Drei Tage volles Programm 800 Jahre Oberlind: ein Ort feiert Geschichte

Adam Fox

Der Sonneberg Ortsteil Oberlind feiert von Freitag, 30. Mai bis Sonntag, 1. Juni, sein 800-jähriges Bestehen. Unzählige Stunden Planung und ehrenamtliche Arbeit machen es möglich.

Acht Jahrhunderte Geschichte hat der Sonneberger Ortsteil Oberlind auf dem Buckel. Es gibt jedoch Hinweise – festgestellt beim Ausmessen der Kirche – dass es deutlich mehr sein könnten. Nur ein schriftliches Dokument fehlt bislang für den letzten Beweis. Foto:  

Bereits seit drei Jahren kümmern sich Heidi Gallert, Steffen Beck, Andre Heublein, Thomas Schwämmlein, Klaus Schindhelm und André Möckl um die Planung der Feierlichkeiten mit. Erst in privater Runde, später dann in einem neu gegründeten Verein. „Schon 2019 ist die 800-Jahr-Feier im Ortsteilrat kurz angesprochen worden“, erinnert sich Ralf Wöhner zurück. Damals habe allerdings die Meinung geherrscht, dass man noch viel Zeit habe. Ein Jahr später kam dann bekanntlich Corona; die Planungen verliefen sich zunächst im Sande.

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Dass Oberlind möglicherweise mehr als 800 Jahre auf dem Buckel haben könnte, das hat der Architekt-Masterstudent Franz Otto herausgefunden. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit befasste sich Otto mit der Oberlinder Kirche. Beim Ausmessen kam dann die Erkenntnis, dass diese schon vor 1225 existiert haben muss. „Bislang haben wir leider noch kein Dokument gefunden, welches dies schriftlich bestätigt“, bedauert André Möckl.

Vereinsgründung anlässlich der Feier

Nachdem nach der Pandemie allmählich wieder die Normalität um sich gegriffen hatte, gab es am 16. Mai 2022 ein erstes Treffen im Ort. „Es war mehr ein erstes Ideensammeln“, betrachtet Möckl in der Rückschau. Beim Treffen damals war auch Conny Brückner (Leitung Sachgebiet Kultur, Medien, Bürgerservice bei der Stadt Sonneberg) vor Ort. Sie teilte den Oberlindern mit, dass die Stadt Sonneberg nicht als Veranstalter diese Feierlichkeiten ausrichten wird. „Versprochen wurde uns aber die volle Unterstützung, bis hin zu einer finanziellen Zuwendung“, so Möckl. Vielmehr gab es die Empfehlung, einen Verein zu gründen oder einen Verein zu finden, „der als Veranstalter den Hut auf hat“. „Im Ort selbst hat sich damals kein Verein gefunden, der die Feierlichkeiten veranstalten wollte. Wir haben alle Vereine angeschrieben“, blickt Heidi Gallert zurück. Dennoch bringt sich – Stand jetzt – der überwiegende Teil der Oberlinder Vereine aktiv bei den Planungen zum Ortsjubiläum ein.

Entsprechend habe man sich dann den Brücknerschen Tipp zu Herzen genommen und gründete am 16. Oktober 2022 den Heimatverein Oberlind. Insgesamt elf Gründungsmitglieder waren im Herbst 2022 dabei. Inzwischen ist der Verein auf 48 Mitglieder angewachsen. Der Vorstand setzt sich aus André Möckl (Vorsitzender), Steffen Beck (Stellvertreter), Heidi Gallert (Kassenwartin), Siiri Schnelle (Schriftführerin) und Mandy Köpper (Beisitzerin) zusammen. Ralf Wöhner ist selbst nicht Mitglied des Heimatvereins, arbeitet als Ortsteilbürgermeister aber eng mit dem Heimatverein zusammen.

