Digitaler Impfpass Gut angelaufen und gut händelbar

Der digitale Impfpass soll es überflüssig machen, seinen Impfpass dauerhaft mitführen zu müssen. Auch wenn mittlerweile viele Corona-Regeln gelockert sind. Wer sich als geimpft ausweisen kann, hat gegenüber Nicht-Geimpften mitunter immer noch Vorteile. Foto: dpa/Stefan Puchner

Seit Beginn der Woche wird der digitale Impfpass nach den beiden Corona-Impfungen auch in Apotheken ausgestellt. Eine stichprobenartige Umfrage in hiesigen Apotheken zeigt, dass viele Menschen das Angebot nutzen und sich der Aufwand für beide Seiten in Grenzen hält.

Schmalkalden - Henneberg-Apotheke, Schmalkalden

In der Henneberg-Apotheke in der Schmalkalder Renthofstraße hat der digitale Impfnachweis schon am ersten Tag zu einen Kunden-Ansturm geführt. Gezählt habe sie die Anfragen nicht, sagt Apothekerin Eva Hohmann. Aber es waren eine ganze Menge. „Am ersten Tag gab es für ein bis zwei Stunden Probleme mit dem Server des Robert-Koch-Instituts“, sagt Hohmann. Das habe sie auch erwartet. Wenn morgens um 7.30 Uhr bundesweit Hunderte Apotheken ans Netz gehen, kann der Server schon mal zusammenbrechen. Die Kunden hätten Verständnis gezeigt und seien später noch einmal gekommen. Jetzt funktioniere die Technik im Großen und Ganzen. Auch wenn oft geschmäht und kritisiert: Diesmal hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn alles gut vorbereitet, lobt Hohmann.

Die Ausstellung des elektronischen Impfausweises, erzählt sie weiter, müsse parallel zum normalen Apothekenalltag bewältigt werden. Momentan gehe das, drei Mitarbeiterinnen könnten sich um die Impfpassanliegen der Kunden kümmern. Die Bitten, den digitalen Impfpass auszustellen, kämen von Menschen verschiedenen Alters. Da aber priorisierungsbedingt ältere Menschen zuerst geimpft wurden, seien es nun vorwiegend ältere, die in die Apotheke für eben diesen besonderen Impfausweis kommen. Einige Senioren hätten nur etwas von „digitalem Impfnachweis“ und „Apotheke“ gehört und seien einfach mal vorbeigekommen. Dabei haben manche Senioren gar kein Smartphone, sagt Eva Hohmann. Dies ist aber gar kein Problem, sagt die Apothekenchefin. Der digitale Impfpass ergibt nämlich auch analog Sinn. Auf Papier wird ein QR-Code ausgedruckt. Selbst wenn dieser nicht digital in einer Smartphone-App hinterlegt werden kann, können die Geimpften das Blatt mit dem QR-Code mitnehmen und als Impfbestätigung vorzeigen, zum Beispiel am Flughafen.

Wer seinen digitalen Impfausweis via Smartphone immer dabei haben möchte, kann dafür verschiedene Apps nutzen: Die CovPass-App oder die Corona-Warn-App. Es können sogar die digitalen Impfnachweise der ganzen Familie hinterlegt werden. Fazit: Alles ist leicht händelbar.

Hirsch-Apotheke

Schmalkalden

Auch in der Hirsch-Apotheke am Neumarkt in Schmalkalden wird der digitale Impfpass seit Montag ausgestellt. Aus Sicht von Apothekerin Clara Mannetstätter „ist alles gut angelaufen“. Mit kurzzeitigen Unterbrechungen, weil überlastet, habe das Portal funktioniert. Es gibt zwei Gründe, warum die Kunden einen digitalen Impfnachweis haben wollen. Entweder möchten sie ihn generell mitsichführen, zum Beispiel beim Einkaufen, oder sie brauchen ihn für ihren Urlaub, erklärt Clara Mannetstätter. Vieles werde leichter, wenn man einen digitalen Impfnachweis vorzeigen kann. Wie am Flughafen, wo man sonst seitenlange Pamphlete ausfüllen muss.

Für das Apothekenteam bedeutet das Ausstellen des elektronischen Impfpasses eine zusätzliche Mehrarbeit zum normalen Apothekenbetrieb. Immerhin müssen der Ausweis und der Impfpass kontrolliert, die Daten wie Name, Impfstoff und Tage der Impfungen ins Portal eingegeben und die Unterlagen mit dem persönlichen QR-Code ausgedruckt werden. Eine Lücke allerdings muss und soll bald geschlossen werden: Für Genesene, die deshalb nur eine Impfung erhalten haben, kann zurzeit kein digitaler Impfpass ausgestellt werden. Sie müssen sich noch mit dem Quarantänebescheid des Landratsamtes ausweisen (um als genesen anerkannt zu werden) und mit dem gelben Impfausweis, in dem die erste Impfung eingetragen ist. An einer Lösung wird gearbeitet, weiß Apothekerin Mannetstätter.

