Grüner See: Schatz in der Steiermark ausgetrocknet
Klimawandel-Alarm in ÖsterreichDer Schatz in der Steiermark: Grüner See ist komplett ausgetrocknet
Markus Brauer 11.04.2025 - 11:52 Uhr
Die eine Hälfte des Jahres ist der Grüne See ein Eldorado für Wanderer, die andere Hälfte ist er ein ein klarer, smaragdgrün schimmernder Bergsee. Doch derzeit bietet sich Besuchern ein schockierendes Bild: Das smaragdgrün schimmernde Naturjuwel ist komplett ausgetrocknet.
Nach der Austrockung und im Frühjahr 2024: Grüner See in der Steiermark. Foto: Imago/Volker Preusser, IMAGO / imagebroker
Der Grüne See ist ein beliebtes Touristenziel in Österreich. Doch derzeit zeigt sich das smaragdgrün schillernde Naturjuwel ungewohnt ausgedörrt: Der berühmte See in der Steiermark ist komplett ausgetrocknet. Was dahintersteckt, warum der Ort dennoch verzaubert und welche Alternativen infrage kommen.
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Derzeit sieht das Naturjuwel so aus. Foto: Imago/Imagebroker Völlig ausgetrocknet. Foto: Imago/Imagebroker Der Grund: Im vergangenen Winter ist kaum Schmelzwasser in den See nachgeflossen. Foto: Imago/Imagebroker
Dieses Bild treibt Anwohnern und Besuchern in Tragöß in der österreichischen Steiermark die Tränen in die Augen: Der malerisch-schöne Grüne See ist ausgetrocknet. Normalerweise füllt sich das Gewässer im Frühjahr durch Schmelzwasser aus den umliegenden Bergen.
Das Wasser, das aufgrund des kalkhaltigen Bodens smaragdgrün erscheint und Temperaturen zwischen 5 und 6 Grad Celsius hat, versickert im Laufe des Jahres im Grund.
Auf den hohen Wasserstand im Frühsommer folgt ein drastischer Rückgang im Herbst: Der bis zu zehn Meter tiefe See schrumpft dann gewöhnlich bis auf Teichgröße. Der bei Wanderern beliebte See ist etwa 550 Meter lang und bis zu 320 Meter breit und liegt an der Gebirgsgruppe Hochschwabgruppe.
Der Grüner See im Winter: Normalerweise ist immer noch ein Rest Wasser vorhanden. Foto: Imagebroker Aufgenommen mit einer Drohen. Foto: Imago//Herwig Czizek
„Es gibt Erzählungen, dass er davor schon einmal trocken war“
Weger hoher Niederschläge war der Wasserstand des Sees im Herbst 2024 so hoch wie selten zuvor. Doch in den Wintermonaten hat es kaum geregnet. Nun ist der Grüne See vollständig trocken.
Dem Bürgermeister der Stadt Tragöß Hubert Zinner zufolge war das das letzte Mal vor vielen Jahren der Fall. „Es gibt Erzählungen, dass er davor schon einmal trocken war. Aber in den letzten Jahrzehnten nie.
Ein Naturjuwel sondersgleichen. Foto: Imago/Herwig Czizek Algen wachsen auf dem Seegrund, die ihn dann smaragdgrün schimmern lassen. Foto: Imago/Digitalpress
Grüner See als „Real life Atlantis“
Internationale Bekanntheit erlangte der Grüne See 2014, als der US-Schauspieler Ashton Kutcher einen Beitrag repostete und ihn als „Real life Atlantis“ (das wahre Atlantis) feierte. Die ORF-Show „9 Plätze – 9 Schätze“ kürte ihn daraufhin zum schönsten verborgenen Ort Österreichs.
Trotz der aktuellen Trockenheit wird der Grüne See nicht dauerhaft leer bleiben, etwas Wasser wird sich dennoch sammeln. Zwar werde er ohne weitere Niederschläge „heuer wohl nicht sehr groß“, doch seine türkisgrüne Färbung bleibe dank des kalkhaltigen Bodens auch bei niedrigem Wasserstand erhalten, erklärt Zinner.
Trotz der aktuellen Trockenheit wird der Grüne See nicht dauerhaft leer bleiben, etwas Wasser wird sich dennoch sammeln. Foto: Imago/Rainer Mirau Der See ist eingebettet in ein Panorama aus Nadelwäldern und Berggipfeln. Foto: Imago//Dreamstime
Rund um das Naturjuwel warten zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten auf bergerprobte Besucher: Man kann die Marienklamm erkunden, zur Jassnigalm wandern oder den 1835 Meter hohen Gipfel der Meßnerin ersteigen, der majestätisch über dem See thront.
Doch nicht nur dem Grünen See, auch Österreichs Gletschern geht es miserabel. Die einst mächtigen Gletscher könnten angesichts des Klimawandels laut Experten schon in absehbarer Zeit fast völlig verschwinden.
Um wenigstens einen kleinen Teil der Eismassen zu retten, müsste der Temperatur-Anstieg auf 1,5-Grad begrenzt werden, heißt es in einer Studie eines österreichisch-britischen Forschungsteams, die in der Fachzeitschrift „The Cryosphere“ veröffentlicht worden ist. In der Region Ötztal und Stubaital seien zwischen 2006 und 2017 bereits fünf Gletscher verschwunden.
Aktuell sei mit einem Temperatur-Anstieg von 2,7 Grad zu rechnen. „Das Zeitfenster schließt sich sehr schnell“, warnt Fabien Maussion von der Universität Bristol und Innsbruck.
Die Bildkombo zeigt den Gepatschferner in den Ötztaler Alpen oben, aufgenommen am 13. Juli 2017 und unten, aufgenommen am 11. Juli 2023. Foto: ÖAW/APA/Martin Stocker-Waldhuber/dpa Die Bildkombo zeigt den Kaunergrat (li.) in den Ötztaler Alpen, aufgenommen im Jahr 2003 und im Jahr 2023 (re.). Foto: ÖAW/APA/Martin Stocker-Waldhuber/dpa
Gletscher-Reste nennen die Forscher „Toteis“
Die Prognose der Forscher bezieht sich auf Gletscher in Tirol. Die Ergebnisse seien aber auf ganz Österreich anwendbar, so die Studie. „Wir schauen den Gletschern beim Verschwinden zu. Eisreste, die keine Fließbewegung und kein Nährgebiet mehr haben, sind eigentlich keine Gletscher mehr. Man nennt sie Toteis“, so eine Forscherin vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (mit dpa-Agenturmaterial).