Deutschland Tour Frust über die Nichtberücksichtigung zum Rennen vor der Haustür

Bei den ganz Großen: Tom Lindner (links) Foto: Imago

Nach zwei Teilnahmen in Folge bleibt dem Thüringer Team P&S Benotti in diesem Jahr eine Einladung zur Deutschland Tour verwehrt. Das kann keiner der Protagonisten wirklich nachvollziehen.

Lars Wackernagel, der sportliche Leiter des Continental-Teams P&S Benotti, sagt, dass der Frust über die Nichtnominierung schnell verfliegen musste. „Wir hatten in der Zwischenzeit ja wieder Rennen, auf die es sich zu konzentrieren galt“, so Wackernagel. Seinen Antworten kann man aber schon entnehmen, dass er tief innerlich noch immer sauer ist, dass sein Team, das einzige Profi-Radteam aus Thüringen, sich nicht bei der am 24. August in Weimar beginnenden Deutschlandtour und somit auch nicht am kommenden Donnerstag in Meiningen präsentieren kann.

Das Feld der Tour umfasst 20 Mannschaften. Von den 20 Worldteams, den Mannschaften der obersten Kategorie, starten ab kommenden Mittwoch 14 in Deutschland. Die sind AG2R Citroen, Bahrein Victorios, das deutsche Team Bora Hansgrohe, EF Education First, Ineos Grenadiers, Intermarche Wanty Gobert, Israel Premier Tech, Jumbo Visma, Lotto Soudal, Movistar, Quick Step, Team DSM, Trek Segafredo und UAE Team Emirates. Hinzu kommen die beiden Pro-Teams der zweiten Kategorie Alpecin Fenix und B&B Hotels – KTM. Das Feld vervollständigen drei Continental-Teams und die deutsche Nationalmannschaft. Als Continantal-Teams erhielten Team Dauner Akkon, Team Lotto Kern haus und das Saris Rouvy Sauerland Team den Vorzug vor P&S Benotti. Er habe im Vorfeld mit den Veranstaltern in Kontakt gestanden, erzählte er. „Es gab Gespräche, diese waren aber ohne Inhalt, was die mögliche Nichtnominierung angeht. Letztlich haben wir davon dann auch nur per Pressemitteilung erfahren“, so der 47-jährige Thüringer. Die Frage, ob es eine Begründung für diese Entscheidung gab, beantwortete er mit nur einem Wort: „Nein!“

Mutige Fahrweise

Eine große Enttäuschung war das natürlich auch für die Fahrer, die sich gerne ihren Fans in der Region präsentiert hätten. Mit Tim Oelke steht ja auch ein waschechter Meininger in den Reihen der P&S-Mannschaft, dem vielleicht die einmalige Chance genommen wurde, einmal in einem solch großen Rennen in seiner Heimatstadt dabei zu sein. „Das war ein richtiges Brett für uns alle. Etwas, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Zumal wir sehr gerne wieder in unserer Heimat vor den tollen Fans hätten starten können.“ Es ist natürlich als Continentalteam nicht selbstverständlich, dass man zu einer solch hochkarätigen Rundfahrt eingeladen wird. Klar hatten die Thüringer es aber gehofft – nicht nur weil die Tour wieder durch Thüringen verläuft. Unverständlich ist die Entscheidung auch deswegen, weil die Aktiven des damals noch unter dem Namen P&S Metalltechnik firmierenden Thüringer Teams bei ihren beiden Teilnahmen eine gute Visitenkarte abgaben.

Sie gefielen schon 2019 mit ihrer offensiven Fahrweise. 2021 eroberte Robert Jägeler auf der ersten Etappe aus einer Fluchtgruppe heraus das Bergtrikot. Auf der zweiten Etappe – im heimischen Thüringen – zerpflückte das junge Team mit einer mutigen Windkantenattacke das Fahrerfeld in mehrere Teile. Mit Tom Lindner (14.) platzierte sich der beste P&S-Fahrer sogar im Vorderfeld der Gesamtwertung. „Gerade auch deswegen haben wir keinerlei Verständnis dafür, dass wir nicht dabei sein können. Aber wir müssen am Ende die Kröte schlucken“, so der gebürtige Geraer Lars Wackernagel. „Wir haben ja mit Tom Lindner und Jannis Peter zwei Fahrer unseres Teams, die wir in der Nationalmannschaft sehen werden. Dies ist wenigstens ein kleiner Trost und bringt die beiden in ihrer Entwicklung natürlich weiter.“

Und welches Rennen steht für die Thüringer stattdessen jetzt auf dem Programm? „Wir gehen kommende Woche nach Bulgarien, wo wir sehr gute Erinnerungen an letztes Jahr haben“, sagt der P&S-Chef. Vielleicht kann man sich ja in südlichen Gefilden den Ärger aus den Beinen und Köpfen fahren.

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