Drohbrief in Schalkau „Angriff auf die Freiheit der Kunst“

Holger Uske, Vorsitzender des Südthüringer Literaturvereins Foto: ari

„Grüne Drecksau“ steht in dem anonymen Brief, den Heidi Büttner aus ihrem Briefkasten in Schalkau gezogen hat. Als einen „Angriff auf die Freiheit der Kunst“ bewertet das der Südthüringer Literaturverein.

Schalkau/Suhl - Am Morgen des 15. Mai 2021 fand die stellvertretende Vorsitzende des Südthüringer Literaturvereins, Heidi Büttner, in ihrem Briefkasten in Schalkau ein anonymes Schreiben vor mit dem Aufdruck „Grüne Drecksau“. In einer vom Vorsitzenden des Vereins, dem Suhler Holger Uske, unterzeichneten Pressemitteilung wird dieses „Schreiben“ aufgrund der herausragenden literarischen Tätigkeit von Frau Büttner als Angriff auf die Freiheit der Kunst bewertet. Es sei unerträglich, dass eine Autorin von Rang, die erst in diesem Jahr Preis-Trägerin des nationalen Landlust-Literaturwettbewerbes wurde, aufgrund ihrer ehrenamtlichen politischen Tätigkeit im Sonneberger Kreistag derart attackiert werde.

Der Südthüringer Literaturverein, seit inzwischen 31 Jahren Heimstatt für Autorinnen und Autoren der Region, bereichere in vielfältiger Weise das literarische Leben in Südthüringen. Dabei sei es von Anfang an ein Markenzeichen der Vereinsarbeit gewesen, dass gerade auch un-terschiedliche politische Auffassungen dem Streben nach bestmöglichen literarischen Ergebnissen gut getan haben, so der Vereinsvorsitzende. Uske, selbst CDU-Mitglied und Anfang der 1990er-Jahre im Suhler Stadtrat aktiv, verweist auf weitere Autoren, die der SPD oder den Linken angehörten oder wie Büttner für die Grünen aktiv sind.

Das habe den künstlerischen Aus-tausch geradezu befördert, denn natürlich sollte aktuelle Literatur auch den politischen Diskurs suchen. Heidi Büttner, über den von Landolf Scherzer mit initiierten Literatursalon Suhl zum Südthüringer Literaturverein gekommen, ist seit 2001 dessen stellvertretende Vorsitzende und machte sich insbesondere durch die Herausgabe des Literaturkalenders „Thüringer Ansichten“ einen Namen.

Der Literaturverein werde es nicht hinnehmen, dass seine Mitglieder in solch schmählicher Weise attackiert werden und wendet sich daher an die Öffentlichkeit. Andere po-litische Meinungen dürften nicht zu persönlichen Hass-Angriffen führen. Dies überschreite nicht nur die gebotene Fairness des politischen Diskurses, sondern werde klar als Angriff auf die Freiheit von Wort und Sprache verstanden, so Uske. Dem gelte es, entschieden und öffentlich entgegenzutreten.

Gegründet im März 1990, vereint der Südthüringer Literaturverein Autoren der Region. Erfahrene Schreibende finden hier Anregungen für ihre Werke und Veröffentlichungs-Möglichkeiten. Der Verein zählt derzeit 25 Mitglieder, die inzwischen aus Thüringen, Franken, Hessen und Rheinland-Pfalz kommen oder dort wohnen.

Jährliche Literatur-Werkstatt-Tage jeweils im Mai in Untermaßfeld, öffentliche Lesungen, Vereinstreffs in verschiedenen Regionen, die Veranstaltungsreihen „Literatursalon“ und eine Lesereihe (sofern keine Pandemie Treffen verhindert), Veröffentlichungen in regionalen Tageszeitungen wie Freies Wort, Büchern oder Anthologien wie „In die Zeit gestreut“ prägen den Vereinsalltag.

Der Südthüringer Literaturverein zeichnete 1995/96 verantwortlich für die Ausrichtung des 1. Walter-Werner-Literaturwettbewerbes in Thüringen, unterstützt literarische Aktionen wie den „Provinzschrei“ und fördert junge Autoren.

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