Unions-Agrarpolitiker Albert Stegemann sagte der Deutschen Presse-Agentur, grundsätzlich stehe seine Fraktion zur Zuckersteuer - aber nicht in der vorgelegten Form. "Der bisherige Vorschlag erweckt insbesondere den Eindruck, dass zusätzliche Steuereinnahmen im Mittelpunkt stehen – anstelle der Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher." Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) warnte neulich: "In einer Zeit, in der viele Menschen mit hohen Preisen zu kämpfen haben, darf der Staat Lebensmittel und Getränke nicht noch teurer machen."
Was sagt der Vorfall über die Zusammenarbeit der Koalition?
Dass ein Vizekanzler so öffentlich zurückgepfiffen wird, ist außergewöhnlich. Zwar hat das Kanzleramt schon häufiger Gesetzentwürfe blockiert, meist hält man das aber möglichst lange geheim, um hinter den Kulissen Kompromisse auszuhandeln. Jetzt dringt der Vorfall sofort nach draußen.
Das zeigt, wie angespannt die Stimmung in der Koalition seit den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist. Kanzler Merz steht unter enormem Druck. Er kämpft um sein Amt, muss liefern. Doch gleiches gilt für SPD-Chef Klingbeil. Keiner der beiden kann sich leisten, vor der eigenen Fraktion Schwäche zu zeigen.
Das sieht man gerade nicht nur bei der Zuckersteuer, sondern man sah es zu Wochenbeginn im Streit um die Pflege - und man wird es wohl sehen, wenn der Rentenstreit wieder hochkocht und wenn der Haushalt im Parlament zur Abstimmung steht. Die Zeiten, in denen man dem Koalitionspartner einen Erfolg gönnte, die sind spätestens jetzt vorbei.