"Einzigartige Harmonie, Schwerelosigkeit und Dynamik"
Rhönradturnen sei die einzige Turnsportart, wo nicht am, sondern mit dem Gerät geturnt werde, betont Köhler. Dadurch entstehe "eine einzigartige Harmonie, Schwerelosigkeit und Dynamik" zwischen den Athleten und ihrem Sportgerät.
Trotz der großen internationalen Erfolge deutscher Athletinnen und Athleten führt die Sportart in ihrem Ursprungsland eher ein Nischendasein. Köhler nennt mögliche Gründe: Rhönradturnen wird kaum im Fernsehen oder in großen Sportportalen gezeigt. Es gibt auch keine Profiliga oder regelmäßige internationale Großevents mit breiter Berichterstattung.
Turnerinnen sehen das Positive im Nischendasein
Für die 20 Jahre alte Rhönradturnerin Klara Kiefer aus dem hessischen Offenbach ist das Nischendasein ihrer Sportart kein Problem. "Da wir eine vergleichsweise kleine Gemeinschaft sind, turnt man bei Wettkämpfen zur Deutschen oder zur Süddeutschen Meisterschaft ab und zu zusammen mit dem Weltmeister oder der Weltmeisterin. Man kommt seinen Vorbildern auf diese Art sehr nahe", sagt das Mitglied der Turngesellschaft Offenbach-Bieber.
"Einzigartig" und "cool"
Auch ihre Vereinskollegin Sara Richter kann gut damit umgehen, dass sie mit ihrem Lieblingssport nicht so viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommt wie etwa Volleyballerinnen oder Tennisspielerinnen. "Rhönradturnen ist einzigartig und anders als andere Sportarten. Es ist cool etwas zu machen, was nicht jeder kennt", sagt die 20-Jährige. Wobei sich das ändere, beobachtet Klara Kiefer. "Ich habe das Gefühl, durch Instagram-Posts wissen mittlerweile immer mehr Menschen, was Rhönradturnen ist."
Für Männer auch "sehr maskulin"
Vereinskameradin Elisabeth Pleß findet Rhönradturnen "charmant". Man kenne eben alle Aktiven. "Zudem gibt es auch weniger Konkurrenz, um in die Top Ten aufzusteigen", sagt die 38-Jährige. Sie findet es allerdings sehr schade, dass die Sportart eine weibliche Domäne ist. "Man kann Rhönradturnen auch sehr maskulin gestalten. Weil Männer mehr Stützkraft haben als Frauen, können die wirklich tolle Sachen machen", findet sie.
Vereine brauchen viel Platz für Rhönräder
Nachwuchsprobleme kenne die Rhönrad-Abteilung nicht, erklärt Trainerin Ulrike Kiefer. "Im Gegenteil: Wir haben mehr Interessenten als Trainingskapazitäten im Verein", sagt sie. Das Problem mit dem Rhönradturnen sei, dass ein Verein dafür viel Platz brauche - zum Unterstellen der sperrigen Geräte und auch als Trainingsfläche.
"Wir trainieren in einer kleinen Schulturnhalle, hätten aber gerne eine größere Halle, denn bei bestimmten Übungen können nur zwei Rhönradturnerinnen gleichzeitig trainieren, weil es sonst zu eng wird", sagt die Trainerin. Und der Rest müsse dann zuschauen. "Auch bei Aufführungen beispielsweise auf Festen brauchen wir immer große Bühnen."
Elegante Sportart für Menschen mit guter Körperbeherrschung
Rhönradturnen ist nach Ansicht der Trainerin eine sehr elegante Sportart, die eine gute Körperbeherrschung verlange. "Die Turnerinnen sind zwar nicht breit gebaut, aber sehr kräftig. Man braucht auch Kraft, denn ein Rhönrad wiegt je nach Ausführung rund 50 Kilos", sagt Ulrike Kiefer.
Und dieses Gewicht bekomme jeder, der diese Sportart ausübe, mindestens einmal schmerzlich zu spüren, schmunzelt Pleß. "Eine richtige Rhönradturnerin weiht sich ein, indem sie sich einmal den Kopf anhaut und einmal über den Finger rollt."