Damit alles möglichst reibungslos über die Bühne geht, habe man sich auch extern beraten lassen. Andreas Meusel, Bürgermeister von Föritztal zwischen 2012 und 2024, hatte im Jahr 2015 die 700-Jahr-Feier von Neuhaus-Schierschnitz organisiert. Als Tipp gab er den Oberlindern mit auf den Weg, die Gastronomie auszulagern. Diesen Rat habe man berücksichtigt. Die Möglichkeit, Speisen und Getränke zu sich zu nehmen, wird im Bereich der Kirche St. Aegidien möglich sein, wo sich auch der Großteil des Festgeschehens abspielen wird.

Abseits des Marktplatzes findet im Hort-Gebäude der Oberlinder Grundschule eine historische Heimatschau statt. Diese haben die Mitglieder des Geschichtsstammtisches initiiert. Die Möglichkeit, diese zu besuchen, besteht am Samstag von 11 bis 18 Uhr sowie am Sonntag von 9.30 bis 11.30 und von 14 bis 18 Uhr. In den Räumlichkeiten kann man sich eine Reihe von historischen Dokumenten anschauen, darunter auch die handgeschriebene Chronik des Julius Rebhan. Kunstfreunde kommen ebenfalls voll auf ihre Kosten: Ausgestellt werden unter anderem Gemälde von der Kirche. Apropos Kirche: Von dieser gibt es einen Nachbau beim Festumzug zu sehen, aktuell steht dieses Modell im Schaufenster des ehemaligen Blumenladens in der Thomas-Müntzer-Straße und kann bis zum Umzug dort angeschaut werden.

Behandelt wird ebenfalls die Brauereigeschichte des Ortes. Bereits im Jahr 1480 verfügte Oberlind über sogenannte Erbschankstätten, die das Recht hatten, Bier auszuschenken. Das offizielle Braurecht wurde der Gemeinde im Jahr 1656 verliehen, was den Weg für die Gründung mehrerer Brauereien ebnete. Insgesamt existierten in Oberlind zeitweise bis zu sechs Brauereien, was die Bedeutung des Ortes als Braugemeinde unterstreicht.

Verdurstet ist in Oberlind noch keiner

Im 19. und 20. Jahrhundert war Oberlind Heimat mehrerer Brauereien. Besonders bedeutend waren die Brauereien Rau und Albin Harreß. Die Brauerei Rau wurde 1852 gegründet. Sie durchlief mehrere Generationen der Familie Rau. Nach der Enteignung 1972 wurde sie als Betriebsteil II des VEB Brauhauses Sonneberg in das Getränkekombinat Rennsteig Meiningen integriert und 1979 geschlossen. Die Brauerei Harreß gründete sich 1656 und wurde 1899 zur Brauerei Gebr. Harreß und später zur Brauerei Emil Harreß. Sie bestand bis 1950.

Die reichhaltige Geschichte der Oberlinder Braukultur wurde von Klaus Schindhelm in der Publikation „Auf den Spuren historischer Gasthäuser und Gaststätten der Braugemeinde Oberlind“ festgehalten. Diese Dokumentation, die bis ins Jahr 1441 zurückreicht, ist in der Stadtbibliothek Sonneberg erhältlich.

Anlässlich der 800-Jahr-Feier wird die Privatbrauerei Gessner – die ihren Sitz im benachbarten Ortsteil Malmerz hat - dieses Ereignis mit ihren Getränken begleiten.

Bieranstich erfolgt durch Beate Meißner

Im Hort-Gebäude wird auch die Geschichte der Oberlinder Unternehmen behandelt, die für lokale Arbeitsplätze gesorgt haben und/oder weiterhin sorgen. Dazu gehören unter anderem die Unternehmen EIO, Thuringia, Sonni und Piko. Möckl nutzte die Gelegenheit, sich bei den Unternehmen zu bedanken. „Vor allem die ortsansässigen Unternehmen haben sich daran beteiligt. „Es ist eine Summe zusammengekommen, die annähernd die Kosten deckt“, stellt Möckl fest. Die Sponsoren werden mit einem großen Plakat bedacht. Auch Privatpersonen haben gespendet. Auf Lotto-Mittel habe man für das Festwochenende verzichtet, da diese für eine Festschrift beantragt werden. Die Festschrift soll nach dem Jubiläumsjahr erscheinen und das Festjahr mit beinhalten.

