Drehorgeltreffen 24 Leierkastenmänner in Schmalkalden

Die Schmalkalder Innenstadt war am Samstag mit Drehorgelmusik angefüllt – 24 „Leierkastenmänner“ kurbelten vor der Bühne und in den Straßen an ihren Instrumenten.

Schmalkalden - Das große Drehorgeltreffen lieferte den Beweis: Johannes Heesters lebt. „Schaut ihn euch an – er spielt ganz verträumt!“, verkündete Thomas Liebetrau, den die Schmalkalder viel besser unter seinem Künstlernamen „Drehorgeltommy“ kennen. Ganz in Weiß mit Hut und Weste war er am Samstag auf dem Altmarkt der Snob und das lag nicht nur an seiner Deleika Drehorgel. Nur einer, nämlich Helmut Lehrke aus Osterhofen, stahl ihm die Schau. Frack, Zylinder, weißes Hemd und schneeweißer Schal – alle Blicke waren auf ihn gerichtet. Er kurbelte galant an seiner Drehorgel und wagte sogar ein Tänzchen vor der Bühne. Und das mit 80 plus. „Mein lieber Mann“, bemerkte Tommy anerkennend.

Übrigens sprang der Trusetaler Orgelmann, der mittwochs regelmäßig auf dem Altmarkt anzutreffen ist, am Samstag im Quadrat. Ja, das große Orgeltreffen war eine Hausnummer. Liebetrau sprach von einem „Schuss aus der Hüfte“. Gemeinsam mit Martina Bogen-Wendt von der Abteilung Kultur der Stadtverwaltung hatte er die Veranstaltung in nur sieben Wochen vorbereitet.

Seine Drehorgel kaufte er in Dinkelsbühl bei Kai Rafeld. Das ist der Inhaber der Firma Deleika. Als man über ein großes Drehorgeltreffen sprach, ließ Rafeld seine Beziehungen spielen. Im Handumdrehen fanden sich „Leierkastenmenschen“ aus Deutschland und der Schweiz mit den schönsten Drehorgeln. 24 waren nach Schmalkalden gekommen.

„Schmalkalden, Schmalkalden – der Nabel der Welt“, schmetterte Wilfried Reichelt aus Wuppertal und verkündete: „Das habe ich extra für euch gedichtet.“ Derweil erklärte Hjalmar Bong: „Raffin – das ist der Mercedes unter den Drehorgeln.“ Gleich danach kommen die Deleikas – vergleichbar mit Opel oder VW.

Bong präsentierte übrigens das mit Abstand schwerste Instrument und auch er war singend zu vernehmen. Gleich neben ihm fiel Wilfried Skoppeck als Pressewart des Clubs Deutscher Drehorgelfreunde aus der Reihe. Im knallbunten Hemd mit Melone auf dem Kopf und einer Hofbauer, auf der gleich zwei Plüschäffchen thronen. Eines davon trägt Mundschutz. „Er beißt immer“, kommentierte Skoppeck und begann die Rolle des Affens zu erklären. „Früher waren das kleine echte Rhesusaffen, deren Aufgabe es war, das Geld nach der Vorstellung bei den Leuten einzusammeln“, meinte er. Ja, früher – da hatte die Drehorgel eine Holzwalze. Heute besitzt sie einen digitalen Speicher. Wie dem auch sei – der Klang ist geblieben. Die Liebe, mit der die Orgelmänner an den Kurbeln drehen, auch.

Die Stimmung in Schmalkalden war gut. Das Publikum schunkelte schon am Vormittag. Alle 24 Orgelmänner stellten sich vor und bekamen ihre eigene Spielzeit. Derweil schwärmte der Rest in der Innenstadt aus, um die Passanten mit Ständchen zu erfreuen. Auch hinter den Drehorgelspielern liegt eine schwere Zeit. Etliche nutzten die Chance und spielten in Altenheimen. Das große Orgeltreffen in Schmalkalden war eigentlich zum 30. Stadtfest geplant, konnte wegen Corona jedoch nicht stattfinden.

Martina Bogen-Wendt und Drehorgeltommy waren am Ende froh, eine eigene Veranstaltung daraus gemacht zu haben. Außer den schmucken Drehorgeln – aus der Partnerstadt Schmalkaldens, Dinkelsbühl – waren Dieter Ehmer und Kai Rafeld vertreten, gaben sich die Trachtenfreunde von Heidrun Diringer, die in Waltershausen eine Heimatstube leitet, die Ehre. Fünf Damen und zwei Herren gefielen in der Mode zwischen 1910 und 1930. Fehlen noch Oldtimer, Trödel und Antikes. Das Beste aber waren Sonnenschein und persönliche Gespräche. Mit einem gemeinsamen Abendessen im Ratskeller und einer Stadtführung verabschiedeten sich die „Leierkastenmänner“. Möglicherweise gibt es 2022 schon ein Wiedersehen.

 

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