Ebern Wanzen-Vielfalt auf dem Standortübungsplatz

Ein erstes Vernetzungs- Treffen des Projekts "Rettet Rosi" fand unlängst in Ebern statt. Ein Fazit der jüngsten Forschungen: Es gibt hier viele Rosis.

Die kleine Rosi ist eine Berühmtheit in und um Ebern. Bei dem Tier handelt es sich um eine Essigrosen-Dickfühlerweichwanze. Archiv- Foto: Neue Presse

Ebern - Fast jeder in und um Ebern kennt sie mittlerweile: Rosi. Das kleine Tier, das zu der schwer auszusprechenden Gattung der Essigrosen-
Dickfühlerweichwanzen gehört, führt seit dem Sommer 2018 durch den ehemaligen Eberner Standortübungsplatz, welcher sich seit 2004 zum artenreichen Naturschutzgebiet entwickelt hat. Die Wanderwege wurden unter anderem als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

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Nun gibt es weitere gute Nachrichten, die Carolin Sommer, Projektmanagerin am Institut für Biodiversitätsinformation, kurz IfBI, in Ebern bei einem Vernetzungs-Treffen des Projektes "Rettet Rosi" mitteilte: "Ein wichtiges und sehr erfreuliches Projektergebnis zuerst: Es gibt viele Rosis auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Ebern, sehr viel mehr als erwartet."

An 20 Essigrosen-Beständen konnten in diesem Sommer insgesamt mindestens 471 Exemplare der winzigen Essigrosen-Dickfühlerweichwanze nachgewiesen werden. Nur acht Standorte waren vor Projektstart im Februar und damit vor den ausführlichen Zählungen zweier Bachelorstudenten von der Universität Würzburg bekannt. Das Verbundprojekt des Instituts für Biodiversitätsinformation und des Lehrstuhls für Tierökologie und Tropenbiologie der Universität Würzburg - ein Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt - hätte keinen besseren Start haben können. Nach acht Projektmonaten kamen nun zum ersten Mal alle am Projekt Beteiligten zusammen, um erste Ergebnisse vorzustellen und über die weiteren Schritte zu beraten.

Klaus Mandery, Vorsitzender des IfBI: "Die in Ebern allseits bekannte Rosi steht im Mittelpunkt des auf sechs Jahre angelegten Projekts, das den vollständigen Titel ‚Art- und Lebensraumerhaltung: Säume - Vielfalt rund um die Essigrosen-Dickfühlerweichwanze (Excentricus planicornis)‘ trägt." Gefördert wird das Projekt laut Mandery im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. "Rosi" lebt an der Essigrose, wissenschaftlich Rosa gallica genannt, und hat auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Ebern ihr einziges bekanntes Vorkommen in Mitteleuropa.

Jochen Krauss von der Universität Würzburg betonte bei dem Vernetzungs-Treffen: "Ein Ziel des Projektes ist es, die Biologie und die genauen Lebensraumanforderungen dieser seltenen Art zu untersuchen, um sie erhalten und fördern zu können. Die Untersuchungen sollen im nächsten Jahr im Rahmen einer Doktorarbeit fortgesetzt werden." Die kleine Wanze lebt im Saum, einem Übergangslebensraum zwischen Wald und verschiedenen Formen von Offenland, bewachsen mit mehrjährigen Pflanzen. "Die Artenvielfalt von Säumen ist enorm und es gibt viele Arten, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind", so Krauss. Dennoch wird er meist zurückgedrängt oder ganz entfernt. Im Projekt wird daher ein spezielles Pflegekonzept zum Schutz dieses Lebensraumes entwickelt. Mit "Rosi" profitieren dann auch viele andere Arten vom Schutz derartiger Saumstrukturen.

Am Treffen nahmen neben dem Institut für Biodiversitätsinformation und der Universität Würzburg unter anderem die Projektbetreuerin aus dem Programm-Büro (DLR-Projektträger), Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann, Entomologen, also Insektenexperten, und Vertreter von Naturschutzverbänden und Landschaftspflegeverbänden teil. Das Treffen ermöglichte einen Austausch der Teilnehmer. Ideen für weitere Forschungsarbeiten kamen auf und neue Ansätze zum Schutz der Wanze und des Lebensraums Saum wurden diskutiert.

Die eingeladenen Insektenexperten stellten Arten des Saums vor und erörterten den Wert der Säume für die verschiedenen Artengruppen. Im Laufe des Treffens wurde die Ansicht immer deutlicher: Der Saum ist es wert, genauestens erforscht und besser geschützt zu werden. Es müssen neue Wege im Umgang mit diesem zu wenig beachteten Lebensraum gefunden werden, damit die hohe Artenvielfalt im Saum geschützt wird und die speziell auf diesen Lebensraum angewiesenen Arten eine Chance für die Zukunft haben.

Einen wichtigen Teil des Projekts macht auch die Umweltbildung aus. Diese ist momentan in der Planungsphase und wird im nächsten Jahr starten. Das Umweltbildungsangebot soll über die Ergebnisse des Projekts und die hohe ökologische Bedeutung der Säume informieren - mit dem Ziel, in der Bevölkerung Interesse für Saumlebensräume und deren Schutz zu wecken. Es wird zum Beispiel Vorträge, Exkursionen in den Saum und eine interaktive Website geben, in der die Vernetzung der Arten im Saum dargestellt werden wird. red/kap