Digitalisierung Was Glasbach, Drehweg und andere Namen erzählen

Der Drehweg erinnert an eine Viehtrift-Strecke. Foto: /Carl-Heinz Zitzmann

Wer sich für die Geschichte seiner Heimat interessiert, kommt an Flurnamen nicht vorbei. Ein Projekt der Uni Jena ermöglicht jetzt den leichteren Zugriff auf diesen Bestand. Im Rahmen einer Online-Konferenz wird die Datenbank vorgestellt.

Sonneberg/Jena -

Der Glasbach könnte an eine längst vergessene Glashütte erinnern oder seinen Namen vom „glasklaren“ Wasser haben, am Drehweg „dreht“ sich nichts, sondern wurde einst Vieh entlang getrieben. 1771 schrieben die Sonneberger noch von der „Trift“. Kein Zweifel, die Flurnamen sind ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes und ein gewaltiger „Datenspeicher“ lokaler Geschichte.

Nachschlagen kann man dies seit einiger Zeit online im digitalen Flurnamenarchiv der Friedrich-Schiller-Universität Jena, das demnächst im Rahmen einer Online-Tagung „Flurnamen als Brücke zwischen Gesellschaft und Wissenschaft“ vorgestellt wird. Das Institut für germanistische Sprachwissenschaften der Universität Jena lädt dazu in Zusammenarbeit mit dem Heimatbund Thüringen und der Staatskanzlei am Montag, 29. November, ab 16.30 Uhr ein. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist für alle Interessenten kostenfrei online möglich, eine Anmeldung nicht notwendig. Fragen für die Flurnamensprechstunde müssen bis zum 22. November, 12 Uhr per E-Mail (Barbara.aehnlich@uni-jena.de), per Post (Barbara Aehnlich, Institut für Germanistische Sprachwissenschaft, Fürstengraben 30, 07743 Jena) oder telefonisch (Telefon 03641-944331, Anrufbeantworter freigeschaltet vom 15. bis 19. November) eingegangen sein und werden dann in der Online-Konferenz beantwortet. Zudem wird im Portal eine Unterseite eingerichtet, auf die die Fragen und Antworten gestellt werden. Die Tagung findet online über die Plattform Zoom statt. Zugang über: https://uni-jena-de.zoom.us/j/65623625459 - Meeting-ID: 656 2362 5459, Kenncode: 729084.

Ab 16.15 Uhr wird der virtuelle Raum geöffnet. 16.30 Uhr wird das Flurnamenportal durch Barbara Aehnlich und Petra Kunze vorgestellt. 16.50 Uhr beginnt die Podiumsdiskussion, die von Christian Zschieschang vom Sorbischen Institut moderiert wird. Nach einer kurzen Pause schließt sich 18 Uhr eine „Flurnamensprechstunde“ an. Das Projekt befasst sich mit der Digitalisierung und Aufbereitung der Belegsammlung des Thüringischen Flurnamenarchivs der Jenaer Universität. Diese hat in den vergangenen Jahren einen umfangreichen „Aufwuchs“ durch die Zuarbeit zahlreicher ehrenamtlich arbeitender Flurnamenforscher aus dem gesamten Freistaat erfahren.

Für das Portal werden die Belegzettel des Archivs digitalisiert und die den Fluren übergeordneten Orte mit der zugehörigen Orts-ID der Gemeinsamen Normdatei (GND) der Deutschen Nationalbibliothek verknüpft. Das Datenmaterial präsentiert die Gemarkungen auch in Kartenform. Durch die Digitalisierung des Thüringischen Flurnamenarchivs und die Verknüpfung mit GND-Daten wird eine weitere Befassung mit den Flurnamen Thüringens möglich, sowohl für Laien als auch Wissenschaftler verschiedenster Bereiche. Fachlich betreut wird das Projekt durch die promovierte Sprachwissenschaftlein Barbara Aehnlich. Das Projekt wurde im Juni 2019 begonnen und wird voraussichtlich in diesem Jahr abgeschlossen. Die Datenbank wird stetig aktualisiert, befindet sich aber noch im Aufbau. Im Flurnamenportal sind übrigens auch schon zahlreiche Belege aus dem Landkreis Sonneberg recherchierbar.

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