Diktaturlied AfD-Chef singt DDR-Hymne auf Bühne

Zum Abschluss einer Podiumsdiskussion in Dessau-Roßlau singen der AfD-Bundesvorsitzende Chrupalla und der Spitzenkandidat Siegmund mit Uwe Steimle die Hymne der SED-Diktatur. Die Besucher stimmen mit ein.

Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Tino Chrupalla, AfD-Bundesvorsitzender, und Uwe Steimle, Kabarettist, stehen bei der Veranstaltung der AfD Sachsen-Anhalt in Dessau-Roßlau auf der Bühne. Foto: Jan Woitas/dpa

AfD-Co-Chef Tino Chrupalla und der sachsen-anhaltische Spitzenkandidat Ulrich Siegmund haben am Dienstag bei einer Veranstaltung in Dessau-Roßlau mit mehreren Hundert Menschen gemeinsam die DDR-Hymne gesungen.

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Zum Ende der Podiumsdiskussion sollte eigentlich die deutsche Nationalhymne gesungen werden, der Dresdner Kabarettist Uwe Steimle stimmte stattdessen jedoch das Lied „Auferstanden aus Ruinen“ an.

„Wir wollen noch die Nationalhymne zum Schluss singen. Das machen wir noch. Das machen wir immer in Sachsen-Anhalt“, sagte Chrupalla zuvor. Als Steimle das Lied der SED-Diktatur anstimmte, war das Chrupalla offensichtlich unangenehmen und er versuchte, den Akt als Scherz zu deuten, aber Steimle sang mit Inbrunst weiter. (Video ab 2:14:31 h)

Chrupalla zuckte schließlich lachend mit den Schultern. Chrupalla und Siegmund lächelten und sangen teilweise gemeinsam mit den Besuchern die DDR-Hymne. Im Video bewegen sie die Lippen zur Textzeile „Deutschland einig Vaterland“ beziehungsweise „denn es muss uns doch gelingen, dass die Sonne schön wie nie über Deutschland scheint“. Steimle sagte zum Abschluss: „Ich kann nur die Hymne“

Der Text sei so großartig und jedes Wort stimme, als wäre es heute, sagte Steimle noch über die DDR-Hymne. „Und das ist bei großen Sachen immer so, die sind allgemeingültig. Wir gehören zusammen, wir sind Deutsche. Ende der Debatte“, so Steimle.

Im Anschluss daran wurde auch noch die deutsche Nationalhymne gesungen, die 1841 gedichtet wurde und die 1919 in Weimar von der Nationalversammlung zur Hymne mit Verfassungsrang der ersten deutschen Republik erklärt wurde.

DDR-Hymne im Auftrag der Diktaturpartei

Die Hymne der DDR wurde im Auftrag des Politbüros der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED, heute Die Linke) und des Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, im Herbst 1949 Johannes R. Becher gedichtet. Die Meldodie stammt von Hanns Eisler.

Becher war SED-Politiker, Minister für Kultur sowie erster Präsident des Kulturbundes der DDR. In seinen Funktionen war er mitverantwortlich für die Entwicklung und Umsetzung der zentral gelenkten Kulturpolitik der SED und der damit verbundenen staatlichen Zensur in der DDR. 1953 schrieb Becher eine Danksagung an den sowjetischen Diktator Josef Stalin, der in Ostdeutschland für Massenverschleppungen verantwortlich war. Neun Millionen Tote gehen insgesamt auf Stalins Konto in Osteuropa und der Sowjetunion.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt. Chrupalla, Siegmund und Steimle hatten bei der Podiumsdiskussion in Dessau-Roßlau über das Thema Frieden debattiert.