Engel-Apotheke

Breitungen

In fünf Minuten sei das Anliegen der Kunden, einen digitalen Impfpass zu bekommen, erledigt, sagt der Inhaber der Engel-Apotheke, Bernd Kluge. Es habe zwar schon ein paar Stunden gedauert, die Apotheke auf der Plattform anzumelden, damit man fit sei, um den Kunden diese Dienstleistung anbieten zu können, aber das mache man natürlich gerne. Die Eingaben, die nun erfolgen müssten, um den Impfpass auszudrucken, hielten sich zeitlich in Grenzen.

„Wir haben einen Computer dafür ausgewählt, denn auf zweien gleichzeitig geht das nicht“, sagt Kluge. Aber alle Mitarbeiter können den Impfpass ausstellen, auf dem dann der QR-Code ist, der wiederum dann in die CovPass- oder Corona-Warn-App eingescannt werden kann. Manche Kunden wüssten dann aber nicht, wie sie den Code „ins Handy kriegen sollen. Wir helfen dann aber auch, die App zu installieren und den Code einzupflegen“, sagt der Apotheker. Das Handling sei einfach. Nur manchmal steige doch noch der Server aus. Dann müsse man es eben ein zweites Mal versuchen. Der Arbeitsaufwand für die Apotheke sei überschaubar, nicht zu vergleichen mit dem Ansturm, als es die kostenlosen FFP-2-Masken gab. Die Apotheken sollen ihren Aufwand auch bezahlt bekommen, aber wie stehe noch nicht fest.

Etwa 70 Menschen sind bereits in der ersten Woche in der Schafwerra in Breitungen gewesen, um sich impftechnisch zu digitalisieren. Ob das alle Kunden gleich benötigen, wisse er nicht. Viele hätten einfach nur gehört, dass das jetzt geht und „denken, dass sie das unbedingt brauchen“. Für andere, die bald reisen wollen, sei es sicherlich eine Erleichterung, meint Bernd Kluge.

Er weist aber auch nochmal auf die zweite Möglichkeit hin, an den digitalen Impfpass zu kommen. Diese gilt für alle Personen, die beide Impfungen über eine Anmeldung bei der KV in einem Impfzentrum erhalten haben. Dazu die Internetseite www.impfen-thueringen.de öffnen, in der rechten Spalte mit den roten Themen auf „Impfzertifikat anfordern“ klicken, Geburtsdatum und E-Mail-Adresse (die bei der Vereinbarung des Impftermins hinterlegt wurde) eintragen und den Impfbescheinigungs-Link anfordern (grüne Fläche). Sofort kommt eine E-Mail mit einem personifizierten Link, den man anklickt. Dort erneut das Geburtsdatum eintragen. Dann wieder auf die grüne Fläche drücken (Digitale Impfbescheinigung anzeigen), dann die Datei mit einem Programm wie vorgegeben öffnen und den oder die QR-Codes in der PDF mit einer der möglichen Handy-Apps scannen.

Im Rahmen eines Pilotprojekts war dieser Weg der Anforderung einer digitalen Impfbescheinigung bereits vor Wochen möglich. Doch der damals generierte QR-Code konnte nicht in eine App integriert werden. Deshalb sollten diejenigen, die das bereits getan hatten, das Impfzertifikat nochmals anfordern.

Burg-Apotheke

Steinbach-Hallenberg

In Steinbach-Hallenberg wird der digitale Impfpass bis jetzt nicht angeboten. Die Burg-Apotheke stecke derzeit in der heißen Phase eines Inhaberwechsels und der Mehraufwand im Zusammenhang mit dem Impfpass sei für die Mitarbeiter im laufenden Betrieb doch recht erheblich. „Wir kommen unseren Kunden aber insofern entgegen, dass wir ihnen den Weg über das Online-Formular erklären“, sagt Inhaberin Bärbel Morbitzer. Die Möglichkeit, den digitalen Pass im Internet über die Kassenärztliche Vereinigung und das RKI anzufordern, sei in der Tat recht einfach und funktioniere mittlerweile auch gut, so Morbitzer.

Stadt-Apotheke

Meiningen

„Bereits vorige Woche gab es die ersten Anfragen“, schildert Holger Wicht von der Stadt-Apotheke Meiningen. Am Montag erging es ihm aber wie vielen seiner Kollegen. Die Technik arbeitete noch nicht so, wie sie es sollte. Der Deutsche Apothekerverband ist der Ansprechpartner für alle organisatorischen Fragen. Das RKI ermöglicht den notwendigen technischen Zugriff auf seine Datenbanken, in denen die einzelnen Impfungen dokumentiert sind. Doch genau an der Stelle hakte es am Montag. Im Laufe des Tages aber besserte sich die Situation. In der Stadt-Apotheke konnten die ersten digitalen Impfnachweise schließlich in der Mittagszeit ausgestellt werden. Der QR-Code auf dem Smartphone kann in Geschäften und Gaststätten, im Theater oder an Ausflugszielen vorgezeigt werden. In den Einrichtungen werden die Daten eingelesen, aber nur der Name angezeigt. Daher ist es notwendig, auch einen Ausweis mit Lichtbild mitzuführen, um per Foto die Identität bestätigen zu können.

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