Die Wahlkampf-Kolumne Spatzennest, Sahneeis und Spartakiade

Frank Ullrich. Foto: Gerhard König

Wie blicken die Bundestags-Kandidaten auf ihren Südthüringer Wahlkreis 196? In der Kolumne „Meine Wahlkampf-Woche“ schildern die sechs Bewerber ihre Ansichten und Erlebnisse aus erster Hand. Heute berichtet SPD-Kandidat Frank Ullrich.

Der Juni beginnt, wie er immer schon begonnen hat: mit dem Kindertag. Dem traditionellen. Am Vormittag besuche ich das „Spatzennest“ in Oberhof mit Malkreide, Wurfscheiben und T-Shirts. Als ich ankomme, rennen und wuseln die Kinder durch den Garten, spielen Fußball, toben. Genau wie wir früher. Sie wirken ausgelassen, glücklich, jetzt, wo es Sommer wird.

Ein schöner Eindruck! Es sind die Kinder und die Familien, die im vergangenen Jahr besonders von der Pandemie betroffen waren. Wir müssen sie jetzt, wenn vieles wieder leichter wird, für den Neustart stärken – mit Strukturen und auch finanziell. Deswegen liegt mir das Thema Kindergrundsicherung sehr am Herzen. Zu meiner Überraschung treffe ich in der DRK-Kita „Spatzennest“ auch eine gute Bekannte. Die Mama von Erik Lesser, einem meiner früheren Biathlon-Schützlinge, ist hier Kindergärtnerin.

Weiter geht es in den Integrativen AWO-Kindergarten „Sommerau“ nach Zella-Mehlis. Auch hier wird getobt, „Komm mit – lauf weg“ spielen sie im Garten. Astrid hat ein waches Auge auf sie. Ja, Astrid! Die Lieblingskindergärtnerin meiner Tochter Steffi, damals vor 30 Jahren in der Kita in Suhl-Nord, wo auch meine Frau Erzieherin war. Die letzte Station an diesem Kindertag ist die AWO-Kita „Döllbergzwerge“ in Suhl, unterhalb des Krankenhauses gelegen. Meine eigenen Enkelkinder sehe ich ein paar Tage später, am Sonntag, der einmal keine Termine hat, an dem nur die Familie im Kalender steht.

Überhaupt ist es eine schöne Woche. Beim Biker, einer Gaststätte hier in Mäbendorf, darf endlich draußen wieder serviert werden. Die Schnitzel sind größer als der Teller, die Stimmung am Abend ist bestens. Beim Lieblingsitaliener essen meine Frau und ich ein Eis – nicht aus der Waffel, sondern endlich wieder einmal im Rieseneisbecher. Vier oder fünf Kugeln mit ordentlich Sahne darauf. Das hat vielen gefehlt in den letzten Monaten.

Jetzt beginnen langsam wieder bessere Zeiten, auch für das Gastgewerbe und die Zulieferer. Am Donnerstag besuche ich die Schlossbrauerei Schwarzbach, wo mich der Chef Oliver Nowak mit seiner traditionellen Braukunst in den Bann zieht. Wenn ich mal Alkohol trinke, was selten vorkommt, dann ein Radler. Beim Bratwurst-Braten geht es gar nicht ohne. Ich lasse mir zeigen, wo und wie das Schwarzbacher Radler hergestellt wird und erfahre auch, wie es war, als die Gaststätten schließen mussten und viele Abnehmer fehlten. Es gehört schon viel Kraft und Engagement dazu, das als Familienbetrieb durchzuhalten. Hohen Respekt!

Ein alter Sportskamerad, Knut Bonsack, führt mich am Freitag durch seine Präzisionstechnik GmbH in Brotterode. 1975 sind wir gemeinsam zur Armeespartakiade in Kawgolovo gestartet, 100 Kilometer nördlich vom heutigen Sankt Petersburg. Er als Nordischer Kombinierer, ich als Biathlet. Bei minus 20 Grad. Die alten Sporttugenden gelten auch heute noch bei ihm im Betrieb: Ordnung, Disziplin, Pünktlichkeit, Sauberkeit. Nur sei es schwer, junge Leute zu finden.

Das höre ich auch später bei AKP Carat Arbeitsplatten GmbH in Meiningen. Viel wird dort investiert, auch junge Mitarbeiter werden gewonnen. Dennoch: Der Nachwuchs im Handwerk und der Indus­trie fehlt, die meisten zieht es nach der Schule zum Studium und oft auch fort aus der Region. Da muss unbedingt etwas passieren!

>>> Mehr zum Thema und weitere Kolumnen lesen Sie hier
 

Bilder