Für das 800-jährige Jubiläum haben sich zahlreiche Gäste angekündigt, darunter Sonnebergs Bürgermeister Heiko Voigt sowie Landrat Robert Sesselmann. Ganz fest eingeplant hat auch Beate Meißner ihren Besuch in Oberlind. Die Justizministerin – selbst wohnhaft im Oberlind - wird am Freitag ab 17 Uhr das Festwochenende mit einem Bieranstich eröffnen. Mit von der Partie ist die Musikschule Sonneberg. Um 20 Uhr tritt dann die Band M&M mit Tanzmusik auf.

Weiter geht es am Samstag um 15 Uhr. Neben dem Festzeltbetrieb können sich die Besucher Auftritte des Sonneberger Kuckucks sowie von Sängerin Ines Ehrlicher freuen. Ab 20 Uhr heizt dann DJ Mike auf dem Oberlinder Marktplatz allen Tanz- und Feierwütigen kräftig ein im Rahmen der „Golden Gate Party“.

Am Sonntag geht es bereits ab 10 Uhr los. Neben einem Skatturnier um den Pokal der „Thüringer Justizministerin“, wird ein Frühschoppen angeboten. Ab 13 Uhr beginnt dann der historische Festumzug durch Oberlind. Der Treffpunkt befindet sich an der Mittleren Motsch. An diesem werden aller Voraussicht nach 670 Teilnehmer und mehr als 30 Fahrzeuge teilnehmen. Letztere werden in 43 Bildern Oberlinder Geschichte und Vereine durch die Straßen tragen. Für die gesamte Veranstaltung ist mit dem Ordnungsamt der Stadt Sonneberg ein entsprechendes Sicherheitskonzept erarbeitet worden. „Wenn jemand eine Oberlind-Fahne hat, so bitten wir darum, diese aus dem Fenster zu hängen“, sagt Gallert.

Von 14 bis 17 Uhr lädt die Stadt Sonneberg dann zum großen Kinderfest ein. Für kleine und große Besucher werden zahlreiche Mitmachaktionen angeboten. Es gibt ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit einer Eröffnung durch die Musikschule, einem Tanzbeitrag der „Little Linder“ sowie einer spannenden Vorführung der Ronin Thais. Außerdem sorgt die „Zwergenparade“ als Walking Act den ganzen Tag über für Unterhaltung.

Weitere Veranstaltungen sind geplant

Neben dem Bühnenprogramm warten viele weitere Highlights: Bastelstationen, ein Bewegungsparcours, eine Ausstellung von Nautiland, Hüpfburgen, ein Flohmarkt, Kinderschminken, eine Verkleidungskiste, ein Glücksrad, eine Feuerwehrschau sowie Seifenblasen-Attraktionen und vieles mehr. Zahlreiche Vereine, Einrichtungen und Institutionen aus der Region sind mit dabei; darunter die Feuerwehr Oberlind, die Grundschule und Kita „Arche Noah“, SC 06 Oberlind, das Jugendrotkreuz, die Musikschule, der Faschingsverein Kuckuck, das Thinka Bürgerbüro, weitere Kitas sowie das Spielzeugmuseum.

Heidi Gallert, André Möckl, Ralf Wöhner und alle an der Planung beteiligten blicken dem Festwochenende voller Vorfreude entgegen und hoffen, dass alles nach Plan laufen und das Wetter mitspielen wird. Der Eintritt ist an allen drei Tagen frei.

Mit dem Festwochenende sind die Feierlichkeiten anlässlich des 800-jährigen Jubiläums aber noch lange nicht zu Ende. Am Montag, 1. September, ist ab 18 Uhr ein Festgottesdienst in der Oberlinder Kirche St. Aegidien mit Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, vorgesehen. Von Donnerstag, 30. Oktober, bis Sonntag, 2. November, besteht die Möglichkeit an einer historischen Führung durch Oberlind mit Roland Spielmann, vielen auch bekannt als Roland Wozniak.