Digitale Infrastruktur Jedes dritte Unternehmen fühlt sich abgehängt

Jolf Schneider

Die Digitalisierung gilt als einer der Schlüssel für den künftigen Erfolg der Wirtschaft. Doch in Thüringen fehlt vielen Unternehmen die Grundlage dafür: Ein adäquater Internetanschluss, wie nun eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern ergab.

Leitungen, die den Zugang zur digitalen Welt bedeuten. Doch nach einer Umfrage der Thüringer Industrie- und Handelskammern fühlt sich jedes dritte Unternehmen im Land schlecht angeschlossen. Foto: dpa//Jens Büttner

Suhl - Die Digitalisierung gilt als einer der Schlüssel für den künftigen wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands. Auch Thüringer Unternehmen nutzen die Digitalisierungspotenziale bereits. Dabei hat die Corona-Krise den digitalen Wandel nochmals beschleunigt, berichten die Thüringer Industrie- und Handelskammern. Das stelle aber insbesondere kleine und mittlere Unternehmen vor Herausforderungen, wie die aktuelle Umfrage der drei Kammern zeigt, an der sich 174 Thüringer Unternehmen beteiligt haben.

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Als wichtigste Gründe für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen nennen die Unternehmen den Wunsch nach einer besseren Kundenbindung. Häufig würden Kunden auch eine stärkere Digitalisierung fordern. Zudem werde die Digitalisierung zur Flexibilisierung des Arbeitens genutzt. Außerdem würden viele Unternehmen darin ein Potenzial sehen, Kosten einzusparen, teilten die Kammern am Dienstag in Suhl mit. Als herausfordernd würden die Firmen insbesondere den hohen Investitionsaufwand sowie die Komplexität bei der Umstellung von Systemen und Prozessen einschätzen, hieß es von den Kammern.

Digitalisierungskiller Nummer eins ist nach den Ergebnissen der Umfrage die mangelnde Internetversorgung, von der noch immer mehr als ein Drittel der befragten Firmen betroffen ist. Für 70 Prozent der Unternehmen ist die dringlichste Aufgabe die Schaffung einer leistungsfähigen Breitbandinfrastruktur. „Die Thüringer Politik muss deutlich mehr tun, damit digitales, mobiles Arbeiten und automatisierte Lösungen von und für Unternehmen nicht an fehlenden oder zu langsamen Datennetzen scheitern“, erklärte Peter Höhne, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostthüringer IHK. Daher würden die Kammern wieder und wieder fordern, endlich auch im ländlichen Raum kreative Angebote und Lösungen umzusetzen.

Fast die Hälfte der Unternehmen priorisiert zudem Nachbesserungen für einen unbürokratischeren Zugang zu öffentlichen Fördermitteln. Und jedes dritte Unternehmen sieht dringenden Handlungsbedarf der Politik bei der Digitalisierung unternehmensbezogener Verwaltungsverfahren.

Entscheidend für den Erfolg der Digitalisierungsprozesse im Unternehmen sei das digitale Know-how der Mitarbeiter und Führungskräfte. Insbesondere die Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien und digitalen Geschäftsprozessen müssten aus Sicht der Unternehmen weiterentwickelt werden. Schulungsbedarf bestehe für knapp die Hälfte der Unternehmen auch bei Datenschutz und IT-Sicherheit.