Goethe und sein „Faust“ - das ist eine unendliche Geschichte. Lebenslang für seinen Schöpfer und schier unerschöpflich für die Nachwelt. Das Stück zum bürgerlichen Menschenbild ist lebendig, weil es so verschieden wirkt. Je nach der Beleuchtung des Jahrzehnts und der Epoche, in der es gelesen wird oder auf die Bühne kommt. Schon, weil da einer in der Morgendämmerung des bürgerlichen Zeitalters auch die Schatten von dessen Abendlicht imaginierte. So viel Vers-Erbe in dem Format gibt es nicht. Es ist zwar ein erdichtetes Hochgebirge, doch jede Menge Zitat-Bausteine sind wie Mosaiksteine in dem Deutsch, das heute gesprochen wird, verteilt und funkeln. Und sind bis ins kultige Trash-Kino hinein ein Dialog über die Generationen und Zeiten hinweg. Noch hält eine Mehrheit „Fuckyou“ nicht für den Vornamen des Weimarer Dichterfürsten, sondern für Ironie. Noch gibt es hinreichend „gebildete Stände“, die sich darüber aufregen, wenn Spracherneuerer ausgerechnet den „Faust“ vom Lehrplan streichen wollen.
Der „Faust“ in Eisenach Und Gretchen sitzt im Kerker
Joachim Lange 28.02.2025 - 15:25 Uhr