerbungsfrist kurzfristig am 11. August gestartet und bis zum 30. Oktober angesetzt, so die Information Rützels. Die Förderquote liegt in der Regel bei 45 Prozent, bei nachgewiesener Haushaltsnotlage der Kommune gar bei 90 Prozent. Voraussetzung: Die Maßnahme muss im Jahr 2021 angegangen werden.


Es sei immer auch ein Stück Glück, wenn man von den wichtigen Förderprogrammen erfahre, räumte Hennemann aber zunächst ein. So habe die Stadt erst im August davon Wind bekommen, dass der Haushaltsausschuss des Bundestags die Sanierung von Freibädern bezuschusse. Bisher, so Hennemann, sei die Förderkulisse für Freibäder schlecht gewesen.

Nun wolle auch die Stadt Ebern ihren Hut in den Ring werfen. Allerdings dränge die Zeit: Eine erste Projektskizze müsse noch bis zum 30. Oktober - also in gut zwei Wochen - in Berlin eingereicht werden.Um so schnell wie möglich einen Plan für eine sinnvolle Sanierung auf die Beine zu stellen, habe man daher die Pläne überarbeitet, die ein Planungsbüro bereits 2010 für die Stadt Ebern erarbeitet hatte.

Die zu jener Zeit angedachte Komplettsanierung mit einem Kostenvolumen von 3 Millionen Euro könne sich die Stadt allerdings nicht leisten, stellte Jürgen Hennemann gleich klar. Dies sei auch insofern nicht nötig, als dass man in den vergangenen zehn Jahren immer wieder kleinere und mittlere Ausbesserungen vorgenommen habe. Stattdessen habe man gemeinsam mit dem Eberner Unternehmen Aquatec eine mögliche Sanierung in zwei Bauabschnitten erarbeitet.

Aquatec-Geschäftsführer Erik Groß führte vor Ort aus, dass man in einem ersten Schritt das Kinderbecken erneuern wolle. Dieses sei "kaputt und nicht mehr zeitgemäß". Das Becken solle im Zuge dessen auch einen eigenen kleineren Technikraum bekommen. Bisher gehe viel Energie dadurch verloren, weil das Wasser aus dem unteren Teil des Bades eine lange Strecke durch die Leitungen bergauf gepumpt werden müsse.

Generell sei die Durchströmung des Wassers nicht mehr "normkonform", wie Groß formulierte. Bisher würde die Qualität des Wassers - die hervorragend sei, wie er betonte - von Hand geregelt. Allerdings müssten die in die Jahre gekommenen Filterbecken und damit auch die Pumpen ausgetauscht werden, da diese nicht mehr aktuellen Standards entsprächen. Das Einsparpotenzial bei der Energie sei groß.

Die Kosten für die Sanierung des Kinderbeckens schätze man auf rund 800 000 Euro, die Erneuerung der Technik im zweiten Schritt auf 700 000 Euro. Unabhängig von der Kostenfrage sei eine Sanierung des Schwimmerbereichs - was schließlich einer Komplettsanierung des Bades gleich käme - nicht nötig. "Die Substanz des Beckens ist hervorragend", resümierte Groß. "Hier zu investieren ist richtig."

Dass das Bad und auch die teils betagte Technik noch immer ihren Dienst tue und die Wasserqualität stets tadellos sei, liege laut Bürgermeister Hennemann an dem Team rund um Bäderchef Klaus Hanke. "Ohne unser qualifiziertes Personal, das die Technik beherrscht, hätten wir schon lange größere Probleme", lobte er.

Umso mehr lag jedoch die Betonung des Bürgermeisters auf dem Hinweis: Man wolle jetzt so schnell wie möglich die Pläne für die mögliche Sanierung ausarbeiten. In der nächsten Sitzung des Stadtrats am 29. Oktober solle bereits eine Vorlage zur Abstimmung gebracht werden, um sich für das Förderprogramm zu bewerben. "Jetzt muss alles sehr schnell gehen." Und schnell könnte es nach den jahrelangen Diskussionen nun tatsächlich auch in die Tat umgesetzt werden. Mit genehmigter Förderung könne man, wenn alles gut laufe, bereits mit einem Baubeginn im Winter 2021/22 liebäugeln. Realistisch seien bei einem solchen Vorhaben jedoch zwei bis drei Jahre, holte Hennemann die Köpfe der Anwesenden aus den Wolken.