Ebern Da braut sich was zusammen

Kein Weihnachtsmarkt in Ebern: Damit entfällt auch der traditionelle Bürgerpunsch-Ausschank im Hof des Heimatmuseums. Doch auf den Punsch muss keiner verzichten.

Ebern - Dieses Jahr muss man sich einfach schöntrinken. Dabei hätte es so feierlich werden können: Freibad-Jubiläum, 40 Jahre Altstadtfest, runde Geburtstage beim Blasorchester und der Partnerschaft mit Strass. Und auch der Eberner Weihnachtsmarkt, im Jahr 1980 (seinerseits Jubiläumsjahr zu "750 Jahre Stadt Ebern") zum ersten Mal veranstaltet, hätte an diesem ersten Adventswochenende ein ganz besonderer werden können. In gewisser Weise wird er das nun auch - schließlich findet er sozusagen "im Homeoffice" statt, wie Andreas Remshard vom Eberner Bürgerverein schmunzelt. Damit es dort dann auch so richtig festlich wird, hat der Bürgerverein etwas zusammengebraut: den beliebten "Bürgerpunsch", den es sonst beim Weihnachtsmarkt im Hof des Heimatmuseums gegeben hätte.

Der Weihnachtsmarkt fällt zwar aus, auf den Bürgerpunsch soll aber keiner verzichten müssen. "Wir wollten die Tradition aufrechterhalten", erklärt Andreas Remshard die Idee, das beliebte vorweihnachtliche Getränk trotzdem anzubieten. Dafür hat der Bürgerverein weder Kosten noch Mühen gescheut: Nach bewährtem Rezept entstand auch der diesjährige Punsch-Jahrgang, der diesmal aber feinsäuberlich in Flaschen abgefüllt wurde. Auch ein wunderschönes Etikett erhielten die Flaschen aus der Feder von Sabine Remshard. "Ein Weihnachtsgruß vom Bürgerverein Ebern" in flüssiger Form, der sich so natürlich auch bestens als Geschenk eignet - vielleicht vor allem an diejenigen Freunde und Bekannte, mit denen man sich sonst immer am Ausschank im Hof des Heimatmuseums getroffen hätte.

Dort kann sich nun aus bekannten Gründen am Adventssonntag niemand an Bürgerpunsch oder Kartoffelsuppe erwärmen. Doch den in Flaschen abgefüllten Punsch kann jeder dort am Sonntagnachmittag dann wenigstens für Zuhause erwerben - so lange der Vorrat reicht vielleicht auch noch an den weiteren Adventssonntagen. Unter der Woche gibt es ihn bei Edeka Rother, der Leseinsel, der Schreinerei Remshard und dem Markgrafen Getränkemarkt.

Seit 40 Jahren

Mit dem Fläschchen Bürgerpunsch soll wenigstens ein bisschen Normalität und Weihnachtsstimmung "in diesen verrückten Zeiten" aufkommen, wie Andreas Remshard sagt. Nicht nur guten Geschmack soll man sich mit dem Getränk nach Hause holen, sondern auch Erinnerungen und gute Laune. Immerhin begleitet der Bürgerpunsch die Eberner schon seit 40 Jahren. Im Jahr 1980, so erinnert sich Ingo Hafenecker, veranstaltete die Stadt zum ersten Mal einen Weihnachtsmarkt. "Bürgermeister Feulner war es, der an den Bürgerverein herantrat mit dem Vorschlag, zur Belebung gerade des Grauturmbereiches während des Marktes Glühwein auszuschenken, waren doch die Stände und das Angebot an Waren nicht annähernd so zahl- und umfangreich wie heute", sagt Ingo Hafenecker: "Dieser Gedanke gefiel uns." Der Nachbar des Heimatmuseums, Adam Schmitt, erlaubte dem Bürgerverein, seine Hofeinfahrt für den Ausschank zu benutzen.

Siegfried Birklein hieß der erste "Koch", dem Ingo Hafenecker heute augenzwinkernd eine "eigenwillige Art und Weise" bei der Herstellung des beliebten Getränks bescheinigt, das im Laufe des Tages durch erhöhte Rumzugaben immer stärker geworden sei. Später übernahm Berthold Schüllner, der Küchenchef vom Kreiskrankenhaus, die Herstellung; seit einigen Jahren ist es Bürgervereins-Mitglied Andreas Klein. "Unser Bürgerpunsch ist längst nicht mehr vom Eberner Weihnachtsmarkt wegzudenken, er ist inzwischen Kult", sagt Ingo Hafenecker. Und in diesem Jahr gibt es eben Kult in Flaschen.

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